Offensiv, vertikal und vor allem schnell. So stellte sich Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann den Stil seiner Mannschaft vor. Für den Meistertitel wirft Klinsmann seine Prinzipien über den Haufen. Auch gegen den FC Schalke 04 (Sa., 15.30 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) werden die Bayern im 4-5-1 auflaufen. Beide Seiten versprechen einen heißen Nachmittag.
Uli Hoeneß lässt im Saisonendspurt nichts unversucht. Der Bayern-Manager setzt auf himmlischen Beistand und wird in den restlichen sechs Bundesligaspielen einen Schal der "Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul" um den Hals tragen.
Zudem werden Nonnen aus der Kongregation, die 100-prozentiger Gesellschafter eines Bayern-Sponsors ist, auf Einladung von Hoeneß beim Spiel gegen Schalke 04 in der Münchner Arena dabei sein. "Gerade in diesen Tagen vor der Schlussphase im Meisterschaftsrennen wollen wir unseren Partnern vom FC Bayern ein Zeichen der Verbundenheit geben", sagte Schwester Theodolinde.
Klinsmann: "Wir sind bestens präpariert"
Auch Jürgen Klinsmann lässt nichts unversucht. Statt wie üblich erst um 16 Uhr bat der Trainer am Freitag schon um 12 Uhr zum Abschlusstraining. "Dadurch können wir im Hotel mit den Spielern mehr reden und sie auch intensiv behandeln", begründete Klinsmann die Maßnahme.
Klinsmann redet seine Spieler stark und hat die "volle Überzeugung", dass seine Mannschaft einen erfolgreichen Saisonendspurt hinlegen wird. "Wir haben gut trainiert, die Stimmung ist bestens. Wir sind bestens präpariert für den Endspurt", sagte Klinsmann am Freitag.
Allerdings müsse der FC Bayern "annähernd an die Maximalpunktzahl kommen", um Deutscher Meister zu werden. Der Kapitän geht davon aus, dass sechs Siege definitiv reichen. "Wenn wir 18 Punkte holen, sind wir Meister. Wolfsburg wird keine 16 Spiele in Folge gewinnen", sagte Mark van Bommel.
Rummenigge fordert Biss
Klinsmanns Vorhaben, den Spielstil der Bayern zu "revolutionieren", interessiert an der Säbener Straße niemanden mehr. Der viel zitierte "vertikale Pass" ist nicht mehr en vogue, es geht nur noch ums Gewinnen. Wenn's sein muss auch dreckig.
"Wir haben die Spiele gegen Frankfurt und in Bielefeld mit großem Einsatz, Kampf und dem nötigen Biss für uns entscheiden können. Das muss der Stil sein, der beim FC Bayern in den nächsten Wochen gefragt ist", forderte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.
Für den Titel lässt Klinsmann grätschen. Auch mangels Alternativen bevorzugt er seit einigen Spielen ein 4-5-1 mit Luca Toni als einzigem Stürmer und der variablen offensiven Mittelfeldreihe aus Franck Ribery, Bastian Schweinsteiger und Jose Ernesto Sosa.
Keine Chance für Podolski
Zwar kehrt der zuletzt angeschlagene Lukas Podolski gegen Schalke in den Kader zurück, wird aber nur auf der Bank sitzen. Selbst in Heimspielen und zwei fitten Angreifern verzichtet Klinsmann auf einen Zweiersturm.
Podolski erweckte in den letzten Trainingseinheiten nicht gerade den Eindruck, als wolle er den FC Bayern auf Biegen und Brechen mit dem Meistertitel verlassen und dazu auch noch entscheidenden Beitrag zu leisten.
Zudem hat sich das 4-5-1 bei den Siegen gegen Frankfurt und Bielefeld bewährt. Toni würde sich zwar etwas mehr Unterstützung an vorderster Front wünschen, doch der Zweck heiligt die Mittel. Ribery oder Sosa geben bei Ballbesitz mitunter einen zweiten Stürmer. Das Trio inklusive Schweinsteiger wechselt oft die Positionen und ist so schwerer auszurechnen. Premiere
Ze Roberto für Ottl
Gegen Schalke haben die Bayern durch die Hereinnahme von Ze Roberto für den defensiveren Andreas Ottl zusätzliche Optionen im Angriffsspiel.
Da Schalke mit Jermaine Jones, Levan Kobiaschwili und Halil Altintop voraussichtlich nur drei nominelle Mittelfeldspieler aufbieten wird, hätten die Bayern bisweilen zwei Mann mehr in der Zentrale. Schalke kann das kompensieren, indem die offensiven Außen Vicente Sanchez (links) und Jefferson Farfan (rechts) bei Ballbesitz Bayern nach hinten arbeiten.
In jedem Fall wird es zur Sache gehen, darüber sind sich die Beteiligten einig. "Wir müssen alles tun, um Schalke zu schlagen. Und vielleicht sogar ein bisschen mehr als alles", sagte van Bommel.
Halil "droht" Bruder Hamit
Die Schalker, deren Fans sich bereits am Donnerstagabend scharenweise lautstark am Münchner Flughafen breitmachten, reisen mit der Empfehlung von drei Siegen ohne Gegentor an.
"Wir müssen die Räume eng machen, richtig draufgehen und Bayerns Schlüsselspieler Ribery doppeln", lautet die Strategie von Interimstrainer Mike Büskens.
Halil Altintop würde auch Bruder Hamit "zur Not fegen, wenn es hart auf hart kommt." Auch für Schalke zählt bei fünf Punkten Rückstand auf Platz fünf nur ein Sieg. Unter dem Trainertrio Büskens/Mulder/Reck sind die Knappen noch ungeschlagen. 25 von möglichen 27 Punkten wurden eingefahren.
Jürgen Klinsmann hat gegen Schalke als Spieler übrigens vier Mal verloren. Das letzte Mal am 33. Spieltag der Saison 1995/96. Die 1:2-Niederlage bedeutete damals das endgültige Ende der Münchner Meisterträume. Die Geschichte könnte sich am Samstag wiederholen...
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