BBL: Bayern-Coach Andrea Trinchieri im Interview: "Vielleicht wäre ich Serienmörder"

Begüm Ünal
02. Oktober 202015:23
Andrea Trinchieri ist seit diesem Sommer Head Coach des FC Bayern.imago images / Oryk HAIST
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Andrea Trinchieri ist nach knapp drei Jahren wieder zurück in der BBL. Der charismatische Ex-Coach von Brose Bamberg will nun mit dem FC Bayern Basketball Erfolge feiern. Im Interview mit DAZN und SPOX sprach der 52-Jährige über seine Philosophie, seine Motivation und sein Verhältnis mit den Schiedsrichtern.

Außerdem erklärt Trinchieri, was sich über die Jahre in seiner Trainingsarbeit geändert hat, wie er Spieler wie Brad Wanamaker zu NBA-Spielern machte und wie er auch noch die junge Generation erreicht.

Das Interview gibt es bereits in englischer Sprache auf TrendBasket zu lesen. Die Bayern starten am Freitag, um 20.30 Uhr gegen Armani Mailand in die EuroLeague.

Herr Trinchieri, nach einigen Jahren Pause dürfen wir Sie wieder in Deutschland begrüßen. Deswegen die Frage: Wie fühlt es sich an, zurück zu sein? Was haben Sie meisten vermisst?

Andrea Trinchieri: Deutschland ist ein sehr spezielles Land. Es ist ein Land mit großer Disziplin und einer guten Organisation. All dies sind Dinge, die einem Coach gefallen, schließlich ist es für jeden Trainer ein Traum, in einem geordneten Umfeld zu arbeiten. Ich möchte aber nicht darüber reden, was ich vermisst habe. Ich möchte nicht den Fehler machen, zu denken, dass ich nach Deutschland zurückkehre. Es ist, als wäre ich zum ersten Mal hier, ich möchte es genießen, ich möchte nicht zu viel zurückblicken. Mein Job ist sehr kurzlebig, alles verändert sich schnell. Ich kenne das Land. München war schon immer eine phänomenale Stadt; es ist ähnlich wie in Mailand. Ich komme aus Mailand und fühle mich wie zu Hause. Jeden Tag nähere ich mich dieser neuen Erfahrung, als wäre sie völlig neu. Und ich mag es nicht, zu viele Erinnerungen mitzubringen, weil sich die Dinge verändert haben: Ich bin jetzt anders, Deutschland ist etwas anders, Basketball in Deutschland ist anders.

Der entthronte deutsche Basketballmeister Bayern München hat Andrea Trinchieri als neuen Cheftrainer verpflichtet.imago images / Aleksandar Djorovic

Andrea Trinchieri: "Partizan war eine riskante Wahl meinerseits"

Nach Ihrer Entlassung bei Brose Bamberg im Februar 2018 trainierten Sie gut eineinhalb Jahre Partizan Belgrad. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen, auch mit dem Hintergrund, dass sie kroatische bzw. slawische Wurzeln haben?

Trinchieri: Es war eine der wichtigsten Erfahrungen meiner Karriere als Spieler oder Trainer. Es war eine riskante Wahl meinerseits, aber auch die erfolgreichste, die ich je getroffen habe. Es war eine grandiose Erfahrung. Als ich ankam, befand sich das Team in einer schwierigen Situation. Mit viel Arbeit und der Hilfe der Fans mit ihrer bedingungslosen Liebe zum Team haben wir geliefert. Jetzt ist es ein ernstzunehmender Verein mit starken Spielern, die in den vergangenen eineinhalb Jahren, in denen wir zusammen waren, sich enorm verbessert haben. Partizan bekam für Spieler wie Marinkovic oder Jock Landale gutes Geld. Dazu haben wir drei Titel gewonnen und waren bereit für viel mehr.

Warum war es für Sie eine riskante Wahl?

Trinchieri: Es ist eine sehr schwierige Aufgabe, aber gleichzeitig auch eine Ehre, Trainer von Partizan zu sein. Es ist, als wäre man Trainer einer der ganz Großen wie Real Madrid oder Bayern im Fußball. Ich habe Spiele mit 20.000 Zuschauern gecoacht. Es war wunderschön, es war unvergesslich und es hat mich sehr verbessert. Als ich mich entschied, zu Partizan zu gehen, sagten mir alle: "Aber du bist verrückt" oder "Du bist betrunken". Ich wusste, dass es ein großes Risiko war, aber ich wollte etwas anderes kennenlernen. Es war eine unvergessliche und schöne Zeit.

