Der Boden war Schuld. Meinte jedenfalls Tim Wiese. Auf dem schlammigen Untergrund sei er ausgerutscht. "Das passiert halt", erklärte der frühere Nationaltorhüter seinen Fauxpas zum frühen Gegentreffer.
Bloß nicht das zarte Pflänzchen zerstören, das vor Wochenfrist beim Sieg über Schalke 04 gerade erst gediehen war. Das galt für Wiese im Speziellen und für 1899 Hoffenheim im Allgemeinen. Und so waren die Berufsoptimisten bei der mit vielen Millionen aufgepeppten Mannschaft aus dem Kraichgau nach diesem tristen 1:1 (1:1) bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf deutlich in der Überzahl.
Ein Punkt für die Moral sei es gewesen, sagte Wiese, der in der vierten Minute eine Flanke von Ronny Garbuschewski verschätzt hatte und dann auch noch ausgerutscht war, woraufhin sich der Düsseldorfer Robbie Kruse mit seinem ersten Bundesligator bedankt hatte. Es war bereits der 24. Gegentreffer im achten Pflichtspiel für seinen neuen Klub und ein weiterer vermeidbarer obendrein. "Es ist auf jeden Fall ein Aufwärtstrend erkennbar. Gegen Schalke haben wir gewonnen und nun mit zehn Mann ein 1:1 in Düsseldorf erkämpft. Wir haben jetzt lange nicht verloren", ergänzte der Schlussmann mit den langen Haaren und sprach die Mini-Serie von zwei Spielen ohne Niederlage an. "Mit elf Spielern hätten wir gewonnen."
Da aber Marvin Compper bereits in der 51. Minute mit einer Gelb-Roten Karte wegen zweier Fouls an Kruse innerhalb kurzer Zeit vom Platz musste, sahen sich die Hoffenheimer einer Abwehrschlacht gegen fußballerisch doch arg limitierte Düsseldorfer ausgesetzt. Da sei ein Ruck durch die Mannschaft gegangen, betonte Trainer Markus Babbel und fand auch noch ein paar positive Aspekte des recht bescheidenen Auftritts der Kraichgauer, die mit zwölf Punkten auf der Habenseite ihrem Traum von der ersten Teilnahme am internationalen Geschäft weit hinterherhecheln.
Babbel ärgern die Gegentreffer
Warum seine Mannschaft aber in voller Mannstärke lange "keinen Zugriff auf das Spiel hatte", war auch Babbel ein Rätsel. Bis auf den recht glücklichen Ausgleichstreffer von Joselu (41.) besaßen die Hoffenheimer keine weitere Torchance bis zur Gelb-Roten Karte. Babbel wirkte ratlos und sah auch den Gegentreffer aus einem anderen Blickwinkel: "Wenn der Torwart mal nicht ganz so gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass der Spieler den Ball unbedrängt über die Linie drücken darf."
Weitere Höhepunkte hatte die Begegnung, die nur schwerlich in die Jahrbücher der 50. Bundesligasaison Einzug halten wird, kaum zu bieten. Darum geht es Fortunas Trainer Norbert Meier auch gar nicht. Nach vier Niederlagen in Serie war er irgendwie froh, dass seine Mannschaft mal wieder etwas Zählbares in den Händen halten durfte und mit elf Punkten immer noch über dem Strich zur Abstiegszone steht. Der Auftritt der Mannschaft nähre die Hoffnung, nicht das "Schlachtvieh der Bundesliga" zu sein.
Die Mannschaft lebe, führte Meier weiter aus: "Wir müssen davon Abstand nehmen, dass wir pausenlos zu hundertprozentigen Torchancen kommen. Wir sind noch kein gestandener Bundesligist." Nach dem Durchmarsch von der dritten in die erste Liga innerhalb von nur drei Jahren scheinen die Düsseldorfer an ihre Grenzen angelangt zu sein.
Fortuna mit prominenten Bankangestellten
Das trifft auch auf Kapitän Andreas Lambertz zu. Der unermüdliche Mittelfeldkämpfer, der in Düsseldorf schon Viertliga-Zeiten durchgestanden hatte, fand sich erstmals aus sportlichen Gründen auf der Ersatzbank wieder. "Ich habe es geahnt. Ich habe kein Problem damit, wenn der Trainer der Meinung ist, was zu ändern. Wir haben genug Spieler, die uns helfen können und sollen", sagte Lambertz. Ob Andrej Woronin, der im Sommer als Königstransfer in Düsseldorf vorgestellt wurde und erneut nur zum Kreis der Reservisten gehörte, genauso denkt, blieb ungeklärt. Der Ukrainer mit dem Hang zu Starallüren scheint im Düsseldorfer Arbeitermilieu nicht so recht angekommen zu sein. Von einer Rückkehr zu Dynamo Moskau im Winter ist bereits die Rede.
Bis dahin warten auf die Fortuna noch schwere Wochen. Werder Bremen, Hamburger SV und Borussia Dortmund heißen die nächsten Gegner der Rheinländer. Mit einer Siegesserie rechnen die wenigsten. Aber Serien sind ja, wie Tim Wiese bewiesen hat, ein dehnbarer Begriff. Es kommt auf den Blickwinkel an.
Düsseldorf - Hoffenheim: Daten zum Spiel
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