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20.09.2009 um 20:19 Uhr
Liga-Lehren VI
Opa kann's nicht lassen

Liga-Lehren Teil 6 – diesmal auf dem Programm: Die innovativste Innovation des modernen Fußballs, kompromissloser Jugendwahn in München und – quasi als Kontrastprogramm – ein Blick auf die Senioren der Liga:

Fehl am Platze
Die zurückliegende Europapokalwoche hat endlich die lang ersehnte Revolution im Profi-Fußball gebracht. Denn nach dem Schiri, seinen beiden Assis und dem Vierten Offiziellen gibt es jetzt die längst überfälligen und zukünftig absolut unverzichtbaren Torrichter. Also zwei examinierte Schiedsrichter, die zur Abwechslung mal 90 Minuten im Strafraum auf- und ablatschen, in der seligen Erwartung, dass der Ball doch irgendwann einmal auf, vor oder hinter der Torlinie tänzeln möge, damit man selbst das ultimative Urteil sprechen könne. Was statistisch gesehen alle 1217 Minuten der Fall ist. Und womit eigentlich schon alles über die Dynamik dieses Jobs gesagt wäre. Oder aber bildhaft gesprochen: Die Torrichter kommen einem auf dem Spielfeld irgendwie so fehl am Platze vor wie ein Drogenbeauftragter in Jamaika, ein Hartz-IV-Empfänger in Hoffenheim oder aber wie Zvonimir Soldo in Köln. Ja, der temperamentsresistente Neu-Coach mit der Ausstrahlung eines Berti Vogts auf Valium passt in die Karnevalshochburg Köln in etwa so gut wie Guido Westerwelle in einen Swinger-Club. Und daran vermag auch der überraschende 2:0-Sieg bei Babbels Champions-League-Verweigerern nichts zu ändern. Der bestätigt viel mehr eine allseits geäußerte Vermutung: Soldo bringt's einfach nur in Stuttgart.

Eindeutig
Apropos Torrichter: In der Bundesliga gibt's die stressgeplagten Strafraumwandler leider noch nicht. Und so musste auch das Schirigespann in München ohne lebendiges Hawkeye auskommen, entschied aber auch so korrekt, dass Gomez' Abstauber die Linie nicht überquert hatte. So einfach war das nicht. Leichter hatte es da schon das Unparteiischen-Team auf Schalke. Dass der Ball, der in der 83. Minute vom Pfosten an/auf/über/hinter Keeper Lenz sprang, die Torlinie nicht überquert hatte, war auch ohne menschliche und technische Hilfsmittel absolut eindeutig. Den vorausgegangenen Kopfball hatte nämlich niemand anders als Kevin "Der Unnachahmliche" Kuranyi abgegeben. Was einen Torerfolg definitionsgemäß ausschließt.

Typisch deutsch
Über Deutschland existieren im Ausland ja so einige Klischees. Von wegen große Arbeitsmoral, kein Sinn für Humor und exzessiver Konsum von Bier. Was, wie wir wissen, natürlich alles totaler Humbug ist. Denn tatsächlich sind wir so faul wie Franzosen, so humorvoll wie Briten und so trinkfreudig wie Chinesen. Das einzig gängige Stereotyp über uns Deutsche, das wirklich zu 100% mit der Wirklichkeit übereinstimmt, ist das von den ultimativ besten Torhütern, die in unserer Eliteklasse tätig sind. Denn die Keeper unserer Bundesliga suchen weltweit ihres Gleichen. Wer das nicht glaubt, sollte sich einfach einen Zusammenschnitt der Tore dieses Spieltags anschauen und wird durch die grazilen Flugeinlagen der Herren Weidenfeller und Bailly sowie Hildebrands gekonnter Abklatsch-Torvorlagen-Kombination überzeugt. Und wem das noch nicht genügt, der möge sich an Jopi Lehmanns Interpretation der Klassikers "Opa kann's nicht lassen" berauschen. Ein amüsanter Ausflug in die Weiten des Mittelfelds, der zeigt, wofür wir Deutsche wirklich stehen: Zielstrebigkeit, Orientierungssinn und Disziplin. Ja, wer Lachen als Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung betrachtet und noch mit (bald) 40 Jahren für die Fußballer-Rente schuftet, der ist eben im höchsten Maße typisch deutsch.

