Andre Schubert im Interview: "Stöger ist ein gutes Vorbild für jeden Trainer"

Jochen Rabe
18. Januar 201808:56
Andre Schubert lobt die Arbeit von Peter Stögerimago
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Andre Schubert ist seit seiner Trennung von Borussia Mönchengladbach im Dezember 2016 ohne Job. Im Interview spricht der 46-Jährige darüber, warum er nicht ungeduldig wird.

Außerdem bewertet der Trainer die Problematik der Mehrfachbelastung, gibt seine Einschätzung zu Peter Stögers schnellem Übergang vom 1. FC Köln zu Borussia Dortmund und erklärt seine Ansprüche für die Jobsuche.

SPOX: Herr Schubert, es ist etwas mehr als ein Jahr her, seitdem Sie und Borussia Mönchengladbach getrennte Wege gegangen sind. Wie sieht momentan Ihr Alltag aus?

Andre Schubert: Wie der Alltag eines jeden Trainers, der nicht für einen Verein arbeitet: Ich pflege private Kontakte und gehe Interessen nach, für die ich sonst keine Zeit habe. Natürlich spricht man auch mit Vereinen, es gibt ja glücklicherweise immer wieder mal Anfragen. Ansonsten bilde ich mich fort und bin viel unterwegs. Ich treffe mich mit Trainerkollegen, aber auch mit ehemaligen Weggefährten aus den Vereinen, und tausche mich mit ihnen aus.

SPOX: Wie muss man sich Ihre Fortbildung vorstellen?

Schubert: Die beste Fortbildung ist der Austausch mit Trainerkollegen. Zudem gibt es Trainerfortbildungen vom DFB auf sehr hohem Niveau. Ansonsten geht es vor allem darum, seine Arbeit neu zu strukturieren, taktische Entwicklungen und sportwissenschaftliche Erkenntnisse zu beobachten. Wenn du erst einmal zurück im Alltagsgeschäft bist, hast du dafür nicht mehr die Zeit.

SPOX: Wie viel Fußball schauen Sie?

Schubert: Da muss man unterscheiden zwischen Fernsehen und Stadion. Ich fahre nicht jedes Wochenende los, aber manchmal fahre ich in eine bestimmte Gegend, verbinde das mit verschiedenen Treffen und sehe mir fünf, sechs Partien an. Im TV gucke ich annähernd täglich Spiele.

SPOX: Ausschließlich Fortbildung oder auch mal zum Vergnügen?

Schubert: Fortbildung muss man in Anführungszeichen setzen. Jedes Spiel erweitert den eigenen Horizont. Das heißt aber nicht, dass ich mich daran nicht erfreuen kann. Es ist ja meine Leidenschaft. Natürlich verfolge ich speziell die Vereine, bei denen ich gearbeitet habe. Deswegen bin ich in allen Ligen unterwegs und auch die U-Nationalmannschaften verfolge ich sehr regelmäßig.

Andre Schubert war ein gutes Jahr Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbachgetty

SPOX: Wie bewerten Sie die bisherige Gladbacher Saison?

Schubert: Woran es in den wenigen schwächeren Spielen lag, muss man individuell analysieren. Die Borussia ist eine sehr gute Kontermannschaft, die bei der Umschaltbewegung in der Offensive große Qualitäten hat. Und Gladbach verfügt offensiv grundsätzlich über die Qualität, auch die Großen zu ärgern. Ich finde es nicht überraschend, dass sie eine gute Saison spielen. Zumal sie in dieser Saison nicht die internationale Belastung haben. Mit Ausnahme von Bayern haben alle Mannschaften mit dieser Dreifachbelastung regelmäßig Probleme.

SPOX: Woran liegt das?

Schubert: Du spielst einfach alle drei Tage. Eigentlich bist du durch die internationale Belastung dazu gezwungen, viel durch zu wechseln. Machst du das, wirst du immer einen kleinen Qualitätsverlust haben - es sei denn, du bist der FC Bayern. Dazu kommen Reisestrapazen, Verletzungen, Überbelastung. Ich glaube, es dauert einige Jahre, bis du so etwas gewohnt bist.

SPOX: Wie schwer wiegt der Faktor, dass man in diesem Rhythmus kaum trainieren, sondern nur erweitert regenerieren kann?

Schubert: Wenn eine gute Vorbereitung möglich war, ist das nicht das Problem. Die Automatismen können ja auch über die Spiele weiterentwickelt werden. Grundsätzliches aber wie Zweikampfverhalten oder intensivere Spielformen kommen bei dieser Belastung natürlich zu kurz. Problematisch ist vor allem die Belastung an sich - körperlich wie mental. Alle drei Tage frisch zu sein, wenn du nur unterwegs und im Flieger oder Hotel sitzt, ist schwierig.

