Die Bundesliga-Saison geht in ihre finale Phase, der Abstiegskampf spitzt sich zu. Mit Bremen, Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim fighten vier Teams um die Nichtabstiegsplätze. SPOX hat je einen Journalisten pro Team zum Experten-Panel geladen.
Werder Bremen: Alexander Kuhl (Weser Report)
Alexander Kuhl, Sportchef beim Weser Report, begleitet Werder seit 17 Jahren.
Eigentlich spricht vor den letzten beiden Saisonspielen nicht viel für Werder im Kampf gegen den Abstieg. Die Bremer spielen am kommenden Samstag daheim und im Weserstadion tat sich die Schaaf-Truppe zuletzt deutlich schwerer als auswärts.
Der Gegner heißt Eintracht Frankfurt, die Hessen liebäugeln noch mit Platz vier, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt. Gerade mal drei Punkte liegen zwischen der Eintracht und den Schalkern, die dort derzeit rangieren.
Und überhaupt: Werder konnte seit nunmehr elf Spielen nicht gewinnen, in der Rückrunde hat nur Fortuna Düsseldorf weniger Punkte geholt. Die Grün-Weißen zehren immer noch von der ordentlichen Hinrunde, mittlerweile ist der Vorsprung auf die Konkurrenz aus Augsburg und Düsseldorf allerdings auf mickrige drei Zähler geschrumpft.
Die Rechnung an der Weser lautet trotzdem: Selbst wenn die Partien gegen Frankfurt und beim 1. FC Nürnberg nicht gewonnen werden, könnten diese drei Punkte reichen. Das Restprogramm gilt als Hoffnungsschimmer für die Fans, weil beispielsweise Augsburg am kommenden Wochenende beim FC Bayern spielt.
Fast noch wichtiger als der Klassenerhalt ist den grün-weißen Anhängern ein würdiger Abgang von Thomas Schaaf. Der Coach, der seit 14 Jahren Werders sportliche Geschicke leitet, hat zwar noch einen bis 2014 gültigen Vertrag. Aber nur die wenigsten in Bremen rechnen damit, dass er über die Saison hinaus im Amt bleibt. Nach drei verkorksten Spielzeiten ist die Sehnsucht nach Erfolg größer als die Liebe zu Schaaf.
In diesen schweren Zeiten ist in Bremen eine neue Werder-Euphorie entstanden. Die ganze Stadt zeigt sich solidarisch, die sonst gerne nörgelnden und reservierten Hanseaten verwandelten das Weserstadion bereits beim vergangenen Heimspiel gegen Hoffenheim in einen grünen Hexenkessel.
Und auch gegen die Eintracht haben Fan-Initiativen wieder zu der Aktion "ALLEz GRÜN" aufgerufen. Die Unterstützung der Zuschauer könnte am Ende der entscheidende Faktor sein, der Werder zum Klassenerhalt verhilft. Wenigstens etwas spricht also dafür.
Seite 2: Fortuna Düsseldorf - Alles reine Nervensache
Seite 3: FC Augsburg - Totgesagte leben länger
Seite 4: 1899 Hoffenheim - The triend is your friend
Fortuna Düsseldorf: Johannes Bornewasser (RP-Online)
Johannes Bornewasser (30) ist seit jeher Fortuna-Anhänger. Privat reiste der gebürtige Düsseldorfer mit der Fortuna auch zu Oberligazeiten durch die Stadien Nordrhein-Westfalens, beruflich begleitete er über viele Jahre die zweite Mannschaft des Vereins. Inzwischen arbeitet er im Portalmanagement von "RP ONLINE".
