Mittelfeld: Stuttgart bis zum Hamburger SV

SPOX
02. August 201308:39
Daniel Ginczek war für den Club in der Vorbereitung neun Mal erfolgreichgetty
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Die Testspiele sind vorbei, die Liga steht vor der Tür. Zeit für SPOX, eine Bilanz der Saisonvorbereitung zu ziehen. Wer war top? Wer floppt? Im zweiten Teil blicken wir auf die Plätze sieben bis zwölf der vergangenen Saison.

Hamburger SV

"Eine deutliche Klatsche gehört in der Vorbereitung auch mal dazu." Mit diesen Worten zeigte Marcell Jansen seine Gelassenheit, nachdem der HSV beim Telekom-Cup in nur 60 Minuten vier Tore von den Bayern eingeschenkt bekam. Aber stimmt das auch? Der HSV will in dieser Saison unbedingt wieder nach Europa, das haben Carl Jarchow, Thorsten Fink und diverse Spieler der Mannschaft unmissverständlich klargemacht. Gemessen daran liest sich die Testspielbilanz der Rothosen eher durchwachsen. Vor allem scheint die Mannschaft noch keinen adäquaten Ersatz für den abgewanderten Heung-Min Son gefunden zu haben, der in der letzten Saison zu den torgefährlichsten Spielern gehörte. Immerhin: Riesentalent Hakan Calhanoglu scheint sich bereits gut integriert zu haben, auch Johan Djourou hat sich in der Innenverteidigung festgespielt. Es muss trotzdem noch einiges passieren, auch in Anbetracht indiskutabler und peinlicher Auftritte wie beim 0:4 gegen Dynamo Dresden, damit es der HSV zurück in die Europa League schafft.

Die Testspiele im Überblick: Wacker Innsbruck (0:2), Zillertal-Auswahl (7:0), FC Liefering (2:0), Eintracht Braunschweig (4:3 n.E.), FC Kopenhagen (2:0), RSC Anderlecht (3:1), Bayern München (0:4), Borussia Dortmund (0:1), West Ham United (1:3), Inter Mailand (1:1), Dynamo Dresden (0:4)

Gewinner der Vorbereitung: Hakan Calhanoglu. Der 19-Jährige sollte nach der U-20-WM eigentlich noch Extra-Urlaub machen, ist auf eigenen Wunsch aber früher ins Training eingestiegen. Das imponierte auch Fink: "Es ist zu spüren, dass Hakan kein Typ ist, der lange warten will. Wenn er gut ist, dann finde ich für ihn einen Platz." In der Vorbereitung agierte er häufig als van-der-Vaart-Ersatz, er wird über die Saison aber auch Spielzeit auf den Flügelpositionen bekommen. SPOX

Borussia Mönchengladbach

Borussia Mönchengladbach blickt auf eine zufriedenstellende Testspielreihe zurück. Die herbe Klatsche gegen den FC Bayern München beim Telekom Cup und das 0:1 in Ingolstadt sind bei fünf Siegen die einzigen Niederlagen der Vorbereitung. Abgesehen von den fünf Bayern-Toren, kassierte die Defensive der Borussia nur zwei Gegentreffer - ein deutliches Zeichen für die Stabilität der Abwehr, in der sich Filip Daems auf der linken Seite gegen Oscar Wendt durchgesetzt hat. Gute Eindrücke hinterließ auch Talent Julian Korb, der den gewünschten Druck auf Rechtsverteidiger Toni Jantschke ausübt. Auf den beiden Sechserpositionen überzeugten Granit Xhaka und Christoph Kramer, im Sturm scheinen Raffael und Max Kruse die Nase leicht vorne zu haben. Wen Lucien Favre am Sonntag in Darmstadt bringen wird, ließ er allerdings noch offen. "Ein Teil der Mannschaft ist bereit, ein anderer Teil ist noch nicht ganz fit", so der Schweizer nach dem Glasgow-Spiel. "Wir haben einige Spieler, die erst drei Wochen in den Knochen haben, aber langsam kommen. Es kann noch viel passieren", betonte Favre.

