Tobias Weis kam 2007 vom VfB Stuttgart nach Hoffenheim und wurde dort Nationalspieler
Tobias Weis kam 2007 vom VfB Stuttgart nach Hoffenheim und wurde dort Nationalspieler
© Imago

Bundesliga: Tobias Weis exklusiv

Donnerstag, 04.12.2008

"Unsere Offensive ist besser"

Tobias Weis kommt in der Topbegegnung des 16. Spieltags der Bundesliga zwischen dem FC Bayern München und 1899 Hoffenheim (Fr., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) eine womöglich spielentscheidende Rolle zu. Der Neu-Nationalspieler muss in Zusammenarbeit mit Andreas Beck die Kreise von Franck Ribery stören.

Im Interview mit SPOX spricht Weis über das Duell mit dem Franzosen, gewährt Einblicke in geheime Trainingsinhalte und verrät die Taktik, mit der die Bayern bezwungen werden sollen. 

SPOX: Herr Weis, Sie sind leidenschaftlicher Football-Fan und haben früher mit Ihrem Bruder selbst gespielt. Gibt es etwas, dass sich vom Football in den Fußball übertragen lässt?

Tobias Weis: Von der Härte kann man sicherlich was zum Fußball mitnehmen. Gerade für das Zweikampfverhalten hat mir das vielleicht doch was gebracht.

SPOX: Ihre Art zu spielen, hat ja Football-ähnliches. Nicht umsonst werden Sie Kampfquirl oder Mini-Gattuso genannt. Was ist Ihnen eigentlich lieber?

Weis: Ich amüsiere mich immer darüber, was die Medien da erfinden. Ich kann gar nicht sagen, was mir besser gefällt. Es ehrt mich natürlich, mit einem Weltmeister wie Gattuso verglichen zu werden.

SPOX: Wären Sie nicht viel lieber der Mini-Ronaldinho? Das ist doch Ihr Lieblingsspieler.

Weis: Er war mein Lieblingsspieler. In den letzten Jahren hat er nicht mehr die Leistungen gebracht, die ihn so stark gemacht haben, deshalb fände ich Mini-Ronaldinho nicht so gut.

SPOX: Also doch Kampfquirl. Wie geht es denn aus, wenn ein Kampfquirl auf den Pink Panther trifft, sprich Sie gegen Franck Ribery ran müssen?

Weis: Positiv für mich. Ribery wird gerade als bester Spieler auf der Welt gehandelt. Da kann ich mich natürlich beweisen, immer vorausgesetzt, dass mich der Trainer natürlich spielen lässt. Lassen wir uns mal überraschen, was auf dem Feld passiert.

SPOX: Wie wird Hoffenheim spielen? Geht von der ersten Minute an wieder im Hoffenheim-Stil die Post ab?

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Weis: Auf jeden Fall. Die ganze Woche lief bei uns ab wie vor dem Bielefeld-Spiel. Wir machen uns gar nicht verrückt und werden nicht unruhig. Wir fahren nach München und wollen unser Spiel durchbringen. Wir haben nichts zu verlieren und werden offensiv nach vorne spielen. Uns prägt das Offensivspiel, mit ein, zwei Kontakten schnell nach vorne zu spielen, egal ob es gegen Gladbach, Cottbus oder Bayern geht. Das können wir, da sind wir stark. Und das machen wir auch in München.

SPOX: Wo ist Hoffenheim denn stärker als Bayern?

Weis: Unsere Offensive ist, denke ich, schon einen Tick besser. Und unsere mannschaftliche Geschlossenheit ist einzigartig. Was bei uns von den einzelnen Spielern charakterlich abgeht, ist phänomenal. Wenn einer rein kommt, spielt der gleich überragend. Wenn einer ausfällt, kommt ein anderer und macht den Job. Und alle gönnen es dem anderen auf eine ganz ehrliche Art und Weise. Das hatte ich so vorher noch nicht kennengelernt. 

SPOX: Was würde ein Sieg in München bedeuten?

Weis: Es wäre noch mal ein großes Ausrufezeichen. Bayern kommt langsam in Fahrt, wir sind immer noch Aufsteiger. Das darf man nicht vergessen. Wenn uns vor einem Jahr jemand erzählt hätte, dass wir als Tabellenführer nach München fahren, hätten wir ihm den Vogel gezeigt.

SPOX: Uli Hoeneß hat gesagt, dass Bayern natürlich die bessere Mannschaft hätte. Finden Sie das auch so "natürlich"?

Weis: So natürlich finde ich das nicht. Man muss sehen, was in den letzten Wochen und Monaten abgelaufen ist. Da waren bei uns vielleicht ein, zwei schlechte Spiele dabei und Bayern hatte Anlaufschwierigkeiten. Ich denke aber nicht, dass sie uns unterschätzen werden. Wer die Bayern kennt, weiß, dass sie immer auf den Punkt da sind. Davon gehe ich auch am Freitag aus.

