Kenny Golladay gilt als wohl bester Wide Receiver und vielleicht bester Spieler unter allen Free Agents. Der 27-Jährige wird in den kommenden Tagen sehr wahrscheinlich einen fetten Vertrag unterschreiben. Welche Fähigkeiten machen sein Spiel aus? Und welche Teams könnten ihn verpflichten?
Rund zweieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Kenny Golladay auf die Bildfläche von NFL-Fans auf der ganzen Welt katapultierte. Am 7. Oktober 2018 suchte Quarterback Matthew Stafford seinen jungen Receiver im Spiel gegen die Green Bay Packers bei einer Fade-Route aus dem Slot heraus.
Golladay wurde von Gegenspieler Josh Jackson eng verteidigt, als Staffords Pass in Reichweite der beiden Kontrahenten kam, befand sich Jackson eigentlich in einer besseren Position als Golladay. Dieser stieg allerdings einen halben Meter über den Cornerback hinweg, pflückte den Ball aus der Luft, behielt die Balance und machte sich auf den Weg in Richtung Endzone.
Golladays Catch zählte zu den spektakulärsten der Saison. Er beendete das Spiel mit 98 Receiving Yards und einem Touchdown, die Lions entschieden das Duell mit dem favorisierten Rivalen mit 31:23 für sich. Und plötzlich war Golladays Name über die Grenzen der Motor City hinaus bekannt.
Es war der Beginn zweier herausragender Jahre für den einstigen Drittrundenpick. Nach einer vielversprechenden Rookie-Saison, in der Golladay sein Potenzial als hervorragender Contested-Catch-Receiver bereits angedeutet hatte, knackte er bereits in seinem zweiten Jahr die 1000-Yard-Marke. Ein Jahr später beendete er die Saison sogar mit 1190 Yards und elf Touchdowns. Golladay war in der Riege der Top-Receiver in der NFL angekommen.
Kenny Golladay: Gardemaße für einen NFL-Receiver
Dass der Hüne aus Northern Illinois über beinahe optimale athletische Voraussetzungen verfügte, war bereits vor Golladays NFL-Debüt bekannt gewesen. Vor dem Draft war er mit mehr als 1,90 Metern Körpergröße und fast 100 Kilogramm Körpergewicht gemessen worden - Gardemaße für einen NFL-Receiver.
Darüber hinaus überraschte Golladay mit einer guten Zeit im 40-Yard-Dash. Mit 4,5 Sekunden lief er damals eine für einen Athleten, der eher mit seinen starken Händen und guter Körperkontrolle als mit seinem Speed gewinnt, gute Zeit auf den Rasen.
Golladays Probleme waren vor dem Draft in den Augen vieler Scouts andere Bereiche seines Spiels: Der Receiver verfüge nur über ein limitiertes und teilweise steifes Route-Running, hieß es. Zudem habe er Probleme mit physischen Press-Cornern. Diese Schwächen alleine durch Körpergröße und Kraft auszugleichen, ist auf dem NFL-Level beinahe unmöglich.
Kenny Golladay: Herbe Rückschläge 2020
Doch der heute 27-Jährige belehrte viele seiner Kritiker eines Besseren: Golladay entwickelte sich zwar nie zu einem herausragenden Route-Runner, machte in diesem Bereich aber doch klare Fortschritte. Zudem entpuppte sich jegliche Skepsis gegenüber seines Releases als unbegründet: Über die Jahre entwickelte sich Golladay in Detroit zu einem echten X-Receiver, der auch gegen Press Coverage an der Line of Scrimmage gewinnen kann.
Seine Kombination aus Körperkontrolle, Größe, Release und Speed ließ ihn bereits in seinem zweiten Jahr zu Matthew Staffords Lieblingsanspielstation werden. 2018 und 2019 wurden deutlich mehr als 200 Pässe in seine Richtung geworfen. Mit 16,72 Yards pro Catch zählte Golladay in diesen Jahren zudem zu den größten Big-Play-Receivern der NFL. Nur A.J. Brown (17,43 Yards) und Mike Williams (17,29 Yards) kamen im gleichen Zeitraum auf einen noch höheren Wert.
2020 sollte dann eigentlich das Jahr werden, in dem Golladay endgültig der Schritt in die Riege von Julio Jones, DeAndre Hopkins und Co. gelingen würde. Statt einer Fortsetzung des Aufstiegs setzte es jedoch herbe Rückschläge - zum ersten Mal in Golladays NFL-Karriere.
Der Pro Bowler landete im Training Camp der Lions zunächst auf der Covid-19-Liste und verpasste den Saisonauftakt aufgrund einer Knieverletzung. Nach nur fünf Spielen setzten ihn Hüftprobleme endgültig außer Gefecht. Angesichts der enttäuschenden Saison der Lions wurde auch ein Comeback zum Ende der Spielzeit kein Thema mehr.
Kenny Golladay: Hoch dotierte Vertragsangebote abgelehnt
Trotz seiner enttäuschenden letzten Saison genießt Golladay in der NFL jedoch weiterhin einen exzellenten Ruf. Receiver mit seinem Skillset sind selbst auf dem allerhöchsten Level rar gesät. "Ich denke, es gibt keine Diskussion darüber, dass Kenny bewiesen hat, dass er über die Qualitäten verfügt, um in dieser Liga eine Nummer eins zu sein", lobte ihn auch Brad Holmes, General Manager der Lions.
