Die Gruppenphase der Champions League ist vorbei - und sie bot allerhand Spektakuläres. Schalke schwurbelt sich irgendwie weiter, das Fürstenturm zelebriert Minimalismus und Rudi Garcia wartet immer aufs Weckerklingeln. Rekorde und Kurioses der Gruppenphase mit Hilfe der OPTA-Zahlen.
Running Gags: Für Ersatzspieler ist die Königsklasse die größtmögliche Bühne, um sich zu beweisen. Also: reinhängen! Vollgas beim Aufwärmen vor dem Spiel, fokussiert in der Kabine, ab Minute 50 kontinuierlich warmmachen und: hoffen. Wird's was mit der Einwechslung? Eine halbe Stunde reicht locker für einen großen Auftritt, vielleicht gar für das erlösende Jokertor. Die Zeit verstreicht... Okay, wenigstens die Schlussviertelstunde?! Nachspielzeit... ICH WILL DIE VERDAMMTE AUFLAUFPRÄMIE, COACH! Pustekuchen. Bei Juve - Atletico verzichteten beide Trainer komplett auf Wechsel. Gab es zuvor bisher nur einmal (1997/98). Endstand: 0:0. Und das Ego der Ersatzbank mal eben kollektiv in den Boden gestampft.
Fürstliche Effektivität: Als Tabellenletzter ausscheiden, ist an sich schon deprimierend genug. Noch mieser muss es aber sein, wenn ein Team mit weniger erzielten Toren souverän als Tabellenerster ins Achtelfinale spaziert. Der AS Monaco hat mit vier Treffern beachtliche elf Punkte geholt - und kann den Tabellenletzten aus Rasgrad (5 Tore) und von ZSKA Moskau (6 Treffer) genüsslich die lange Nase zeigen. Oder Sporting, das mit der dreifachen Trefferanzahl geschmeidig in die Europa League schlittert. Gegen den monegassischen Minimalismus ist eben kein Kraut gewachsen. Mit nur einem Gegentor stellt der AS ganz nebenbei die beste Abwehr. Andere Achtelfinalisten bewiesen da deutlich größeren Mut zur Lücke (siehe Gruselkabinett, Teil II).
Hosen voll, Part I: Der Engländer an sich scheut sich ja gemeinhin vor Elfmeterschießen, großen Turnieren im Allgemeinen, genießbarem Essen und: dem FC Basel. Die Schweizer empfangen Inselteams seit langem nur noch mit einem müden Lächeln. Seit sieben Spielen ist Basel gegen englische Mannschaften unbesiegt. Vor drei Jahren ließ man Manchester United hinter sich, diese Saison musste Liverpool dran glauben. Übrigens: Einer von Basels möglichen Achtelfinalgegnern ist der FC Chelsea.
Hosen voll, Part II: Rudi Garcia und der FC Bayern? Die Wettquote auf eine glückliche Ehe steht bei etwa 1:1837. Der 50-Jährige hatte schon 2012 mit Lille seine bis dato größte CL-Abreibung ever kassiert. Am Ende stand es 1:6. Geht's noch hässlicher? Geht noch hässlicher! Zwei Jahre später setzte es ein cremiges 1:7 und damit eine neue "Bestmarke". Gesamtbilanz gegen Bayern: 4 Spiele, 0 Punkte, 2:16 Tore. Und Garcia hofft wohl noch immer, dass plötzlich der Wecker klingelt...
Seite 1: Running Gags, monegassischer Minimalismus und Rudis Alptraum
Seite 2: Neulich im Gruselkabinett (Teil I - V) & Verneigung vor Schachtjor
Gruselkabinett, Teil I: 24 Gegentore in sechs Spielen. Zugegeben: Tasmania Berlin hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Aber wir sprechen hier über Champions League. KÖNIGSKLASSE! In diesem Sinne: Üben, BATE Borissow, üben!
Gruselkabinett, Teil II: Wie man Alptraum-Bilanzen vorweist und sich trotzdem ins Achtelfinale schwurbelt, beweist Königsblau. Für satte 14 Gegentore und nur neun eigene Treffer noch belohnt zu werden, ist entweder dreist oder genial - aber in jedem Fall verdammt ausbaufähig. Gewagte Prognose: Ab dem Achtelfinale könnte ein solches Torverhältnis problematisch werden.
Gruselkabinett, Teil III - V: Galatasaray darf sich schon jetzt auf die Gruppenphase 2015/2016 vorbereiten. Mit einem Punkt und 19 Gegentoren nahm Gala die allererste Ausfahrt raus aus der Dreifachbelastung. Schlechteste Gruppenphase der Vereinsgeschichte? Check. Auch für Benfica und Liverpool lief es ernüchternd: Die Portugiesen machten sich erstmals als Letzter vom Acker, die Reds spielten ihre mieseste Gruppenphase überhaupt.
Verneigung vor Schachtjor Donezk! Man muss sich das mal vorstellen: Eine Stadt versinkt im Bürgerkrieg, das eigene Stadion ist wegen Bombardements unbrauchbar und Schachtjor muss seine CL-Heimspiele im über 1000 Kilometer entfernten Lemberg austragen. Trotzdem: Schachtjor rockt! Beim historischen 7:0-Sieg gegen BATE purzelten die Rekorde. 6:0-Halbzeitführung? Bestmarke! 7:0-Auswärtssieg? Nie zuvor geschehen! Vor allem Luiz Adriano trug sich gleich mehrfach in die Geschichtsbücher ein. Innerhalb von 54 Minuten hat noch niemand einen Fünferpack geschnürt, auch nicht vier Tore in nur einer Halbzeit. Dazu erzielte er als Erster in zwei Spielen hintereinander einen lupenreinen Hattrick. Der verdiente Lohn für Schachtjor und Adriano: Achtelfinale!
Seite 1: Running Gags, monegassischer Minimalismus und Rudis Alptraum
Seite 2: Neulich im Gruselkabinett (Teil I - V) & Verneigung vor Schachtjor
Alles zur CL-Gruppenphase