Warum haben Sie sich dann doch für einen Wechsel zum FC Bayern entschieden? War es die Stabilität der BBL oder der gute Ruf der Münchner?

Trinchieri: Sie stellen diese Frage, als ob das alles zusammenhängen würde. Zunächst einmal habe ich beschlossen, dass ich aus verschiedenen Gründen nicht bleiben wollte. Nach mehr als 25 Jahren in dieser Branche glaube ich, dass ich das Recht habe zu wählen, mit wem ich arbeiten möchte. Und dann, als ich mich entschied, ein Buch zu schließen, wollte ich ein anderes öffnen. Und erst dann kam Bayern. Es hängt nicht zusammen, das waren zwei verschiedene Dinge.

2014 sagten Sie noch im SPOX-Interview, dass die BBL nach der spanischen ACB die vielversprechendste nationale Liga in Europa ist. Wie stehen Sie nun zu dieser Aussage?

Trinchieri: Die BBL bleibt eine der am besten organisierten Ligen mit den besten Standards in Bezug auf Arenas, Publikum und Entertainment in Europa. Ein bisschen fehlt aber noch. Ich hoffe, dass auch ich dazu beitragen kann, dass die Lücke noch kleiner wird. Deutschland ist meiner Meinung nach aber weiter eine Fußball-Nation. Das wird sich nie ändern. Wenn wir jedoch in der Lage sind, attraktiven Basketball anzubieten, können wir die Fans unterhalten. Wir können ein besseres Produkt verkaufen. Aber wir können auf Publikumsebene erfolgreicher sein. In Deutschland fehlt noch das gewisse Etwas, um mehr leidenschaftliche Fans zu erreichen.

Was sind Ihre Ziele mit den Bayern in dieser Saison?

Trinchieri: Ich will ein Team haben, bei dem ein Zuschauer in die Halle kommt und beim Blick auf die Anzeigetafel feststellt, dass wir alles gegeben haben. Ich möchte ein engagiertes Team, das mit großer Leidenschaft spielt. Aber ich möchte auch sehr aggressiven Teambasketball sehen, etwas, das die Fans begeistern kann. Ich kann nicht garantieren, dass wir alles gewinnen werden, aber ich kann versprechen, dass wir alles tun werden, um die beste Version von uns selbst zu sein.

Die meisten Ihrer Spieler machten unter Ihrer Führung deutliche Fortschritte wie zum Beispiel Brad Wanamaker, Nicolo Melli oder Darius Miller in Bamberg. Wie schwer ist es, den Spagat zwischen Entwicklung der Spieler und gleichzeitigem Teamerfolg zu schaffen?

Trinchieri: Das ist sehr schwierig, aber dafür bezahlen sie mich.

Wie gehen Sie so etwas an? Setzen Sie den Spielern vor der Saison Ziele und versuchen dann anhand des Potenzials Ihre Spielphilosophie zu entwickeln?

Trinchieri: Ich habe eine allgemeine Spiel-Idee, dann nutze ich die ersten zwei Monate, um das tatsächliche Niveau der Spieler zu erkunden. Wenn du Scouting betreibst, hast du eine Idee, um was für einen Spieler es sich handelt. Die Wahrheit erfährst du aber erst, wenn du tagtäglich mit ihm in der Halle bist. Davor kann man sein Niveau nur vermuten. Die Spieler können individuell "gut" sein, aber sie müssen in das System passen und auch die Kultur und Werte der Organisation respektieren. Von hier an versuche ich zu verstehen, wie mein Team spielen muss. Ich erarbeite mit meinen Assistenten Pläne für einige Spieler, die sich entwickeln müssen. Jeden Tag ein bisschen Salz hier, ein bisschen Pfeffer da. So verstehe ich, wie sie ticken und wie sie sich verhalten.

Andrea Trinchieri: "Das Smartphone ersetzt nicht den Kopf"

Wanamaker und Melli spielten anschließend für Fenerbahce, bevor es in die NBA ging. Dort waren sich alle einig, dass Sie die beiden auf NBA-Level gebracht haben.