Horny Skibbe
Apropos Opa: Für den HSV musste es mal wieder der tanzende Tattagreis richten. Dass Senil Robertos Treffer am Ende nur zu einem Punkte langte, lag allein an der herthaesk-hässlichen Effektivität der Gastgeber. Ein Angriff, ein Tor, und das Ding irgendwie über die Zeit holzen. Und da Eintracht-Trainer Horny Skibbe zudem temperamentsmäßig schwer in Richtung Bircher Müsli geht, wird ihm nunmehr der allseits begehrte "Favre des Monats" zuteil. Die Freude dürfte entsprechend enthemmt ausfallen.

Funny Hertha
Ach ja, Hertha, Du scharfe Tante von der Spree. Ganz ehrlich: So gefällst Du uns. Und Hand aufs Herz, so viel Sinn für Humor hätte man Dir gar nicht zugetraut. Erst dieses drollige 1:1 gegen die lettische Thekenmannschaft und dann jetzt diese 90-minütige Slapstick-Einlage. 0:4! Gegen Freiburg! Saukomisch! Und natürlich war das nicht ernst gemeint. Wissen wir doch. Alles reine PR. Comedy im Olympiastadion. Wird aber wohl nicht so angenommen. Bei Euch steht man ja mehr auf Mario Barth. Der macht die Hütte ja voll. Du (noch) nicht. Dabei bist Du doch schon jetzt sowas wie der erste Quatsch-Comedy-Club der Liga. Das soll Dir erstmal einer nachmachen!

Jugendwahn
Jede Sportredaktion, die etwas auf sich hält, kam dieser Tage natürlich nicht am neuen Bayern-Newcomer vorbei und schlagzeilte irgendetwas im Sinne von "Es müllert wieder". Womit – man hätte es kaum für möglich gehalten – ein Bezug zu einem gewissen Stürmer-Star namens Gerd Müller hergestellt werden sollte. Doch auch dieser Vergleich hinkt. Denn der neue Bayern-Müller hat gerade erst einmal zwei Tore auf dem Konto, ist schlank und rank, kann sich ganz gepflegt ausdrücken und ist vor allem gerade einmal 20 Jahre alt. Damit steht Müller II. auch sinnbildlich für den neuen Jugendwahn beim Rekordmeister, der erbarmungslos bis zum Ende durchgezogen wird. So wie in der 73. Minute gegen den Club, als zwei konternde Nürnberger auf fünf bayrische Defensivleute trafen. Für die Bayern-Abwehr gab es da nun zwei Alternativen. Im Stile einer erfahren Mannschaft die Räume zumachen oder aber wie eine E-Jugend alle Mann auf Ball und Gegner. Und weil der General an der Seitenlinie nun mal ein konsequenter Mann ist, entschied man sich für die zweite Variante. Was zwar zu einem Gegentreffer führte, aber immerhin bewies: Bei den Bayern macht man keine Kompromisse, wenn's um die Jugend geht.

Ein bisschen Boulevard
Bewegen wir uns zum Abschluss noch mal in die Abgründe des Boulevards und freuen uns über das neue Traumpaar der Fußball/Showbiz-Szene. Werders unwiderstehlicher Mittelfeld-Gigolo Mesut "Clooney" Özil hat sich in das Herz von Sarah-Connor-Schwester Anna Maria Lagerblom gedribbelt. Und das ist zweifelsohne das schönste und herzergreifendste Déjà –vu dieser total erotischen Liga. Denn genau, da war doch mal was: Vor etwa einem Jahr hatte die große Connor mit dem kleinen Diego ein ziemlich heißes Techtelmechtel. Und wir fragen uns nun alle: Ist das nun Zufall oder steckt da mehr dahinter? Ist es nur eine Bremer Interpretation des Connorschen Familienmottos "Let's Get Back To Bed, Boy" oder alles nur ein PR-Gag? Wir warten jedenfalls begierig auf die neue Doku-Soap "Anna-Maria & Mesut - Lazy in Love".
Aufrufe: 8206 | Kommentare: 41 | Bewertungen: 56 | Erstellt:20.09.2009
ø 8.0
KOMMENTARE
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Kevinho23
22.09.2009 | 12:58 Uhr
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Kevinho23 : 
22.09.2009 | 12:58 Uhr
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Kevinho23 : 
@ voegi

haste mal über n Podcast nachgedacht???

als gegenpart zu Udo Latteks "Jetzt mal Klartext"

10/10 natürlich
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