Die Testspiele im Überblick: VfL Rhede (6:0), Lierse SK (2:0), FC Ingolstadt (0:1), 1. FC Nürnberg (3:0), Borussia Dortmund (1:0), Bayern München (1:5), Celtic Glasgow (2:1)

Gewinner der Vorbereitung: Mahmoud Dahoud. Er ist 17 Jahre alt, defensiver Mittelfeldspieler, entstammt dem Fohlenstall der Borussia und soll langsam an die Mannschaft geführt werden. Dass diese Vorgabe schon in der Vorbereitung ein Stück weit über den Haufen geworfen wurde, liegt an der tollen Entwicklung und Form des Youngsters, den die Öffentlichkeit erstmals beim Telekom Cup zu Gesicht bekam. Dort glänzte Dahoud sogar gegen den FC Bayern mit toller Übersicht, klugen Pässen und einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, was sogar vom sonst so zurückhaltenden Trainer Favre mit einem großen Lob honoriert wurde: "Mo spielt intelligent, hat Übersicht, er ist einfach gut."

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Hannover 96

Hannover 96 startete seine Testspielphase mit Spielen gegen unterklassige Gegner, wohl vor allem, um die Neuzugänge zu integrieren. Diese Spiele wurden alle gewonnen, auch wenn das Ergebnis gegen den Bezirksligisten TSV Krähenwinkel-Kaltenweide ziemlich knapp ausfiel. Bei den "ernsteren" Tests gab es Niederlagen gegen Eindhoven (deutlich) und Kasimpasa (knapp), während West Bromwich Albion geschlagen werden konnte. Diese Bilanz ist jedoch nicht wirklich aufschlussreich, zumal die Hannoveraner zeitweise ein prall gefülltes Lazarett hatten und Mirko Slomka viel ausprobieren musste. Erfreulich war vor allem die schnelle Integration von Salif Sane, der direkt zum neuen Abwehrchef avancieren könnte. Auch Leonardo Bittencourt und Edgar Prib konnten bereits andeuten, dass sie das Mittelfeld in der Breite verstärken werden. Trotzdem wird sich erst zeigen müssen, wie vorbereitet Hannover letztendlich in die Saison geht.

Die Testspiele im Überblick: TSV Berenbostel (14:0), TSV Krähenwinkel-Kaltenweide (2:1), Schleswig 06 (9:1), ETSV Weiche Flensburg (4:0), SV Ramlingen-Ehlershausen (5:0), SV Quitt Ankum (16:1), TuS Celle (8:0), PSV Eindhoven (0:3), West Bromwich Albion (2:1), Kasimpasa (0:1), Hallescher FC (1:0)

Gewinner der Vorbereitung: Salif Sane. In der vergangenen Saison war die Defensive die große Schwachstelle der Hannoveraner, weshalb große Hoffnungen in den Senegalesen gesetzt werden. In der Vorbereitung spielte er sich dann auch direkt in die Stammelf und scheint einen Platz in der Innenverteidigung bereits sicher zu haben. Fragt sich nur, wer die Position neben ihm besetzt - alleine wird er die Abwehr nicht stabilisieren können. Bundesliga Spielplaner - Der Tabellenrechner von SPOX.com

1. FC Nürnberg

"Wir dachten, dass sie weiter sind," sagte Michael Wiesinger nach der deutlichen Niederlage gegen Mönchengladbach konsterniert. Bis dato war der Club ungeschlagen geblieben, der erste Test gegen einen direkten Ligakonkurrenten lief dann jedoch unerfreulich. Aus heutiger Sicht kann man allerdings sagen, dass dieses Spiel ein Ausrutscher war: Die abschließenden Tests gegen Geclerbirgligi und Leeds wurden gewonnen. Positiv aufgefallen sind in der Vorbereitung vor allem zwei Dinge: Die Defensive ist weiterhin stabil, was auch in der letzten Saison schon zu den Stärken gehörte. Bei insgesamt acht Testspielen blieben Raphael Schäfer und Co. sechsmal ohne Gegentor. Die zweite gute Nachricht: Die Neuverpflichtungen scheinen der Offensive gut zu tun. Im letzten Jahr war Abwehrspieler Per Nilsson noch Top-Torschütze des Clubs, jetzt hat sich offenbar Daniel Ginczek aufgedrängt, diese Rolle zu übernehmen. Es lässt sich bilanzieren, dass die Nürnberger ihre Stärken der letzten Jahre nicht vernachlässigt haben und im Angriff variabler geworden sind.