SPOX: Wie problematisch ist es, sich zwischen internationalen Highlights auf biedere Bundesliga-Spiele zu konzentrieren?

Schubert: Es gibt ganz wenige Mannschaften in der Bundesliga, die mit 80 Prozent ein Spiel gewinnen können. Du musst immer am Limit spielen und das ist mental nicht so einfach. Außerdem ist es ein Unterschied, ob du Champions League oder Europa League spielst.

SPOX: Inwiefern?

Schubert: Du freust dich auf das internationale Geschäft. Andererseits spielst du am Wochenende Bundesliga vor 60.000 Zuschauern und dann sind in der Europa League plötzlich nur 2.500 da. Gegen Mannschaften zu spielen, die nicht so bekannt sind, ist unter diesen Umständen gefährlich. Die haben das Messer zwischen den Zähnen, haben die Chance, sich zu zeigen und international zu präsentieren. Wenn du dann aus irgendwelchen Gründen nicht auch Vollgas gibst, wird es eng.

SPOX: Trotzdem liegt der Schluss nahe, dass ein Bundesligist eine Mannschaft beispielsweise aus Bulgarien schlagen müsste.

Schubert: Klar. Ich will nur vermitteln, dass das Thema nicht so eindimensional ist, wie es häufig dargestellt wird. Das internationale Abschneiden in dieser Saison müsste deutlich besser sein, aber ich würde daraus keine grundsätzliche Tendenz ableiten.

SPOX: Wie haben Sie die Mehrfachbelastung in der Champions-League-Saison mit Gladbach erlebt?

Schubert: Die Situation war schon Wahnsinn. Wir mussten jedes Spiel in der Bundesliga am Limit spielen. International kannst du dann aber nicht elf neue Spieler aufstellen, denn du spielst ja gegen Manchester City oder Barcelona. Das war eine spannende Herausforderung. Ich will aber wirklich nicht jammern. Im Gegenteil: Sich mit solchen Problemstellungen auseinanderzusetzen, ist ein Traum für jeden Spieler und Trainer.

SPOX: Als Sie im Dezember 2016 mit Gladbach gegen Pep Guardiolas FC Bayern gewannen, galten Sie als Trainer der Stunde. Wie haben Sie das für sich eingeordnet?

Schubert: Ich habe das beobachtet, bewerte solche Tendenzen aber nicht über. Solche Personalien sind für Medien interessant und werden enorm überhöht. Aber es hat ja Bayern gegen Gladbach und nicht Guardiola gegen Schubert gespielt - da wäre ich wohl auch chancenlos gewesen. (lacht) Es ist nun mal Teil der Berichterstattung, dass Dinge immer extrem gut oder extrem schlecht dargestellt werden. Grauzonen sind nicht spannend.

SPOX: Sie hatten das eine oder andere Mal Probleme mit Journalisten. Weil es meist um diese Extreme ging?

Schubert: Nicht direkt. Am Anfang wurden mir Fragen gestellt und ich wollte immer Details erklären. Ich musste mit der Zeit lernen, dass nicht immer eine sachliche Erklärung gefragt ist. Manchmal kommt es besser an, einen lockeren Spruch zu bringen. Es gibt aber auch überkritische Fragen. Die müssen kommen, das verstehe ich. Dennoch ist es mir passiert, dass ich in angespannten Situationen nicht souverän damit umgegangen bin, weil ich mich persönlich angegriffen gefühlt habe. Je häufiger du in solchen Situationen bist, desto klarer wird dir, dass die andere Seite auch nur ihren Job macht.

SPOX: Haben Sie anschließend mit Journalisten darüber gesprochen?

Schubert: Gespräche gab und gibt es da immer wieder. Es kam vor, dass man mir hinterher gesagt hat: Sorry, ich muss das fragen, das ging nicht gegen Sie persönlich. Das ist für mich in Ordnung. In der Fußball-Berichterstattung geht es nun mal immer um Emotion.

SPOX-Redakteur Jochen Rabe traf Andre Schubert in Kassel zum Interviewspox

SPOX: Der Fußball ist schließlich ein Massenphänomen.

Schubert: Eben. Natürlich würde ich als Trainer gerne analytischer an den Fußball herangehen, aber er lebt davon, wie er verkauft wird und da spielen Emotionen die wichtigste Rolle. Dementsprechend werden Fragen gestellt. Es hat etwas gedauert, bis ich das verstanden habe.

