Mit Mario Götze sieht Fußball leicht aus

SPOX
18. November 201212:11
Mario Götze erzielte gegen Greuther Fürth einmal mehr ein wahres TraumtorGetty
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Mario Götze war verzückt, aber nicht aus dem Häuschen. Der 20-Jährige weiß, dass er über das besondere Talent verfügt, Fußball einfach und leicht aussehen zu lassen. Er demonstrierte diese Fähigkeit am Samstagnachmittag einmal mehr in eindrucksvoller Weise.

Danach sagte der deutsche Nationalspieler zu seinem Treffer der Extraklasse für den Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund zum 3:1 (3:1)-Endstand gegen Neuling SpVgg Greuther Fürth: "Ich habe in der Jugend schon ein paar schöne Tore gemacht. Das war auch eines von den schönen."

In der 42. Minute wurde Götze von Rückkehrer Jakub Blaszczykowski mustergültig bedient und umspielte zunächst im Strafraum elegant Fürths Torhüter Max Grün. "Ich habe gesehen, dass er von der Seite kommt. Da habe ich gedacht, da warte ich noch einen kleinen Moment. Das sah natürlich ganz gut aus", erzählte Götze.

"Er" war Heinrich Schmidtgal. Der Fürther Außenverteidiger versuchte verzweifelt mit einer Grätsche aus dem vollem Lauftempo heraus, Götzes Tor zu verhindern. Aber der gewitzte BVB-Techniker schlug einfach einen weiteren Haken, ließ Schmidtgal an sich vorbei rutschen und schob den Ball vor 80.645 mehrheitlich begeisterten Zuschauern im größten deutschen Fußballstadion über die Linie.

Wieder in Topform

Götze gilt zurecht als eines der derzeit größten deutschen Fußball-Talente. Wenn er solche Tore schießt, ist es auch ein Ausdruck dafür, dass er sich in Topform befindet. Wieder, in dieser Saison. Die vergangene war für ihn ein schwerer Gang. Nach seiner Gala gegen Brasilien im August 2011 und dem Saisonstart beim 3:1 gegen den Hamburger SV begannen die Schwierigkeiten.

Ende Januar dann, noch vor dem Rückrundenstart, musste Götze wegen einer Schambeinentzündung pausieren und wurde von Klopp zunächst in den Urlaub geschickt. Erst am Ende der Spielzeit durfte Götze wieder mit Kurzeinsätzen am ersten Double in der 103-jährigen Vereinsgeschichte teilhaben, beim 5:2 im Pokalfinale gegen Bayern München aber nur als Zuschauer. Bundestrainer Joachim Löw bewahrte ihn dann mit einem EM-Kurzeinsatz beim 4:2 Deutschlands gegen Griechenland im Viertelfinale vor einem persönlichen Alptraum.

Vielleicht war Greuther Fürth am Samstag auch nicht der richtige Maßstab, um festzustellen, dass der Instinkt-Fußballer wieder der Alte ist. Aber es war auch nicht sein erster guter Auftritt in diesem Jahr. Weder er, noch sein Coach Klopp in seinem 250. Spiel als Trainer in der Bundesliga, wollten daraus aber mehr machen, als es war: ein wichtiges Tor.

Verbunden allenfalls mit dem Zusatz, dass es sich um einen guten Zeitpunkt gehandelt habe, sagte Götze. In der Tat: Der BVB konnte mit dem alten Zwei-Tore-Abstand im Rücken das Spiel kontrollieren - und somit auch Kräfte sparen für die Champions League, wo am Mittwoch bei Ajax Amsterdam bereits mit einem Unentschieden das vorzeitige Erreichen des Achtelfinales möglich ist.

Der Auftrag: Nichts zulassen!

Jürgen Klopp freute sich mehr über diesen Fakt, als über den Doppelpack von Robert Lewandowski (3. und 15., Foulelfmeter) und Götzes Zaubertor. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass er ein Tor dieser Art schießt. Das passte zu seiner ersten Halbzeit voller Spielwitz. Er ist ein toller Spieler, und das war ein tolles Tor", sagte der 45-Jährige.

Nach der ausgeglichenen ersten habe die Mannschaft in der "deutlichen" zweiten Halbzeit "einen Schritt nach vorne gemacht, das Ganze reif aussehen zu lassen", sagte Klopp. "Gar nichts zuzulassen" war der Auftrag, der Priorität hatte "in diesen intensiven Zeiten" vor noch mehr Toren. Kontrolle im Stile eines Meisters also.

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Den Spagat, den der BVB in der vergangenen Saison noch nicht beherrschte und in der Königsklasse entsprechend früh scheiterte, bekommen Klopps gelehrige Schüler nun schon besser hin. Einen Zähler hat die Borussia weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, der Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München ist nach dessen 1:1 beim 1. FC Nürnberg auf neun Punkte geschmolzen. "Wir tun gut daran, auf uns selbst zu schauen und unsere Punkte zu holen", sagte Götze zu diesem Thema.

Fürths Trainer Mike Büskens sah nur in Spurts von seinen Spielern Leichtfüßigkeit. Das tolle Kontertor von Zoltan Stieber (4.) und der Pfostentreffer von Sercan Sararer (39.) waren zu wenig. "Wenn du hier bestehen willst als Aufsteiger, dann brauchst du einen perfekten Tag. Da muss man sich in allen Bereichen am Limit und über dem Limit bewegen. Das hatten wir nicht in allen Bereichen", sagte der Ex-Profi.

Dortmund - Fürth: Daten zum Spiel