Trinchieri: Meiner Meinung nach haben sie das selbst geschafft. Ich habe sie nur begleitet. Sagen wir es so: Meine Aufgabe ist es, das System und die Art und Weise zu bestimmen, wie sie spielen sollen und wie es für sie am besten ist. Dadurch sind sie mit ihren Aufgaben gewachsen und wir haben Spiele gewonnen.

Sie haben inzwischen viele verschiedene Generationen gecoacht und trainieren seit Ende der Neunziger auf dem höchsten Level. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen den verschiedenen Generationen?

Trinchieri: Als mein Vater oder meine Mutter mir etwas Wichtiges sagten, konzentrierte ich mich nicht darauf, wie sie es mir sagten. Ob sie es gut meinten oder nicht, wenn sie etwas sagten, war es, als hätte Gott seinen Mund geöffnet. Es war so. Wenn Sie nun mit einem 17-, 18- oder sogar 20-Jährigen sprechen, ist es viel wichtiger, WIE Sie Dinge sagen, als was Sie sagen. Wenn Sie ihn nicht dazu bringen können, Ihnen zuzuhören - selbst, wenn Sie das Richtige sagen -, hört er Ihnen nicht zu. Ich bin anders aufgewachsen: Wenn ein Erwachsener sprach, der meinen Respekt verdient hatte, zweifelte ich nie daran. Jetzt müssen Sie einen Weg finden, sich Gehör zu verschaffen. Und Sie müssen lernen, viele verschiedene Sprachen zu sprechen: Das ist nicht Deutsch, Türkisch oder Serbisch, sondern die Sprache, die diese Person hören möchte.

Wie erreichen Sie dann diese jungen Spieler, die nicht die Wahrheit hören wollen?

Trinchieri: Ich denke, das Wichtigste bei jungen Menschen ist heutzutage, dass man ihnen klar macht, dass man sich um sie kümmert. Die Situation ist sehr kompliziert, weil wir in einer Welt leben, die alles bereit hält. Das Smartphone gibt ihnen Zugang zur ganzen Welt: Sie können eine Pizza bestellen, ein Auto kaufen oder eine Reise buchen. Sie können einer Person sagen "Ich liebe dich", sie können einer Person sagen "Ich hasse dich". Sie haben alles hier. Aber das Smartphone ersetzt nicht den Kopf. Es ist kompliziert, das den Leuten zu erklären, die in dieser neuen Welt leben. Ich gebe dafür auch niemandem die Schuld. Man muss aber viel Energie aufwenden, um Wege zu finden, damit man mit dieser Person interagieren kann.

Andrea Trinchieri coachte in Bamberg unter anderem den heutigen NBA-Profi Brad Wanamaker.imago images / Eibner

Andrea Trinchieri: "Wäre enttäuscht, wenn meine Mannschaft nicht gut verteidigt"

Mit Partizan stellten Sie in der vergangenen Saison eines der besten Defensivteams im EuroCup. Glauben Sie, dass Sie mit den Bayern das nun in der EuroLeague ebenfalls schaffen können?

Trinchieri: Jedes Team ist anders. Ich glaube, dass für eine Mannschaft wie Bayern die Verteidigung von grundlegender Bedeutung ist und sein wird. In der Offensive muss man sich ein wenig am Talent der Spieler orientieren und die Spieler kann ich mir nicht aussuchen. In der Verteidigung geht es darum, ob du bereit bist, Opfer für das Team zu bringen. Wir werden bei Bayern etwas anders als bei Partizan verteidigen, aber ich hoffe, es wird genauso effektiv sein. Partizans [Verteidigung] war außergewöhnlich. Das lag auch daran, dass wir viele verschiedene Komponenten hatten. Ich wäre aber sehr enttäuscht, wenn meine Mannschaft nicht gut oder sehr gut verteidigen würde. Sehr enttäuscht.

Was motiviert Sie nach all diesen Jahren?

