Der Hamburger SV hat einen möglichen Sprung ran an die internationalen Plätze verpasst. Bei Fortuna Düsseldorf verlor der HSV zum Auftakt des 13. Spieltags mit 0:2 (0:1).
Vor 54.000 Zuschauern erzielten Robbie Kruse (45.+2) und Stefan Reisinger (63.) die Tore zu Düsseldorfs erstem Heimsieg in der Bundesliga nach über 15 Jahren. Zuletzt gewann die Fortuna 1997 gegen den FC St. Pauli.
Durch den dritten Saisonsieg verschafft sich Düsseldorf etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg. Hamburg dümpelt mit 17 Punkten weiter im Mittelfeld der Tabelle. Zu allem Überfluss verloren die Gäste auch noch Spielmacher Rafael van der Vaart mit einer Oberschenkelverletzung. Die erste Diagnose lautet Muskelfaserriss.
Vor der Partie gab es im Gästeblock nach dem Abbrennen von Pyrotechnik ein kleines Feuer, das von der Feuerwehr gelöscht werden musste. Der Anpfiff der Partie verzögerte sich deshalb um kurze Zeit.
Reaktionen:
Norbert Meier (Trainer Fortuna Düsseldorf): "Ich habe eine sehr leidenschaftliche Fortuna gesehen, die das Spiel immer besser angenommen hat. Natürlich waren wir auch nicht fehlerfrei. Die Tore haben uns Auftrieb gegeben."
Thorsten Fink (Trainer Hamburger SV): "Wir haben heute gedacht, dass wir tolle Fußballer sind und die Partie mit spielerischen Mitteln gewinnen können. Doch das reicht nicht. Man muss auch immer den Kampf annehmen und dagegen halten. Mit 80 Prozent gewinnt man kein Spiel. Wir waren nicht energisch genug in unseren Aktionen. Das war nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Das war zu wenig."
Rafael van der Vaart (Hamburger SV): "Die Verletzung fühlt sich nicht gut an. Ich hatte sofort das Gefühl, dass es ein Muskelfaserriss ist. Bei einem Sprint bin ich nach hinten weggerutscht. Morgen wird die Verletzung noch einmal untersucht und ich glaube, dass es gegen Schalke nicht reichen wird. Die Verletzung schmerzt momentan mehr als die Niederlage. Derzeit sind wir fußballerisch noch nicht soweit, solche Spiele zu gewinnen. Die ersten dreißig Minuten waren wir überlegen, haben versucht, Torchancen herauszuspielen, aber am Ende hat es nicht zu einem Tor gereicht. Das ist bitter."
Heiko Westermann (Hamburger SV): "Die Fortuna hat kämpferisch eine starke Leistung gezeigt und auch wenn sie nur zweimal auf das Tor geschossen hat, hat sie absolut verdient gewonnen. Wir dürfen im Mittelfeld nicht so viele Bälle verlieren. Wir sind das ganze Spiel über viel zu passiv gewesen, hatten nach vorne keine Durchschlagskraft und haben 90 Minuten lang schlecht gespielt."
Der SPOX-Spielfilm:
Vor dem Anpfiff: Düsseldorf mit Rafael in der Startelf. Ansonsten keine Überraschungen. Der HSV muss auf Jansen verzichten, Rudnevs sitzt draußen. Für die beiden beginnen Aogo (links in der Viererkette) beziehungsweise Berg als einzige Spitze.
30.: Van der Vaart geht ohne Gegnereinwirkung zu Boden, fasst sich an den rechten Oberschenkel. Zuvor hatte er schon einen Schlag von Giefer auf diese Stelle bekommen. Der Regisseur muss raus. Rincon kommt.
41.: Freistoß Beister aus dem Halbfeld. Berg verlängert aufs Tor. Giefer ist unten, wehrt den Ball nach vorne ab. Mancienne ist da und drückt aus vier Metern ein - steht dabei allerdings klar im Abseits.
44.: Beister kommt eher zufällig an den Ball. Schuss aus der Drehung aus ca. 22 Metern. Giefer lenkt den Flachschuss um den rechten Pfosten.
45.+2, 1:0, Kruse: Son vertändelt den Ball am Mittelkreis. Lambertz treibt das Ding aufs Tor zu, legt raus auf Kruse. Der zieht aus 13 Metern flach ab, Mancienne fälscht noch fies ab. Adler im kurzen Eck, aber letztlich ohne Chance.
48.: Erneuter leichter Ballverlust von Son und der Konter der Gastgeber. Kruse auf den mitgelaufenen Garbuschewski. Schuss aus 16 Metern, aber Adler ist unten und hat den unplatzierten Schuss.
50.: Tolles Anspiel von Arslan in die Tiefe auf Berg. Der etwas umständlich mit rechts aus zwölf Metern. Giefer ist im kurzen Eck und pariert stark.
55.: Freistoß HSV aus 18 Metern. Westermann haut den Ball, der unhaltbar abgefälscht wird, ins Tor. Aber Berg foult dabei in der Mauer Lambertz. Gagelmann erkennt auf Freistoß für Fortuna. Vertretbare Entscheidung.
