Düsseldorf veredelt seine englische Woche

Stefan RommelUdo Hutflötz
30. November 201223:13
Das Düsseldorfer 3:0: Nach Rafaels (nicht im Bild) Schuss muss Fink (M.) nicht mehr eingreifenGetty
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Fortuna Düsseldorf hat seine englische Woche mit einem 4:0 (2:0)-Sieg über Eintracht Frankfurt veredelt. Die Fortuna holte damit binnen acht Tagen sieben Punkte.

Vor 51.345 Zuschauern in Düsseldorf brachten Stefan Reisinger (38.) und Oliver Fink (42.) die Fortuna im Duell der Aufsteiger per Doppelschlag in Führung.

Zu diesem Zeitpunkt spielte die Eintracht bereits in Unterzahl, da Karim Matmour binnen sieben Minuten mit Gelb-Rot vom Platz flog (34.).

Nando Rafael besorgte dann in der 58. Minute die endgültige Entscheidung, Axel Bellinghausen setzt fünf Minuten vor dem Ende den Schlusspunkt (85.). Zuletzt erzielte die Fortuna vor exakt 16 Jahren vier Tore in einem Bundesligaspiel - beim 4:1 über Werder Bremen.

Düsseldorf setzt sich durch den vierten Saisonsieg mit nun 18 Punkten weiter vom Tabellenende ab, Frankfurt verliert erstmals in dieser Saison zwei Spiele in Folge und bleibt bei 24 Punkten stehen.

Vor der Partie gab es 56 Festnahmen, nachdem die Düsseldorfer Polizei von Frankfurter Fans attackiert worden sei. Das Spiel wurde auf Grund von Verkehrsproblemen bei der Anfahrt rund zehn Minuten später angepfiffen.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Düsseldorf erneut mit Problemen in der Viererkette. Bodzek (Innenverteidigung) und Balogun (rechts) müssen aushelfen. Kruse hat sich beim Aufwärmen verletzt, für ihn rückt Rafael ins Team.

Auch Frankfurt hat weiter Personalsorgen in der Abwehr. Deshalb darf der 17-jährige Kempf neben Demidow in der Innenverteidigung beginnen. Auch Kapitän Schwegler fehlt wie Zambrano gesperrt, dafür beginnt Lanig im defensiven Mittelfeld. Occean erst gar nicht im Kader, Matmour beginnt im Angriff.

19.: Nach einer Ecke von rechts rutscht der Ball irgendwie zu Fink durch. Schuss aus spitzem Winkel, aber Trapp rettet mit der linken Faust.

21.: Balogun marschiert rechts die Linie entlang, Inui ist zu langsam. Baloguns Flanke schaufelt Lambertz aufs lange Eck. Trapp schon geschlagen, der Ball fliegt aber Zentimeter links vorbei.

34., Gelb-Rot gegen Matmour: Matmour eilt mit nach hinten und versucht Reisinger vom Ball zu trennen. Dabei setzt der Algerier seinen Arm ganz leicht ein und bringt den Fortunen zu Fall. Schiri Weiner zögert keine Sekunde und gibt Gelb-Rot. Die Entscheidung ist zu hart. Matmours zweiter Platzverwies in dieser Saison.

38., 1:0, Reisinger: Rafael rennt planlos ins Abseits, also macht es Reisinger selbst. Wurschtelt sich mit etwas Glück gegen Kempf und dem halbherzigen Demivow durch und ist plötzlich frei vor Trapp. Lupfer aus elf Metern, Trapp chancenlos. Drittes Tor im dritten Spiel in Folge von Reisinger.

42., 2:0, Fink: Der Mittelfeldspieler setzt sich beim zweiten Ball energisch gegen Rohde durch. Fink schlenzt den Ball aus 25 Metern aufs linke Eck. Trapp etwas zu weit vor dem Tor und deshalb ohne jede Abwehrmöglichkeit gegen den perfekten Schuss.

54.: Guter Kopfball von Aigner. Nach einer Flanke von der linken Seite von Oczipka wirft sich Aigner artistisch in den Ball und bringt die Kugel aus elf Metern Richtung Tor. Allerdings geht der Ball knapp am rechten Pfosten vorbei.

58., 3:0, Rafael: Balogun flankt von der rechten Seite in den Strafraum. Dort steigt Fink hoch und köpft Demidov an. Von dessen Rücken prallt die Kugel zu Rafael, der am langen Pfosten lauert und den Ball direkt nimmt. Dadurch, dass der Angreifer den Ball nicht richtig trifft, springt dieser kurz vor Trapp auf und fliegt über den Torwart ins Netz.