Trinchieri: Zunächst einmal weiß ich, dass ich ein glücklicher Mensch bin, der einen tollen Job hat, in dem ich meine Kreativität ausleben kann. Für mich ist es der beste Job der Welt. Die Amerikaner würden sagen, dass ich gesegnet bin. Ich fühle mich auch so. Das sollte ausreichen, um motiviert zu sein, jeden Tag der Beste zu sein, das Beste von dem, was Sie geben können. Wenn dies nicht genug wäre, hätte ich eine sehr starke persönliche Motivation: Ich möchte nicht das Ende meiner Karriere erreichen, ohne alles versucht zu haben, um die beste Version von mir selbst zu werden. Dies bedeutet, in den Spiegel zu schauen, die Auswirkungen zu sehen, sich zu verbessern und hungrig zu sein. Hungrig bleiben. Ich sage immer, dass wir sehr glücklich sind, die Arbeit zu machen, die wir machen.

Wie motivieren Sie die Spieler, vor allem in dieser unsicheren Zeit?

Trinchieri: Hinter jedem Erfolg eines Trainers oder eines Spielers steht immer eine große Ungerechtigkeit. Eine Ungerechtigkeit sich selbst gegenüber, denn um an die Spitze zu kommen, haben die Spieler Familie, Freunde und Freizeit geopfert. Wir haben also großes Glück, aber wir haben auch viel geopfert. Ohne Opfer kann es keinen Erfolg geben. Wir müssen uns aber auch daran erinnern, dass es diese Opfer gibt. Meine Spieler zu motivieren ist in den unsicheren Zeiten der Corona-Pandemie nicht immer einfach. Wir wissen nicht, was morgen passieren wird: Können wir reisen? Können wir spielen? Sind Fans erlaubt? Deshalb versuche ich sehr einfach und unkompliziert zu sein: Wenn Du ein Talent hast, verschwendest Du es nicht. Du versuchst zu arbeiten, um so gut wie möglich zu spielen und das Maximum aus Dir herauszuholen.

Beobachten Sie auch die mentalen Auswirkungen der Pandemie auf die Spieler?

Trinchieri: Absolut ja. Ich sehe auch, dass es einige abstreiten. Diejenigen, die die Tatsache leugnen, dass sie besorgt sind, sind es aber erst recht und hoffen, dass es nur ein böser Traum ist. Die Spieler sind keine Außerirdischen. Sie sind an erster Stelle Menschen und dann Basketballspieler. Und die Menschen haben Ängste, Sorgen, Glück, sie weinen, ... alles.

Sie sind ein leidenschaftlicher Trainer und spielen gerne vor leidenschaftlichen Fans. In dieser Saison wird es jedoch keine bzw. nur wenige Fans in den Arenen geben. Glauben Sie, dass sich diese Situation auf die Stärke der Teams auswirken wird?

Trinchieri: Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Die NBA hat sich für eine "Bubble" entschieden. Als es anfing, sagten alle: "Es ist nicht dasselbe. Ohne Fans zu spielen, ist nicht gut, das ist Mist". Und sie haben alle Recht. Aber jetzt, in den Playoffs, ist jedes Spiel besser geworden als das vorherige. Sie müssen wissen, dass sich das Leben verändert hat. COVID-19 hat die Existenz von Milliarden von Menschen verändert. Also spiele ich lieber ohne die Fans als überhaupt nicht. Wenn Sie mich aber fragen, was ich mir wünsche, dann möchte ich in jedem Spiel 20.000 Fans haben. Kann ich die haben? Nein. Nun aber zu sagen, dass man dann lieber gar nicht spielen sollte, ist Kapitulation. Meiner Meinung nach ist es schon gut, wenn wir versuchen, von vorne zu beginnen. Die Fans werden uns im Fernsehen sehen und dann werden wir langsam zur Normalität zurückkehren. Die Menschheit hat solche Momente schon einmal erlebt.

Andrea Trinchieri: "Kann es nicht ertragen, wenn ein Spieler zuerst an sich selbst denkt"

Ohne Fans werden wir Sie sicher häufiger über die Mikrofone hören. Sie sind bekannt für Ihre emotionalen Ausbrüche während eines Spiels. Welche Situationen bringen sie besonders auf die Palme?

Trinchieri: Ich kann Konzentrationsfehler nicht ertragen. Ich bin in diesen Momenten nicht immer so kontrolliert wie ich sein sollte, aber ich arbeite daran. Ich kann es auch nicht ertragen, wenn ein Spieler zuerst an sich selbst denkt, nicht an die Mannschaft. Diese beiden Dinge lassen mich austicken.

