"Tank for Tua" ist bereits jetzt ein fester Ausdruck; zu hören insbesondere in Miami. Die Quarterback-Klasse 2020 verspricht einige sehr spannende Spieler, SPOX wirft vor dem Start der College-Saison einen ersten Blick auf die Prospects, auf die sich Teams im nächsten Draft freuen können.
Als Justin Herbert im vergangenen Dezember verkündete, dass er für seine letzte College-Saison nach Oregon zurückkehrt und nicht in den 2019er Draft gehen wird, war die Überraschung über diese Entscheidung fast so groß wie die anschließenden Fragezeichen: Wie attraktiv würde die Quarterback-Klasse jetzt noch aussehen?
Natürlich dachten zu diesem Zeitpunkt noch alle, dass Kyler Murray Baseball spielen würde. Daniel Jones hatte kaum jemand für die erste Runde, geschweige denn für die Top-10 auf dem Zettel und Dwayne Haskins steckte in seiner ersten Saison als Starter.
Vor der vergangenen Saison war das Bild noch deutlich unklarer, und das lässt sich so häufig über die wichtigste Position und den nächsten Draft sagen. Vor seiner Draft-Saison 2016 hatte Patrick Mahomes eine überzeugende Saison gespielt. Mitchell Trubisky ging gleichzeitig in sein erstes Jahr als Starter. Und niemand hatte Carson Wentz im Sommer 2015 auf dem Schirm; im April 2016 war er der Nummer-2-Overall-Pick.
Vor diesem Hintergrund wird es spannend sein zu sehen, ob sich das vermeintlich klare Bild vor der kommenden College-Saison im April 2020 bestätigen wird; denn die Prognosen sind sich überraschend einig: Tua Tagovailoa, Justin Herbert und Jake Fromm - das sollte das Top-QB-Trio im kommenden Draft sein. SPOX stellt sie vor und zeigt einige weitere Kandidaten, die im April heiß diskutiert werden könnten.
Tua Tagovailoa, Alabama
14-0 bis zur Niederlage im National Championship Game, acht Mal die 50-Punkte-Marke geknackt - und am Ende doch nur Zweiter. Das zweitbeste Team im College-Football und für Tua Tagovailoa der zweite Platz bei der Abstimmung zur Heisman Trophy.
Das alles soll 2019 korrigiert werden, genau wie eine historische Serie: Seitdem Nick Saban 2007 Alabama übernommen hat, wurde kein Quarterback in den ersten vier Runden gedraftet. Zwei wurden überhaupt nur gedraftet: Greg McElroy (7. Runde 2011) und A.J. McCarron (5. Runde 2014).
Tua soll das jetzt ändern. Der Linkshänder, dessen Stern aufging, als er während des Championship Games 2017/18 für den schwach agierenden Starter Jalen Hurts eingewechselt wurde, scheint dafür bestens ausgerüstet. Mit einer Familie, die ihn unterstützt und bisweilen auch drillt, mit Jerry Jeudy, einem der Top-Receiver im College in seinem Team, und mit einem inzwischen endlich wieder gesunden Knie, nachdem er hier in der Vorsaison immer wieder Probleme hatte.
Die 2018er Stats der Top-QB-Prospects 2020 im Überblick
Name | Completions/ATT | Yards | TD | INT |
Tua Tagovailoa | 245/355 | 3.966 | 43 | 6 |
Justin Herbert | 240/404 | 3.151 | 29 | 8 |
Jake Fromm | 206/306 | 2.749 | 30 | 6 |
Jordan Love | 267/417 | 3.567 | 32 | 6 |
Zwei Aspekte stechen sofort heraus, wenn man sich mit Tagovailoa beschäftigt: Seine Improvisationsfähigkeit innerhalb und außerhalb der Pocket auf der einen, seine Präzision und sein Gefühl im Passspiel auf der anderen Seite. Tagovailoa lieferte letztes Jahr auch ohne spektakuläre Armstärke explosive Plays am Fließband und beeindruckte dabei mit seiner Ruhe aus der Pocket.
Zwei andere Aspekte werden Scouts über die Saison besonders beobachten: Kann Tua fit bleiben? Letztes Jahr plagten ihn immer wieder kleinere und größere Verletzungen. Darüber hinaus hatte Tagovailoa auch einige hochriskante Pässe, wenn er sich zu sehr auf seine Improvisationen verließ und in Drucksituationen unterliefen ihm noch einige auffällige Fehler. Hier die richtige Balance zu finden wird ein weiterer Schlüssel sein.
Unter dem Strich vergleichen Scouts und Coaches Tua bereits mit Drew Brees; er ist fraglos der erste Quarterback in der Saban-Ära, der nicht nur ein Game Manager ist, sondern die Offense tragen und verbessern kann. Setzt er seine Entwicklung fort und bleibt fit, muss man Tagovailoa als Favorit auf den Nummer-1-Pick auf dem Zettel haben.
Justin Herbert, Oregon
Insbesondere Scouts, die auf der Quarterback-Position auf bestimmte Maße achten, werden sich in Herbert schnell verlieben. Zwei Meter groß, 105 Kilo schwer - Herbert hat die Gardemaße. Und er hat den Arm, um diese auch auf dem Feld bemerkbar zu machen. Gleichzeitig ist er keine Statue in der Pocket, im Gegenteil: Herbert kann sich bewegen, sei es innerhalb eines Rollout-Designs, oder auch als Runner.