Sportlich hat Fortuna Düsseldorf das leichteste Restprogramm. So zumindest lautet die aktuell in diversen Sport-Gazetten diskutierte These. Tatsächlich hat es der Aufsteiger jedoch besonders schwer: Während die Konkurrenz zuletzt erfolgreich zum Endspurt ansetzte, scheint das Team von Trainer Norbert Meier nach zehn Spielen ohne Sieg mental den Tiefpunkt erreicht zu haben. Und die Bedeutung psychischer Stärke hat die Fortuna noch vor genau einem Jahr in der Relegation gegen Hertha BSC Berlin unterstrichen.
Spätestens am vergangenen Spieltag in Frankfurt schlugen die Düsseldorfer auf dem harten Boden der Tatsachen auf. Mit gesenkten Köpfen und hängenden Schultern stolperte das Team durch die Commerzbank-Arena und präsentierte sich als dankbarer Sparringspartner einer schwachen Frankfurter Eintracht.
Meiers jüngste Taten, die Trennung von Nando Rafael und Andrey Voronin, sollen die Ruhe und Konzentration zurück bringen. Rafael war zuletzt in die dritte und schwerste Trainings-Schlägerei der Rückrunde verwickelt und Voronin ausschließlich abseits des Fußballrasens in die Schlagzeilen geraten. Und nun steht ausgerechnet Meier selbst als möglicher Kandidat für die Nachfolge Thomas Schaafs in Bremen unverschuldet im Fokus.
Doch trotz der Störfeuer und jüngsten Misserfolge ist das sportliche Ziel, der Klassenerhalt, in Düsseldorf keineswegs in den Hintergrund gerückt. Der genaue Blick auf das Restprogramm der drei Abstiegskandidaten Hoffenheim, Augsburg und Düsseldorf legt allerdings die Vermutung nahe, dass sich die Fortuna dafür am Samstag gegen Nürnberg positionieren muss. Ein Sieg in der Esprit-Arena und der Matchball für den Saisonabschluss in Hannover wäre aufgelegt.
Die Marschrichtung der Fortuna wird sich also maßgeblich im letzten Heimspiel der Saison entscheiden. Dafür macht am Ende das Selbstvertrauen den Unterschied. Die schwierigste Aufgabe dieser Tage liegt damit bei Norbert Meier.
Seite 1: Werder Bremen - Euphorie im Abstiegskampf
Seite 3: FC Augsburg - Totgesagte leben länger
Seite 4: 1899 Hoffenheim - The triend is your friend
FC Augsburg: Herbert Schmoll (Augsburger Allgemeine)
Herbert Schmoll ist Redakteur bei der Augsburger Allgemeine und begleitet den FC Augsburg seit 30 Jahren journalistisch.
Totgesagte leben länger, sagt der Volksmund. Es war im Dezember des vergangenen Jahres, da gaben selbst die größten Optimisten im Lager des FC Augsburg kaum einen Pfifferling auf ihren Verein. Magere neun Punkte hatte der Klub im Oberhaus bei Halbzeit auf seinem Konto, ebenso wie die SpVgg Greuther Fürth, die Leistungen in der Vorrunde waren insgesamt desaströs. Die beiden Direktabsteiger schienen schon früh in der Saison festzustehen.
Ich hatte damals allerdings schon noch einen kleinen Funken Hoffnung, denn der Rückstand auf Hoffenheim betrug nur drei Zähler. Gut möglich, dass sich jetzt meine damalige Zuversicht bestätigt. Augsburg hat die Kraichauer längst überholt, zwei Spieltage vor dem Saisonfinale stehen die Chancen für den FCA, auch in seiner zweiten Bundesligasaison den Klassenerhalt feiern zu dürfen, nicht schlecht.
Ganz Augsburg fiebert den beiden letzten Begegnungen entgegen. Denn die Auswahl von Trainer Markus Weinzierl hat nach der Winterpause gerade zu Hause ihre Anhänger mit imponierenden und leidenschaftlichen Auftritten begeistert. Mit 21 Punkten liegen die Schwaben in der Rückrundentabelle auf dem siebten Platz.