85., 4:0, Bellinghausen: Eine Flanke von rechts klärt Oczipka technisch schwach direkt in die Mitte. Kein Frankfurter setzt nach. Bellinghausen nimmt Anlauf und trifft aus acht Metern flach durch Trapps Beine.

Fazit: Verdienter Sieg für Düsseldorf, das wacher und bissiger agierte. Frankfurt konnte den Schalter in Unterzahl nicht mehr umlegen.

Der Star des Spiels: Oliver Fink kehrte nach seiner Verletzung wieder zurück ins defensive Mittelfeld und nahm erst Inui und dann Meier fast komplett aus dem Spiel. Fand sogar genug Zeit, um nach vorne richtig Druck zu machen. Mit sechs Torschüssen gab er mit Versuche ab, als in der bisherigen Saison zusammen (fünf) und erzielte mit einem traumhaften Schlenzer das vorentscheidende 2:0.

Der Flop des Spiels: Alexander Meier musste zwar auf drei verschiedenen Positionen auflaufen. Eine Entschuldigung für einen blutleeren Auftritt mit ungewohnt vielen technischen Fehlern war aber auch dieser Umstand nicht. Beim besten Frankfurter Torschützen klappte an diesem Tag rein gar nichts. Symptomatisch sein Frustfoul an Ilso, bei dem er mit Gelb noch gut bedient war.

Der Schiedsrichter: Michael Weiner mit einer Fehlentscheidung, als er Matmour nach einem harmlosen Rempler im Laufduell gegen Reisinger vom Platz schickte. Eine zu harte Entscheidung. Weiner nahm so nachhaltig Einfluss auf den Spielverlauf. Da half auch eine ansonsten unaufgeregte und souveräne Vorstellung nichts mehr.

Die Trainer:

Norbert Meier ließ seine Mannschaft mit einer Art kontrollierter Offensive an der Kette und wählte im zweiten Durchgang mit der vielleicht unpopulären, aber umso erfolgreicheren Marschroute die vollkommen richtige Entscheidung.

Armin Veh stellte nach Matmours Platzverweis auf ein 4-4-1 um, mit den Mittelfeldspielern auf einer Linie und Inui als einziger Spitze. Meier musste auf die ungewohnte linke Seite ausweichen. Nach dem Wechsel stellte Veh erneut um, zog Jung ins Mittelfeld, Celozzi dafür rechts in die Viererkette und Meier als zentrale Spitze ganz nach vorne.

Das fiel auf:

  • Frankfurt übernahm entgegen der eigenen Spielauffassung nicht die Initiative, sondern überließ Düsseldorf auffällig lange den Ball. In der Erwartung Düsseldorfer Probleme bei der eigenen Spielgestaltung wollten die Gäste dann aus der Kontersituation heraus gefährlich werden. Der Plan ging auch vor Matmours Platzverwies nie auf, Düsseldorf ging nie so ins Risiko, dass es an der nötigen Absicherung gefehlt hätte und war durchaus auch ballsicher.
  • Auch dank Matmours Platzverweis änderte sich die Gemengelage und Düsseldorf kam erstmals in dieser Saison auf ein positives Ballbesitzverhältnis bereits zur Pause (54 Prozent). Am Ende waren es mit 57 Prozent nur unwesentlich mehr.
  • Beachtlich, wie stark die Düsseldorfer Verlegenheitslösung Balogun den bis dato starken Oczipka immer wieder auf der rechten Flanke in die Defensive drängte und einige Male gefährlich zu Flankenläufen kam.
  • Veh korrigierte seine Fehleninschätzung der ersten Halbzeit und verordnete seiner Mannschaft mehr Pressing und eine risikoreichere Defensivstrategie, da er die Viererkette bis fast zur Mittellinie aufrücken ließ.
  • Düsseldorf beschränkte sich mit der Führung im Rücken und trotz numerischer Überlegenheit auf das, was es am besten kann und verteidigte tief und kompakt im Zentrum stehend. Ein plausibles Rezept, auch deshalb, weil es für beide Mannschaften immerhin das dritte Spiel binnen einer Woche war und Frankfurt mehr Aufwand betreiben musste.
  • Da die Fortuna dann auch noch eine beängstigende Effizienz an den Tag legte - der erste vernünftige Angriff führte prompt zum 3:0 - gingen alle taktischen Erwägungen vollends auf.
  • Frankfurt fehlt seit ein paar Wochen die Ausgewogenheit zwischen Offensive und Defensive. Mittlerweile 25 Gegentore sind nun schon die zweitmeisten der Liga. Zuletzt zu Null spielte die Eintracht am 2. Spieltag beim 4:0 in Hoffenheim.

Düsseldorf - Eintracht Frankfurt: Daten zum Spiel