63., 2:0, Reisinger: Reisinger nimmt 30 Meter vor dem Tor Tempo auf, geht locker an Westermann vorbei, umspielt Mancienne wie eine Slalomstange und knallt den Ball aus elf Metern unhaltbar in den linken Winkel.
71.: Beister wird nicht richtig angegriffen und hält aus 18 Metern mit links drauf. Leicht abgefälscht, knapp am linken Pfosten vorbei.
Fazit: In einem schwachen Spiel ein letztlich verdienter Düsseldorfer Sieg, weil die Fortuna als Mannschaft besser funktioniert als der individuell besser gestellte HSV, der aber keine Linie in seinem Spiel hatte.
Die Sportal-Noten zum Spiel Düsseldorf - Hamburg
Der Star des Spiels: Fabian Giefer bekam nach seinem tollen Saisonstart zuletzt einige Male gehörig die Hütte voll. Gegen den HSV hielt er aber wieder alles, was da auf sein Tor geflogen kam. Strahlte unheimlich viel Ruhe aus, leistete sich keinen Wackler. Lediglich seine Zuspiele mit dem Fuß waren etwas ungenau. Auch stark: Kruse, der mit seinen Dribblings immer gleich mehrere Hamburger beschäftigte.
Der Flop des Spiels: Heung Min Son fand nie ins Spiel, leistete sich vor dem 0:1 und kurz nach der Pause völlig fahrlässige Ballverluste und zog deswegen nicht nur den Zorn Adlers auf sich. Gewann kaum einen Zweikampf (drei von 14), hatte nur 36 Ballkontakte und fiel im Vergleich zu seinem Pendant Beister deutlich ab.
Der Schiedsrichter: Peter Gagelmann hatte die insgesamt aber auch faire Partie gut im Griff. Lag bei den engen Entscheidungen richtig, sowohl bei Manciennes Abseitstor, als auch bei Westermanns Freistoßtreffer.
Die Trainer:
Norbert Meier hielt an den bewährten Grundsätzen fest - was bleibt ihm auch anderes übrig mit seiner Mannschaft?! Mit Rafael im Sturm sollten die Bälle besser festgemacht werden. Das allerdings klappte nur vereinzelt. Hatte mit Reisingers Einwechslung für den eigentlich recht ordentlichen Garbuschewski aber Glück.
Thorsten Fink brachte Berg für Rudnevs. Einen echten Effekt hatte der Wechsel aber nicht. Nach der Van-der-Vaart-Verletzung zog er Arslan ins offensive Zentrum und Rincon neben Badelj auf die Doppel-Sechs. Erst eine Viertelstunde vor Schluss brachte Fink einen zweiten Angreifer. Tesche für Arslan auf der Zehn kurz vor Schluss war dann eher ein Verzweiflungsakt.
Das fiel auf:
- Die Offensivschwäche des HSV wurde wieder einmal offenbar. Gegen einen tiefstehenden Gegner fehlten (auch mit van der Vaart) die Ideen und das Tempo in den Angriffsaktionen. Wenn dann auch noch Son kaum ins Spiel findet, ist bei Hamburg schnell der Ofen aus.
- Wenn der HSV auch schon im Kombinationsspiel so gut wie nichts auf die Reihe brachte, funktionierte wenigstens in Spurenelementen das Pressing. Gegen fahrige Düsseldorfer packten die Gäste diese Mittel aber unverständlicherweise viel zu selten aus.
- Düsseldorf spielte das, was die Mannschaft zu leisten imstande ist: Soliden Defensivfußball mit wenigen Überraschungseffekten in der Offensive. Teilweise zogen sich bis zu sechs Spieler in die Verteidigungskette zurück und machten jeglichen Raum für die Gäste zunichte.
- Die Mittelfeldaußen rückten immer mit auf eine Linie mit der Viererkette, sobald der HSV ins letzte Angriffsdrittel einbog. So war stets die gesamte Breite des Spielfelds abgedeckt und das Zentrum mit den vier eigentlichen Abwehrspielern total dicht.
- Nach dem Wechsel wurde Hamburg etwas druckvoller. Besonders Beister kam besser ins Spiel, sein neuer Gegenspieler Balogun hatte mit der Geschwindigkeit des U-21-Nationalspielers so seine Probleme. Aber auch Beister fehlte es an alter Wirkungsstätte wie dem gesamten Team am nötigen Biss und der Entschlossenheit - und auch ein wenig Glück.
- HSV-Coach Fink hatte sieben Punkte aus den Partien gegen Freiburg, Mainz und Düsseldorf als Ziel ausgegeben. Auf dem Papier vielleicht eine nachvollziehbare Forderung - angesichts des Leistungsstands der Mannschaft aber eine Spur zu vermessen. Hamburg ist noch ein großes Stück von dem entfernt, wie es sein möchte.
Düsseldorf - Hamburg: Daten zum Spiel
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