Herberts Tape zeigt einige absolut fantastische Würfe, in engste Fenster mit perfektem Ball-Placement und herausragendem Timing. Herbert zuzuschauen macht schon jetzt Spaß, der Senior kann ein wirklich guter NFL-Passer werden - wenn er konstanter wird.
Immer wieder bekommt man bei Herbert den Eindruck, dass er in ein Loch fallen kann und dort nicht wieder raus kommt, häufiger als etwa bei Tua sieht man einfache Fehler. Insbesondere mit Blick auf seine Accuracy.
Gelingt es ihm, das abzustellen, wird Herbert im Draft 2020 eines der klaren Top-Prospects sein, und es wird eine offene Debatte in der Draft-Community darüber geben, ob man Tagovailoa oder doch Herbert bevorzugt.
Einige der Themen rund um Herbert könnten dabei auch über seine rein sportliche Entwicklung hinausgehen. Herbert hat sein komplettes Leben in Eugene/Oregon verbracht, dort wurde er geboren, ging auf die Sheldon High School in Eugene und anschließend aufs College hier.
Das ist per se natürlich nichts Schlechtes; doch bei einem vergleichsweise ruhigeren, eher in sich gekehrten Typen wie Herbert werden früher oder später die Fragen danach kommen, ob er ein NFL-Team anführen kann.
Jake Fromm, Georgia
Wenn man heute raten müsste, welcher Quarterback vor dem 2020er Draft am kontroversesten diskutiert wird: Jake Fromm wäre nicht die schlechteste Antwort. Er wird in Georgias Run-lastiger Offense weder die Zahlen auflegen, die Tagovailoa und Herbert haben sollten, noch kann er mit den physischen Tools oder dem Arm aufwarten, die die anderen beiden Topkandidaten haben.
Aber Fromm, der Team-intern die Top-Recruits Justin Fields (inzwischen bei Ohio State) und Jacob Eason (Washington) verdrängt hat, punktet mit etwas anderem: Accuracy. Fromm ist ein unheimlich akkurater Passer mit großartigem Touch, und das ist eine der zentralen Qualitäten, auf die NFL-Teams bei einem Quarterback achten.
Fromm glänzt in der 10-20-Yard-Range und er sollte 2019 hinter einer starken Offensive Line agieren. Er spielt zwar nicht so spektakulär wie Tagovailoa oder Herbert, seine Accuracy aber erlaubt es ihm trotzdem, engste Fenster zu treffen und trotzdem spektakuläre Pässe anzubringen.
Was wollen Scouts in der kommenden Saison also von Fromm sehen? Mehr Kreativität auf der Position, mehr Plays außerhalb der Play-Struktur, falls nötig, effizienteres Verhalten gegen Pressure. Fromm ist ein sehr gutes Prospect und seine Accuracy ist mitunter eine Augenweide. Aber bleiben diese Fragen unbeantwortet, werden Scouts Fragen danach stellen, wie ideal die Umstände um ihn herum sein müssen, damit man mit ihm erfolgreich sein kann.
Jordan Love, Utah State
Fantastischer Deep Ball, ein komplett müheloser Release und eine unheimliche Wurf-Power, ohne eine weite Ausholbewegung beim Wurf durchführen zu müssen. Love hat sich bereits von vorletzter auf letzte Saison deutlich gesteigert und ist vielleicht der Favorit, wenn es darum geht, sich überraschend in die erste Runde zu katapultieren - diese Art Quarterback gibt es schließlich in nahezu jedem Draft.
Allerdings muss Love in der kommenden Saison auch einige Umstellungen überwinden - wie etwa den neuen Trainerstab, nachdem Coach Matt Wells weg ist. Neben seinem Arm bringt Love auch Mobilität mit und verfügt teilweise über großartiges Ball Placement. In der Summe hat sein Tape einige der spektakulärsten Highlights; jetzt gilt es, auch als Quarterback zu reifen.
Dazu gehört bei Love vor allem das Spielverständnis. Sehr viele seiner Plays kamen bei One-Read-Plays, Play Action oder Run Pass Options - anders gesagt: Spielzüge, bei denen der Quarterback schon via Design nur einen Bereich oder eine Seite des Feldes lesen muss. Wenn Love sich hier steigern kann, werden seine Tapes nicht nur unterhaltsam, sondern auch ernsthaft interessant für NFL-Teams.
K.J. Costello, Stanford
Könnte es Teams geben, die sich in den intelligenten Anführer, der unter David Shaw gelernt hat, verlieben? Ohne jeden Zweifel; Daniel Jones ist das perfekte Beispiel dafür, wie sehr Teams derartige Aspekte wertschätzen können, solange der Quarterback physisch genug mitbringt.
Costello könnte in diese Kategorie fallen. Er ist groß, er kann sich als Runner aus schlechten Situationen befreien, er kann einen guten Pass mit Power über die Mitte des Feldes feuern und teilweise bewegt er sich sehr gut in der Pocket. Costello gilt als Football-Freak, der in puncto Spielintelligenz und Spielverständnis die Scouts am White Board beeindrucken sollte.
Umso überraschender ist es dann doch, wie kontinuierlich er sich doch üble Fehlwürfe leistet. Vielleicht überschätzt er teilweise seinen Arm oder die Geschwindigkeit eines Verteidigers, falsche Reads der Defense waren mit Sicherheit auch dabei. Costelo hatte, dafür, dass dort eigentlich eine Stärke liegen sollte, zu viele Aussetzer.
Quarterback Draft 2020 - weitere Kandidaten:
- Jacob Eason, Washington
- Blake Barnett, South Florida
- Jalen Hurts, Oklahoma
- Nate Stanley, Iowa
- Steven Montez, Colorado