SPOX: Ist es schwieriger, mit der Polemik in sozialen Medien klarzukommen?

Schubert: Damit beschäftige ich mich gar nicht.

SPOX: Noch nie?

Schubert: Früher schon. Ich hatte eine private Facebook-Seite, auf der immer nette Anfragen kamen. Zu St.-Pauli-Zeiten hat das jedoch ein zu großes Ausmaß angenommen, ich konnte das nicht mehr seriös bewältigen. Deshalb habe ich das beendet. Mittlerweile habe ich eine geteilte Meinung über soziale Netzwerke.

SPOX: Inwiefern?

Schubert: Einerseits sind sie schön, um persönliche Kontakte aufrecht zu erhalten und Freunde an seinem Leben teilhaben zu lassen. Andererseits ist es auch der Ort, an dem Menschen aus der Anonymität heraus Beleidigungen, Intrigen und Lügen verbreiten können. Wieso soll ich mich damit beschäftigen, dass alphamännchen3005 sagt, ich sei ein Vollidiot? Ich glaube, wir können in unserer Demokratie alle stark genug sein, es darauf beruhen zu lassen.

SPOX: Bei Ihrer Trennung von der Borussia hieß es, man habe in einvernehmlichen Gesprächen beschlossen, dass der Mannschaft ein neuer Impuls helfen könne. Glauben Sie an diesen Effekt?

Schubert: Es ist immer schwierig, einen Trainerwechsel von außen zu beurteilen. Verallgemeinerungen sind da fehl am Platz. Aus meiner Sicht kannst du zwei Dinge durch einen Trainerwechsel erzielen.

SPOX: Und zwar?

Schubert: Zum einen fördert er die Fokussierung und Aufmerksamkeit des ganzen Vereins und Umfelds. Andererseits kannst du Spielern etwas Zeit verschaffen und Druck herausnehmen. Bei einem neuen Trainer ist die Erwartungshaltung eine ganz andere, denn er braucht ja erst einmal vier, fünf Wochen, bis man sieht, worauf er hinaus will. Ob das nun dazu führt, dass die Mannschaft besser spielt, steht auf einem anderen Blatt.

SPOX: Zwingend unmittelbar kann dieser Effekt also nie sein?

Schubert: Nehmen wir das Beispiel BVB. Nach dem Wechsel von Peter Bosz zu Peter Stöger haben sie zum Ende der Hinrunde die Spiele gegen Mainz und Hoffenheim gewonnen. Besonders gegen Hoffenheim war durchaus etwas Glück dabei. Hätten sie verloren, wäre die Bewertung im Winter vielleicht eine ganz andere gewesen. Ich bin neulich auf der Straße gefragt worden, wie es denn sein könne, dass Stöger in Köln nichts gerissen hätte und in Dortmund plötzlich gewinnt (lacht).

SPOX: Ihre Antwort?

Schubert: Abgesehen davon, dass man die Spiele individuell bewerten muss, ist allein die Wahrscheinlichkeit, mit Dortmund ein Spiel zu gewinnen, ungleich höher als mit Köln. Dieser Vergleich greift also viel etwas kurz. Daran sieht man aber, wie einfach so ein Thema manchmal wahrgenommen wird, obwohl es viel komplexer ist.

Andre Schubert lobt die Arbeit von Peter Stögerimago

SPOX: Stögers Start beim BVB wäre doch aber ein gutes Beispiel dafür, wie ein Trainer an bestimmten Stellschrauben drehen kann, um einen kurzfristigen Effekt zu erzielen?

Schubert: Das muss jedes Mal der Anspruch sein, wenn man eine neue Aufgabe beginnt. Ich hatte in Paderborn eine Situation, in der wir auch wenig Zeit hatten. Die Mannschaft hatte offensiv eine hohe individuelle Qualität, tat sich jedoch in der defensiven Organisation schwer. Wir sind in ein Kurztrainingslager gefahren und haben den Fokus ausschließlich auf die Defensive gelegt. Letztlich hat es tatsächlich noch für den Aufstieg gereicht. Es gibt aber keine Schablone, sondern ich orientiere mich am vorhandenen Potenzial. Bei Gladbach war der Ansatz wieder ein anderer.

SPOX: Und zwar?