Trotz der hohen Wertschätzung in Detroit werden sich die Wege von Golladay und den Lions in diesem Frühjahr jedoch trennen. Die Franchise steht am Beginn eines harten Rebuilds und verfügt über kaum finanziellen Spielraum. Vertragsangebote über bis zu 19 Millionen Dollar pro Jahr soll Golladay im vergangenen Jahr abgelehnt haben. Somit wird der 27-Jährige am kommenden Mittwoch erstmals in seiner Karriere Free Agent und kann sich einem neuen Team anschließen - und an Interessenten dürfte es nicht mangeln.
Während die Lions ihren Nummer-eins-Receiver ziehen lassen, hielten die Chicago Bears Allen Robinson und die Tampa Bay Buccaneers Chris Godwin mit dem Franchise Tag. Aus einem hervorragenden Trio unter den Free-Agent-Receivern wurde somit über Nacht eine One-Man-Show. Golladays Markt dürfte das nur weiter anheizen.
Zu Beginn des Training Camps im Spätsommer soll Golladay längst wieder bei 100 Prozent und voll belastbar sein. Für Teams, die darauf hoffen, in der Free Agency einen neuen X-Receiver zu finden, stellt er praktisch die einzige echte Option auf dem Markt dar. Dementsprechend fett dürfte der Vertrag des ehemaligen Lions-Stars letztlich ausfallen.
Doch welche Teams haben im Rennen um Golladay die besten Karten? Wir geben einen Überblick.
Kenny Golladay: Diese Teams könnten ihn holen
Miami Dolphins
Der Miami Herald beschrieb die Dolphins kürzlich als den wohl heißesten Kandidaten im Rennen um Golladay. Tatsächlich hat Miami Verstärkungen in der Offense bitter nötig, der benötigte Cap Space ist zudem vorhanden. Allerdings steht mit DeVante Parker bereits ein sehr ähnlicher Spielertyp unter Vertrag. Zudem muss infrage gestellt werden, inwiefern Golladay, dessen Stärken eher in Contested Catches als im Route-Running liegen, zu Tua Tagovailoa und dessen Vorliebe für weit offene Receiver passt.
New York Giants
Neben den Dolphins nannte der Herald die Giants als wahrscheinlichste Option. Auch New York hat einen jungen Quarterback, der Verstärkungen in der Offense gut gebrauchen könnte. Mit Darius Slayton und Sterling Shepard ist das Receiving Corps der Giants solide, Golladay würde jedoch nochmal ein klares Upgrade darstellen. Allerdings verfügt das Team (noch) nicht über den Cap Space, um ein verlockendes Angebot machen zu können.
Baltimore Ravens
Beim Thema Receiver werden die Ravens in der disjährigen Offseason in praktisch jeder Diskussion erwähnt. In der vergangenen Saison verfügte Baltimore über die vielleicht schlechteste Wide-Receiver-Gruppe. Ein Umstand, der Lamar Jackson merklich zu schaffen machte. Allerdings scheint der Fokus des Teams nach wie vor eher auf dem Lauf- als auf dem Passspiel zu liegen. Mit Yannick Ngakoue und Matt Judon werden zudem zwei Stars des Teams Free Agents. Eine teure Verpflichtung würde mögliche Compensatory Picks für die beiden Pass-Rusher ausradieren - eine Folge, die Baltimore möglichst vermeiden wollen dürfte.
New England Patriots
Die Patriots haben aktuell das schwächste Receiving Corps der Liga und verfügen über eine gehörige Menge an Cap Space. Dass New England mit dem besten Receiver in der Free Agency in Verbindung gebracht wird, ist daher nur folgerichtig. Ob Bill Belichick tatsächlich 20 Millionen Dollar pro Jahr in einen Receiver investieren will, ohne Klarheit auf der Quarterback-Position zu haben, ist allerdings fraglich. Darüber hinaus könnte Golladay einem Widersehen mit Ex-Coach Matt Patricia, der mittlerweile wieder für die Patriots tätig ist, äußerst abgeneigt gegenüberstehen.
Indianapolis Colts
Auch die Colts haben einen klaren Need auf der Receiver-Position und obendrein ordentlich Cap Space zur Verfügung. General Manager Chris Ballard dürfte zudem gewillt sein, Carson Wentz möglichst viel Hilfe an dessen Seite zu stellen. Golladay könnte für Wentz die Nummer eins sein, die Philip Rivers im letzten Jahr nicht hatte. Allerdings braucht Indy eigentlich auch Verstärkungen im Pass-Rush sowie auf Left Tackle.
Kenny Golladay: Seine Statistiken in der NFL
Jahr | Spiele | Tgt | Rec | Yds | TD |
2017 | 11 | 48 | 28 | 477 | 3 |
2018 | 15 | 119 | 70 | 1063 | 5 |
2019 | 16 | 116 | 65 | 1190 | 11 |
2020 | 5 | 32 | 20 | 338 | 2 |
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