Gut 7000 Fans werden die Mannschaft am Samstag zum Derby bei den Bayern begleiten, mit über 30 000 Besuchern ist die SGL-Arena am letzten Spieltag gegen die SpVgg Greuther Fürth längst ausverkauft. Allerdings hat sich die Ausgangsposition nach der überflüssigen und unnötigen 0:2-Niederlage beim SC Freiburg am vergangenen Sonntag etwas verschlechtert, mit einem Punkt im Breisgau hätte der Klub erstmals seit dem dritten Spieltag einen Abstiegs- oder Relegationsplatz verlassen können.
Egal. In Augsburg ist die Grundstimmung trotzdem ausgezeichnet, von Abstiegs- oder gar Existenzängsten ist nichts zu spüren, im Verein herrscht Ruhe. Weinzierl hat den Begriff der "Nicht-Abstiegseuphorie" geprägt.
Die Mannschaft hat den Klassenerhalt noch selbst in der Hand. Natürlich wird es in der Allianz Arena bei den Bayern, die an diesem Nachmittag ihren Meistertitel feiern, kaum etwas zu holen geben. Und auch das letzte Ligaspiel zu Hause gegen die zwar schon abgestiegenen aber sehr auswärtsstarken Fürther wird kein Selbstläufer. Hier müssen allerdings ohne wenn und aber drei Punkte her, dann hat man wohl zumindest den Relegationsplatz erreicht.
Ich lege mich fest: Der FCA belohnt sich selbst und schafft das Klassenziel. Wenn nicht direkt, dann über den Umweg der beiden Relegationsspiele. Auch das hat ja durchaus seinen Reiz.
Seite 1: Werder Bremen - Euphorie im Abstiegskampf
Seite 2: Fortuna Düsseldorf - Alles reine Nervensache
Seite 4: 1899 Hoffenheim - The triend is your friend
1899 Hoffenheim: Frank Enzenauer (Rhein-Neckar-Zeitung)
Frank Enzenauer berichtet für die Rhein-Neckar-Zeitung über 1899 Hoffenheim.
Der Trend spricht eindeutig für Hoffenheim. Unter dem neuen Trainer Markus Gisdol wurden acht Punkte aus fünf Spielen geholt, im Vergleich zu vorher war eine enorme Leistungssteigerung zu erkennen. In dieser Hinsicht hat 1899 im Vergleich zu den Konkurrenten, die zuletzt allesamt weniger Punkte sammelten, im Abstiegskampf einen psychologischen Vorteil.
Das Problem: Es bleibt nicht mehr viel Zeit. In zwei Spielen müssen die Kraichgauer zwei Punkte aufholen - doch de facto sind es drei Punkte, da Hoffenheim von den vier Teams im Abstiegskampf mit Abstand das schlechteste Torverhältnis hat. Ein Faktor, der Hoffenheim Angst macht.
Sollte Hoffenheim tatsächlich den Weg in die Zweitklassigkeit antreten müssen, wäre eine Rückbesinnung auf die alten Werte zwingend vonnöten. Man darf nicht erneut dem Aktionismus verfallen und mit aller Macht den Aufstieg anstreben. Im Falle eines Abstiegs braucht es einen echten Neuanfang.
Allerdings ist der Abstieg keine Voraussetzung für einen solchen Neuanfang. Die ersten Schritte wurden bereits seit der Übernahme von Gisdol eingeleitet. Für die Entwicklung der Mannschaft wäre es von Vorteil, weiter in der ersten Liga spielen zu können und nicht unter dem enormen Aufstiegsdruck zu leiden.
Seite 1: Werder Bremen - Euphorie im Abstiegskampf
Seite 2: Fortuna Düsseldorf - Alles reine Nervensache
Seite 3: FC Augsburg - Totgesagte leben länger
Die Bundesliga-Tabelle
Im Trend
Das könnte Dich auch interessieren
.jpeg?quality=60&auto=webp&format=pjpg&width=317)


