Per Schützenfest und Schützenhilfe in die Relegation: Der finale Bundesliga-Spieltag lief aus Sicht von Werder Bremen perfekt - und erbrachte einige Erkenntnisse im Hinblick auf die Duelle mit dem 1. FC Heidenheim oder dem Hamburger SV.
Von einem Wunder wollten sie in Bremen nicht sprechen. "Das wäre mir zu hochgegriffen", sagte Trainer Florian Kohfeldt. Mit Kevin Vogt bezeichnete einer seiner Spieler das 6:1 gegen den 1. FC Köln im Zusammenhang mit dem 0:3 von Fortuna Düsseldorf bei Union Berlin immerhin als "kleines Wunder".
So oder so lagen sie sich an der Weser ab 17.21 Uhr in den Armen. Die Chance, eine in nahezu allen Belangen verkorkste Saison wie einen folgenlosen Unfall aussehen zu lassen, ist plötzlich wieder zum Greifen nah. "Wir wussten, dass wir nicht tot sind", jubelte Davy Klaassen nach dem erlösenden Abpfiff. "Heute ist alles für uns gelaufen. Wir sind mit Leidenschaft angetreten und haben auch schön gespielt."
Tatsächlich rief das, was Klaassen und seine Mitstreiter über weite Strecken zeigten, Erinnerungen an die aufregende Anfangszeit unter Kohfeldt wach. Die Hausherren agierten im Spiel ohne Ball aggressiv (ließen außer dem Gegentreffer durch Dominick Drexler nur einen Schuss auf das Tor von Jiri Pavlenka zu) und schalteten bei Balleroberung blitzschnell um, wodurch sich zahlreiche Möglichkeiten (insgesamt neun Schüsse auf das Tor von Timo Horn) ergaben.
Werder sendet Lebenszeichen - Köln aber kein würdiger Gegner
Der Auftritt der Grün-Weißen, speziell zwischen der 15. und 75. Minute, belegte: Das von vielen schon für tot erklärte Werder atmet noch - wenn auch schwer. Denn die Gäste aus Köln erwiesen sich nach einer ordentlichen Anfangsphase keineswegs als würdiger Gegner, sondern blieben wie fast in jedem Spiel seit dem Re-Start im Mai weit unter ihren Möglichkeiten.
Hinten schlich sich eine ganze Kette von Fehlern ein, während vorne die Wucht des verletzten Top-Torjägers Jhon Cordoba fehlte. Es waren geradezu Schalke-ähnliche Sphären, in denen sich die Elf von Markus Gisdol an der Weser bewegte. Gisdol selbst berichtete hinterher zudem von einem Spannungsabfall bei den Rheinländern, schließlich habe man das Saisonziel Klassenerhalt bereits am 33. Spieltag mit dem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt erreicht.
Grund genug also für Werder, den hohen Sieg nicht zu hoch zu hängen und die Auf-Leben-und-Tod-Duelle in der Relegation nicht zu unterschätzen. "Die brutale Drucksituation bleibt bestehen. Der Unterschied zu heute: Wir haben es jetzt in der eigenen Hand - und dürfen keinen Millimeter nachlassen", stellte Kohfeldt deshalb klar. Auch Klaassen erkannte: "Das Spiel heute war nur das Halbfinale. Wir haben jetzt noch zwei Finalspiele."
Bremer Offensiv-Trio überzeugt: "Hat uns in vielen Spielen gefehlt"
Für diese Spiele braucht Kohfeldt vor allem seine besten Angreifer. Ohne den zuletzt immer wieder verletzungsbedingt fehlenden Milot Rashica, dessen Einsatz auch am Samstag auf der Kippe stand, wäre das Schützenfest gegen Köln wohl kaum möglich gewesen. Der Kosovare war an fast allen gefährlichen Angriffen beteiligt, traf sogar selbst zum 2:0. Gemeinsam mit dem auf dem Papier noch auffälligeren Yuya Osako (zwei Tore, eine Vorlage) und Niclas Füllkrug, nach seinem Kreuzbandriss erstmals seit September wieder in der Werder-Startelf und auch direkt mit einem Treffer erfolgreich, brannte das Team ein für Werder-Verhältnisse seltenes Offensiv-Feuerwerk ab.
"Milot, Yuya und Niclas haben in dieser Saison bisher noch gar nicht zusammengespielt", betonte Geschäftsführer Frank Baumann. "Das ist viel Qualität, die uns in vielen Spielen gefehlt hat." Nicht nur deshalb hielt Baumann in den vergangenen Monaten bedingungslos an dem umstrittenen Kohfeldt fest, anstatt dem Team einen neuen Impuls zu geben. Es ging gut, der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte wurde abgewendet - vorerst.
Auch die Spieler glaubten offensichtlich bis zum Schluss daran, unter dem 37-jährigen Coach die Wende herbeizuführen. "Er hat uns sehr viel mitgegeben in den letzten Tagen", berichtete Klaassen. "Es war wichtig, dass wir an uns geglaubt haben." Nun fragt sich, ob es das alles wert war - und Werder mit Kohfeldt das kleine Wunder noch in ein richtiges Wunder verwandelt.
Die Abschluss-Tabelle der Bundesliga
Platz | Team | Sp. | Tore | Diff | Pkt. |
1. | Bayern München | 34 | 100:32 | 68 | 82 |
2. | Borussia Dortmund | 34 | 84:41 | 43 | 69 |
3. | RB Leipzig | 34 | 81:37 | 44 | 66 |
4. | Borussia M'gladbach | 34 | 66:40 | 26 | 65 |
5. | Bayer Leverkusen | 34 | 61:44 | 17 | 63 |
6. | TSG Hoffenheim | 34 | 53:53 | 0 | 52 |
7. | Wolfsburg | 34 | 48:46 | 2 | 49 |
8. | SC Freiburg | 34 | 48:47 | 1 | 48 |
9. | Eintracht Frankfurt | 34 | 59:60 | -1 | 45 |
10. | Hertha BSC | 34 | 48:59 | -11 | 41 |
11. | 1. FC Union Berlin | 34 | 41:58 | -17 | 41 |
12. | Schalke 04 | 34 | 38:58 | -20 | 39 |
13. | 1. FSV Mainz 05 | 34 | 44:65 | -21 | 37 |
14. | 1. FC Köln | 34 | 51:69 | -18 | 36 |
15. | FC Augsburg | 34 | 45:63 | -18 | 36 |
16. | Werder Bremen | 34 | 42:69 | -27 | 31 |
17. | Fortuna Düsseldorf | 34 | 36:67 | -31 | 30 |
18. | SC Paderborn 07 | 34 | 37:74 | -37 | 20 |
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