Die Testspiele im Überblick: SV Raika Längenfeld (9:0), 1. FC Lichtenfels (12:0), SV Seligenporten (2:0), SpVgg Bayreuth (4:0), SpVgg Unterhaching (2:2), Bor. Mönchengladbach (0:3), Genclerbirligi (1:0), Leeds United (2:0)

Gewinner der Vorbereitung: Daniel Ginczek. Der Neuzugang von Borussia Dortmund hat sich in der Vorbereitung gut integriert und scheint im Rennen um einen Stammplatz die Nase gegenüber Tomas Pekhart vorn zu haben. Die Verletzung des Tschechen tat dem Konkurrenzkampf nicht gut, allerdings hätte Pekhart es gegen Ginczek ohnehin schwer gehabt, nachdem dieser unter anderem gegen Leeds und Unterhaching jeweils einen Doppelpack geschnürt hatte. Insgesamt traf Ginczek in acht Spielen neun Mal.

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VfL Wolfsburg

"Die Nummer 1 im Norden" wolle er werden, sagte Dieter Hecking vor der kommenden Saison. Im Nord-Cup gelang das den Wölfen mit Niederlagen gegen Kopenhagen und Braunschweig zwar nicht, abgesehen davon gab der VfL in der Vorbereitung aber ein recht positives Bild ab, vor allem zum Ende hin. Mit Olympique Marseille wurde ein namhafter Gegner überzeugend geschlagen. Zudem zeigte sich, dass der Kader im Vergleich zur Vorsaison wesentlich variabler geworden ist. Neuzugang Daniel Caligiuri hat sich zwar verletzt und fällt zwei bis drei Wochen aus, Hecking hat ihm bis dahin aber eine sehr gute Integration bescheinigt. Wolfsburg versucht weiterhin, Luiz Gustavo für das defensive Mittefeld zu verpflichten, die Mannschaft scheint aber auch sonst recht gut gerüstet zu sein für die Saison. "Wir könnten schon loslegen," ist Abwehrspieler Naldo überzeugt.

Die Testspiele im Überblick: MTV Dannenberg (13:0), SV Jembke (13:0), FC Sion (4:0), AS Saint-Etienne (5:6 n.E.), FC Kopenhagen (1:2), Eintracht Braunschweig (1:2), Stadtauswahl Fallersleben (12:0), FC Brügge (1:2), FC St. Gallen (2:1), Olympique Marseille (2:0)

Gewinner der Vorbereitung: Ja-Cheol Koo. Der Südkoreaner galt vor seiner Leihe zum FC Augsburg bereits als ausgemustert, hat sich mit seinen Leistungen dort allerdings so empfohlen, dass Hecking kürzlich verlauten ließ: "Wir geben Koo nicht her, egal wer sich bei uns meldet." In der Vorbereitung absolvierte er dann nahezu alle Spiele und scheint gute Aussichten auf einen Stammplatz im Mittelfeld der Wölfe zu haben.

VfB Stuttgart

Mit insgesamt neun Neuzugängen startete der VfB in die Vorbereitung auf die neue Saison, in der die Schwaben nach Aussage von Sportdirektor Fredi Bobic gerne das internationale Geschäft über die Liga erreichen wollen. Vor allem das Umfeld ist vor dem Saisonstart fast schon euphorisch, so dass Bruno Labbadia ein wenig die Bremse ziehen musste: "Man muss schon ein wenig unterscheiden: Man hat manchmal das Gefühl, wir hätten Messi und Neymar geholt", sagte der 47-Jährige. In den Tests konnte vor allem die Defensive überzeugen. In acht Vorbereitungsspielen kassierte der VfB nur zwei Gegentore - beide beim 0:2 gegen KAA Genk. Das Manko: In der Offensive zeigte man noch zu wenig Durchschlagskraft. Zwar ist Cacau nach langer Verletzungspause wieder fit und auch Vedad Ibisevic traf mit vier Toren durchaus passabel, doch das ganze Offensivspiel wirkte noch nicht wirklich flüssig. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Verletzung von Youngster Marco Rojas, der in Ansätzen die Kreativität und Spielfreude zeigte, die der VfB so dringend benötigt.

Die Testspiele im Überblick: TSV Köngen (3:0), Stuttgarter Kickers (2:0), Hohenlohe Auswahl (5:0), FC Heidenheim (1:0), KAA Gent (0:2), FC Valencia (1:0), Olympiakos Piräus (0:0), Akhisar Belediyespor (2:0)

Gewinner der Vorbereitung: Daniel Schwaab. Darf beim VfB endlich wieder auf seiner Lieblingsposition des Außenverteidigers ran und überzeugte in den bisherigen Testspielen. Der 24-Jährige, der ablösefrei aus Leverkusen kam, entwickelte sich rechts in der Viererkette zur verlässlichen Größe und kurbelte über seine Seite immer wieder die Offensive an. Ein absoluter Gewinn für die Schwaben.

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