SPOX: Ein Sieg in München wäre vielleicht der letzte Beweis, dass Hoffenheim Meister werden kann.

Weis: Wir wissen, was in uns steckt und was wir erreichen können. Das Spiel in Köln war das beste Beispiel. Das hätten wir vor einem Jahr noch verloren, jetzt gewinnen wir es klar. Ich traue uns einiges zu. Wenn die Mannschaft so zusammen bleibt und wir weiter zusammen wachsen, können wir in der Bundesliga auf Dauer eine große Rolle spielen.

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SPOX: Ein Eckpfeiler des Hoffenheimer Erfolges ist das Pressing. Kurz erklärt: Wie spielt man gutes Pressing?

Weis (lacht): Das sage ich lieber nicht, sonst weiß Bayern Bescheid. Nein, im Ernst: Es ist einfach so, dass jeder bei uns jung und hungrig ist. Die Pressing-Taktik, den Ball erobern zu wollen, passt optimal zu uns. Wir sind gut damit gefahren und ziehen das auch über 90 Minuten durch. Egal, wie es steht.

SPOX: Hilft in diesem Fall auch das so spezifische Training?

Weis: Absolut. Wenn wir nur auf einem schmalen Streifen des Platzes trainieren, kann die eine Mannschaft das Pressing-Spiel üben, die andere muss schauen, wie sie aus dem Pressing  herauskommt. Oder wenn wir eine Trainingseinheit haben, bei der die Mitte tabu ist und man über außen spielen muss. Das sind alles Sachen, die sich im Spiel widerspiegeln und die eben unseren Erfolg jetzt bringen. Wir können im Spiel sehr gut umsetzen, was wir im Training erarbeiten.

SPOX: Welchen Anteil hat Ralf Rangnick am Erfolg?

Weis: Der Erfolg hat viel mit seiner Person zu tun. Er überlässt nichts dem Zufall. Das ist ausschlaggebend.

SPOX: Sie scheinen ein sehr gutes Verhältnis zu Ralf Rangnick zu haben. Woher rührt das?

Weis: Als ich beim VfB bei den Profis war, hatte ich einmal ein Gespräch mit Ralf Rangnick. Das hat eine halbe Stunde gedauert und danach war ich total überzeugt. Man kann schon sagen, dass wir ein besonderes Verhältnis haben. Er ist nicht nur der Taktik-Professor, mit ihm kann man auch über alles jederzeit reden. Er hat immer ein offenes Ohr für seine Spieler.

SPOX: Bezeichnend ist diese Tankstellen-Geschichte. Sie wissen schon...

Weis: ... ja, ich weiß. Ich war am Abend vor dem Spiel gegen den KSC im Hotel und hatte einen Duschunfall. Ich stand unter der Dusche, mein Handy hat geklingelt, ich bin raus gerannt und habe mir übel den Zeh angeschlagen. Der war am nächsten Tag schön blau und dick. Dann habe ich eine Spritze bekommen, aber Ralf Rangnick wollte noch mal testen, ob es wirklich geht. Also sind wir an die Tankstelle, haben einen Ball geholt und sind zu einem Hartplatz gefahren. Dort haben wir fünf Minuten geschaut, ob es geht und es hat ja dann auch im Spiel funktioniert. Aber ich habe bis heute Probleme und muss mich auch vor dem Spiel in München spritzen lassen.

SPOX: Ralf Rangnick hat Sie auch zum Nationalspieler geformt. Was hat Sie am meisten beeindruckt an Ihrer ersten Länderspiel-Woche?

Weis: Ich kann gar nicht eine Sache herausheben, es war alles so beeindruckend für mich. Die ganze Woche. Das ging schon mit der Ankunft los. Ich habe zwar leider nicht gespielt, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

SPOX: Haben Sie sich wie ein Gast gefühlt?

Weis: Nein, gar nicht. Wenn ich mein Potential abrufe, weiß ich, dass ich dazu gehöre. Das habe ich im Training gemerkt. Joachim Löw hat mir auch bestätigt, dass ich gut trainiert habe. Er hat mir gesagt, dass ich so weitermachen soll, dann sieht man sich auf jeden Fall wieder.

SPOX: Letzte Frage, als Football-Fan kennen Sie sich ja mit dem Super Bowl aus. Bayern gegen Hoffenheim ist vom Hype-Faktor fast vergleichbar, auch wenn noch keine Trophäe zu gewinnen ist. Wer gewinnt den deutschen Super Bowl?

Weis: Hoffenheim! Mein persönlicher Tipp ist 2:1 für uns.

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