Schubert: Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft mit ihrer großen spielerischen Qualität aktiver sein will, dass sie nicht nur reagieren, sondern auch agieren möchte. Außerdem war das Gefüge völlig intakt. Es war zuvor ja keineswegs so, dass die Spieler gegen Lucien Favre gespielt hätten. Alle waren selbst schockiert über den Rücktritt und fühlten sich in der Verantwortung.

SPOX: Hatten Sie das Gefühl, dass die riesigen Fußstapfen von Favre ein Hemmnis waren?

Schubert: Die hat er sich verdient. Aber Vergleiche von Trainern halte ich auch nicht für sonderlich sinnvoll, das habe ich auch nie so gespürt. Natürlich ist dein Stellenwert ein anderer, wenn du aus der U23 kommst, als wenn du schon drei, vier Jahre im Verein bist oder wie Dieter Hecking 350 Bundesligaspiele als Trainer auf dem Buckel hast. Das habe ich in der Phase, als es nicht mehr so gut lief, schon bemerkt. Bei Max Eberl war das allerdings nie ein Thema. Auf ihn lasse ich nichts kommen, die Zusammenarbeit war fantastisch.

SPOX: Ist die Beförderung vom U23-Trainer erst zum Interims- und dann zum Cheftrainer nicht ohnehin eine schwierige Ausgangssituation?

Schubert: Nicht zwangsläufig. Es geht gerade bei der Zusammenarbeit mit dem Team einzig um die fachliche Qualifikation und wie man das Ganze empathisch steuert. Alles hat schon einmal funktioniert und alles ist auch schon mal gescheitert: junge Trainer, ältere Trainer, erfahrene, unerfahrene, der harte Hund, der super Kumpel. Wenn der Verein seinem U-Trainer vertraut, spielt alles andere keine Rolle.

SPOX: Stöger bekam in Dortmund einen Vertrag bis Saisonende - mit offenem Ausgang. Ist es ein Problem, wenn das Thema Weiterbeschäftigung ständig im Raum steht?

Schubert: Ich glaube nicht, dass das im Moment ein Thema ist. Für ihn ist es sogar super, denn er hat null Druck. Aktuell ist die Situation total in Ordnung. Der Verein hat mit offenen Karten gespielt und Stöger um Hilfe gebeten. Und wenn ein Verein wie der BVB anfragt, macht er das natürlich.

SPOX: Auch wenn man sich erst eine Woche zuvor von einem Verein getrennt hat, mit dem man emotional sehr verbunden war?

Schubert: Ich habe gar nicht verstanden, warum Stöger von einigen etwas Negatives unterstellt wurde. Er ist doch freigestellt worden und nicht freiwillig gegangen und hat auch nichts provoziert. Dann war sein Plan wahrscheinlich, eine Pause zu machen. Wenn aber eine Woche später der BVB anruft, ist die Situation doch klar. Ich kann die Entscheidung zu 100 Prozent nachvollziehen. Ich habe größten Respekt vor ihm und davor, wie er die Aufgabe in Köln bis zuletzt angegangen ist. Stöger ist ein gutes Vorbild für jeden Trainer, mit welcher Ruhe, Sachlichkeit und Freundlichkeit er auch bei kritischen, aggressiven Fragen reagiert. Er machte für mich in Köln nie den Eindruck, als ob er nervlich am Ende wäre.

SPOX: Ist es überhaupt möglich, nach nur einer Woche eine neue Aufgabe anzunehmen? Sie haben damals nach Ihrer Zeit in St. Pauli anderthalb Jahre Pause gehabt.

Schubert: Ich musste damals aus den Erfahrungen auch erst einmal die richtigen Schlüsse ziehen. Das hat nach St. Pauli in der Tat lange gedauert, weil ich mir vieles selbst nicht eingestehen konnte. Nach meiner Zeit in Gladbach war ich mit mir im Reinen. Ich wusste, was gut war, was nicht so gut war, was ich hätte anders machen können.

SPOX: Wie fällt Ihr Gladbach-Fazit aus?

Schubert: Es war eine sensationelle Zeit. Am Ende wurde eben viel an Ergebnissen festgemacht, das ist im Profifußball so. Auch das zweite Jahr sehe ich nicht ganz so negativ. Man darf nie vergessen: Wir hatten zuvor eine unfassbar anstrengende Saison, in der wir einen Rückstand von Platz 18 auf Platz vier aufholen mussten und nebenbei Champions League spielten. Nach Platz vier spielten wir im zweiten Jahr die Champions-League-Qualifikation, weshalb wir deutlich früher anfangen mussten als alle anderen.

SPOX: Und das in einem EM-Jahr, in dem viele Spieler später dazu gestoßen sind.

