Der TSV 1860 München, selbst ernannter Aufstiegskandidat in der 2. Bundesliga, ist von einer schweren Herbst-Depression befallen. Das wollte nach dem 0:2 am Samstag gegen St. Pauli und nun schon vier Spielen mit nur einem Punkt und einem Tor auch niemand mehr bestreiten.
"Das war ein mutloser und blutleerer Auftritt. Die Körpersprache hat mir überhaupt nicht gefallen", schimpfte Sportchef Florian Hinterberger hinterher: "Die Mannschaft muss jetzt schnellstens die Kurve kriegen." Selbst daran glaubt im Münchner Stadtteil Giesing zurzeit niemand so recht. Der Klub kommt dieser Tage daher wie eine einzige blaue Baustelle.
Die Worte von Daniel Halfar beim Fantalk eines Sponsors in der Arena verdeutlichen den Frust innerhalb der Mannschaft: "Wir haben kein System. Wir spielen katastrophalen Fußball", sagte der Mittelfeldspieler und formulierte diese Mängelliste: "Jeder rennt da rum, wo er will. Wir stehen nicht kompakt. Wir können kein Tor erzielen. Es ist an der Zeit, Klartext zu sprechen."
Ein Vorwurf an den Trainer? Zumindest will Sportchef Hinterberger von einer Diskussion um den erfolglosen Reiner Maurer noch nichts wissen: "Ich weiß, dass der Trainer immer 100 Prozent an Fleiß und Akribie mit einbringt. Mehr sage ich dazu nicht."
Hochgesteckte Ziele
Aber reichen diese Tugenden noch aus, um die hochgesteckten Ziele des TSV 1860 zu erreichen? Nach Platz sechs im Vorjahr wollten die Löwen in dieser Runde besser abschneiden - und als Dino der Liga (neun Jahre am Stück im Unterhaus) auch um den Aufstieg ein Wörtchen mitreden.
Vor allem, weil 1860-Investor Hasan Ismaik, der erste arabische Geldgeber im deutschen Profifußball, im Sommer dem Verein ein Darlehen von fünf Millionen Euro gewährte.
Damit ging der Meister von 1966 einkaufen: Direkt von der EM wurden die Nationalspieler Grigoris Makos (Griechenland) und Grzegorz Wojtkowiak (Polen) verpflichtet, dazu mit dem Argentinier Ismael Blanco ein zweifacher Torschützenkönig Griechenlands - und alle klopften sich zufrieden auf die Schultern.
Doch bis auf Moritz Stoppelkamp, der von Hannover 96 kam, erwiesen sich alle Transfers bislang als Flops. Die Abgänge von Kevin Volland (Hoffenheim), Stefan Aigner (Eintracht Frankfurt), Antonio Rukavina (Real Valladolid) und Djordje Rakic (ohne Verein) konnten zu keiner Zeit kompensiert werden.
Hauptsponspor Aston Martin verkündet Ausstieg
Doch nicht nur die Mannschaft bereitet dem Verein Kopfzerbrechen - auch der Hauptsponsor tut es neuerdings. Nur 15 Monate nach dem Einstieg an der Grünwalder Straße verkündete ein britischer Edelkarossen-Hersteller seinen Ausstieg zum Saisonende. Dabei hatte Geschäftsführer Robert Schäfer bei der Präsentation im September 2011 noch gesagt: "1860 ist die große Liebe von Aston Martin."
Doch die Liebe war offenbar nur einseitig. Und es ist wohl auch in erster Linie vordergründige Freundlichkeit, wenn 1860-Präsident Dieter Schneider nun sagte: "Es ist ein sehr fairer Zug, dass uns Aston Martin bereits jetzt erklärt hat, das Engagement in dieser Form zu beenden. So bleibt uns bis zum Saisonstart nächstes Jahr ausreichend Zeit, um einen neuen Hauptsponsor zu finden."
Die blaue Baustelle: Die Löwen rutschen trotz Ismaik-Millionen in die Krise. Keine Mannschaft, der Hauptsponsor läuft davon. Da fällt es beinahe nicht auf, dass sich 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer in Zeiten wie diesen in einen dreiwöchigen Katar-Urlaub verabschiedet hat.
Der TSV 1860 München im Steckbrief
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