HSV besteht Charaktertest

SPOX
07. Oktober 201214:26
HSV-Coach Thorsten Fink ist stolz auf seine MannschaftGetty
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Die Hamburger Spieler konnten den Klassiker genießen. Als aber das Echo des von 18.000 Fans gesungenen "You'll never walk alone" gerade in den Katakomben des Fürther Stadions verhallt war, platzte Fürths Trainer Mike Büskens für den Bruchteil einer Minute der Kragen.

"Wir sind die Spielvereinigung Greuther Fürth. Wir sind kein Großverein", schimpfte der 44-Jährige verwundert über die Fragen der wartenden Journalisten. Ja, der Aufsteiger hatte beim 0:1 (0:1) gegen den HSV wieder den ersten Heimsieg verpasst. Ja, seine Mannschaft ist Tabellenletzter: "Aber das, was wir in der Kabine haben, ist eine Gemeinschaft. Jetzt geht es weiter, mit hochgekrempelten Ärmeln", sagte Büskens.

13:10 Torschüsse, 49:51 Prozent Ballbesitz: 90 Minuten lang war der Aufsteiger angerannt, hatte gekämpft - aber hatte dieses verflixte Tor im eigenen Stadion auch beim vierten Anlauf in der Beletage des deutschen Fußballs nicht getroffen. "Es ist bitter, es tut weh, wenn du aus so einer Partie nichts mitnimmst", gab Büskens zu. Aber auch wenn die Fürther mit ihren Aufstiegskollegen aus Frankfurt und Düsseldorf nicht Schritt halten können: So richtig den Kopf in den Sand stecken wollte trotz des fünften sieglosen Spiels in Serie tatsächlich niemand. Schließlich sieht man am Hamburger Höhenflug, wie schnell es gehen kann.

Hamburg als Vorbild

"Mann für Mann" sei der Hamburger SV genauso wie wohl jeder andere Gegner in der Bundesliga "besser als wir", sagte Präsident Helmut Hack. Als Mannschaft aber könne Fürth mithalten: "Das ist der Weg, den wir gehen wollen, egal, wie schwer er ist." Auch Kapitän Mergim Mavraj gab zu, "dass wir alle noch nicht als Mannschaft funktionieren wie es die letzten Jahre geklappt hat. Aber der Auftritt heute war definitiv ein Schritt nach vorne."

Gästetrainer Thorsten Fink zeigte sich nach der couragierten Leistung und Chancen im Minutentakt vom Aufsteiger beeindruckt. Und die Fans sicherten auch ohne Tor und ohne Punkt weiter ihre Unterstützung zu. "Macht weiter", "das war super", "ihr kommt noch nach oben" schallte es von den Rängen, als die traurigen Spieler ihre Ehrenrunden drehten.

Als Vorbild kann sicherlich - auch wenn spielerisch im direkten Duell kein bisschen überlegen - der Hamburger SV dienen. Im vergangenen Jahr nur knapp dem Abstieg entgangen, mit vier Niederlagen in Serie in die Saison gestartet: "Aber jetzt ist der Charaktertest bestanden. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft", sagte Sportchef Frank Arnesen. Zehn Punkte haben die Nordlichter seit dem Beginn der Feierlichkeiten zum 125. Vereinsjubiläum gesammelt - und mit dem ersten Auswärtssieg seit über einem halben Jahr nun auch den Bann in der Ferne gebrochen.

Europa League als Tabu-Thema

Der Blick in der Tabelle könnte sich eigentlich so langsam nach oben richten, die Worte "Europa League" stehen allerdings in Hamburg auf dem Index. "Wir dürfen nicht auf einmal daran denken. Das geht nicht. Nächste Woche müssen wir wieder Gas geben", mahnte Torschütze Heung-Min Son. Auch Fink warnte direkt "davor, von den internationalen Plätzen zu reden. Die Mannschaft hat momentan eine gute Formkurve. Spielerisch geht das aber besser."

Von einem "Kampfspiel im wahrsten Sinne des Wortes" sprach Rafael van der Vaart, der wie der Großteil der Mannschaft weitgehend unter seinen Ansprüchen geblieben war. Son - und das spricht für den "neuen" HSV - nutzte die einzige Unachtsamkeit der Gastgeber in der ersten Hälfte kaltschnäuzig für das nicht unbedingt verdiente Siegtor. Woher die Treffsicherheit rührt, wusste der Südkoreaner allerdings selbst nach seinem vierten Saisontreffer nicht so ganz genau: "Ich weiß nicht, ob ich besser geworden bin. Für mich ist es einfach, wenn mich die Mitspieler mit guten Pässen füttern. Und ein bisschen Glück ist auch dabei."

Büskens: "Das ganze Leben ist ein Kampf"

Dass der Sieg in Franken nach zuvor starken Leistungen gegen die Top-Mannschaften aus Dortmund, Mönchengladbach und Hannover aber nicht höher ausfiel, hielt Fink von zu großen Freudensprüngen ab. "Wir haben gesehen, dass es noch einiges zu erarbeiten gibt", sagte er. Die Sicherheit fehle, um zum richtigen Zeitpunkt nachzulegen: "Und genau deshalb gehören wir noch nicht unter die Top Sechs. Die machen das besser. Daran müssen wir arbeiten."

Büskens startet in die Länderspielwoche unter dem Motto: "Das ganze Leben ist ein Kampf, da haben wir noch ein paar Schritte zu bewältigen." Die Hamburger können ein Lied davon singen: Manchmal reichen 14 Tage für ganz schön viele Schritte.

Fürth - Hamburg: Daten zum Spiel