Schubert: Trotzdem lief der Start sehr gut. Nach fünf Spieltagen waren wir Vierter. Nach der zweiten Länderspielpause sind wir vom Kurs abgekommen. Dafür gab es Gründe wie die Dreifachbelastung oder die Verletzten, auch eine enorme Erwartungshaltung aufgrund unserer teilweise überragenden Spiele. Und in einigen Spielen haben wir uns einfach nicht belohnt wie gegen Hoffenheim, Köln oder den HSV, wo wir zwei Elfmeter verschossen. Hätten wir zur Winterpause sechs Punkte mehr gehabt, wäre wohl nichts passiert.

Andre Schubert hat mit Max Eberl eng zusammengearbeitetgetty

SPOX: Stattdessen kam es zur Trennung.

Schubert: Natürlich hätte ich auch Dinge besser machen können, keine Frage. Und da ist die Eigenanalyse auch sehr wichtig. Allerdings habe ich auch schon im ersten Jahr gespürt, dass ich nach Niederlagen schnell in den Fokus geriet und spekuliert wurde. Dieses Grundrauschen hat sich in den Medien gehalten, ich wurde regelmäßig gefragt, warum mir nicht mehr Vertrauen entgegengebracht wird. Das ist aber wohl häufig bei Trainern aus dem eigenen U-Bereich der Fall.

SPOX: Tatsächlich konnte man das Gefühl bekommen, dass der Verein eigentlich nicht mit Ihnen weiterarbeiten möchte, aufgrund Ihres Erfolgs jedoch keine andere Wahl hatte.

Schubert: Ich habe das selbst nicht so empfunden. Aber wenn Grundvertrauen fehlt, ist das ist in einer schlechten Phase schwierig. Es ist auch im Umfeld und in der Mannschaft ein Thema. Deswegen ist es wichtig, dass alle rund um den Verein zu jeder Zeit das Gefühl haben: Der Trainer steht nicht zur Disposition.

SPOX: Welche Voraussetzungen müssen nun erfüllt sein, damit Sie wieder im Profifußball einsteigen?

Schubert: Es sollte eine reizvolle Aufgabe sein. Ich muss das Gefühl haben, etwas entwickeln zu können. Beide Seiten müssen sich zu 100 Prozent vertrauen. Aber das ist immer die Basis. Ansonsten möchte ich nichts ausschließen.

SPOX: Haben Sie die Befürchtung, den Anschluss nicht mehr zu finden?

Schubert: Nein. Es gibt Kollegen, die jeden Monat ein Gespräch haben, aber dann passiert jahrelang trotzdem nichts. Dann gibt es diejenigen, die anderthalb Jahre mit niemandem sprechen und plötzlich bei einem Verein unterschreiben. Es gibt da keinen zeitlichen Zusammenhang. Der Trainermarkt ist groß, viele gute Trainer warten auf eine neue Aufgabe. Wenn ich unbedingt etwas hätte machen wollen, hätte ich schon eine Aufgabe übernehmen können, aber es hat noch nicht gepasst.

SPOX: Nach Ihrer Zeit bei St. Pauli haben Sie einen Umweg über einen U15-Trainer-Posten beim DFB gemacht.

Schubert: Ich wollte mich einfach wieder auf Fußball konzentrieren, ohne größeres mediales Interesse. Irgendwann fragte mich mein Berater, ob eine U-Nationalmannschaft etwas für mich wäre. So hat sich die Zusammenarbeit mit dem DFB ergeben, die eine wahnsinnig wichtige Erfahrung für mich war. Ich habe wieder richtig Spaß an meinem Beruf entwickelt. Das einzige, was mir gefehlt hat, war die Matchpraxis. Dann kam das Angebot, Gladbachs U23 zu übernehmen. Das war enorm reizvoll und mit Lucien Favre hatte die erste Mannschaft einen Trainer, der sicher saß. Und Gladbach ist bekannt für seine seriöse Arbeit, die Profis waren kein Thema.

SPOX: Diese Rechnung ging dann nicht auf.

Schubert: Das war schon verrückt. Schon in den Gesprächen hatte Nachwuchsdirektor Roland Virkus zu mir gesagt, dass es natürlich im Notfall passieren könne, mal bei den Profis zu helfen. Das war für mich aber kein Faktor, schätzte ich doch gerade die Arbeit abseits der ganz großen Medien, aber dann ist es doch so passiert. Ich habe lange überlegt, am Ende hat mich die Arbeit mit den Jungs so gereizt, dass ich mich dafür entschieden habe.