Wer war Ihre Inspiration, Ihr Vorbild, bevor Sie sich selbst einen Namen gemacht haben?

Trinchieri: Da gibt es viele. Um Ihnen einen zu nennen: Zeljko Obradovic. Er war definitiv die Nummer eins, aber man kann von jedem Coach etwas lernen. Es gibt so viele gute Trainer. Nur einen zu nennen, ist eine Untertreibung. Zum Beispiel mag ich Pep Guardiola sehr. Er ist kein Basketballtrainer, aber ich betrachte mich sehr ähnlich: Wir sprechen über verschiedene Ebenen, auch er achtet auf bestimmte Dinge.

Sie schauen also auch Fußball?

Trinchieri: Natürlich! Ich schaue alle Sportarten.

Können Sie Ihren Coaching-Stil mit eigenen Worten beschreiben?

Trinchieri: Anspruchsvoll, kreativ, anpassungsfähig. Das sind die Vorzüge. Und der Fehler, der mich am meisten stört, ist das Verlieren: Ich ärgere mich mehr über Niederlagen, als dass ich mich über Siege freuen kann. Daran muss ich arbeiten, weil ich Basketball sehr mag. Es ist ein wunderschönes Spiel, ich denke gerne über Basketball nach.

Und wenn Sie kein Basketball-Trainer wären? Was würden Sie dann machen?

Trinchieri: Vielleicht wäre ich ein Serienmörder? Alle Coaches sind schließlich ein wenig verrückt. Spaß beiseite, ich wäre natürlich kein Mörder. Ich würde vermutlich in der Personalbeschaffung tätig sein.

Andrea Trinchieri: Coaches "sollten mehr mit den Schiedsrichtern reden"

Zwischen 2013 und 2014 haben Sie mit Griechenland auch mal eine Nationalmannschaft betreut. Würden Sie das noch einmal in Betracht ziehen? Wie war die Erfahrung?

Trinchieri: Ich weiß es nicht. Es kommt auf die Gelegenheit an. Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Ich habe viel gelernt. Es war kurz, aber sehr intensiv.

Trainer einer Nationalmannschaft zu sein ist anders, oder?

Trinchieri: Es ist ein anderer Sport. In der Nationalmannschaft bist du ein Manager, im Verein bist du ein Trainer.

Während des Lockdowns waren Sie Redner bei einem Schiedsrichter-Seminar. Sind Sie der Meinung, dass Coaches und Schiedsrichter genug miteinander kommunizieren oder besteht in dieser Hinsicht Nachholbedarf?

Trinchieri: Wir sollten definitiv mehr miteinander reden. Ich denke, es wäre sehr schön, eine tiefere Kommunikationsebene zu haben, denn jedes Mal, wenn ich mit den Schiedsrichtern spreche, verstehe ich mehr über ihre Arbeit.

Inwieweit ist es wichtig, die Kommunikation zwischen Trainern und Schiedsrichtern zu verbessern, um die Qualität des Spiels zu verbessern?

Trinchieri: Ich weiß nur, dass gute Dinge geschehen, wenn es eine fruchtbare Kommunikation gibt. Wir sollten proaktiver sein. Wir sollten uns gegenseitig austauschen, Perspektiven erklären. So lernt man etwas. Es ist für die Referees leichter, wenn wir ihnen unsere Sichtweise erklären. Auf der anderen Seite können wir unsere Spieler besser darauf vorbereiten, worauf die Schiedsrichter besonders achten werden.

Als Sie noch Coach in Bamberg waren, hatten Sie keine besonders positive Meinung über die Bayern.

Trinchieri: Woher kennen Sie meine Meinung?

Ich habe in einem Ihrer Interviews gelesen, dass Sie damals die Bayern als "Aliens" bezeichnet haben. Wie hat sich Ihre Meinungen im Laufe der Jahre verändert und was hat Sie dazu gebracht, ausgerechnet in München zu unterschreiben?

Andrea Trinchieri hatte es mit den Referees in der BBL nicht immer leicht.imago images / Zink

Andrea Trinchieri: "Möchte, dass die BBL die beste Liga in Europa ist"

Trinchieri: Finden Sie das negativ?

Nein, aber auch nicht sehr schmeichelhaft ...

Trinchieri: Vergessen Sie nicht, dass ich Italiener bin. Ich spiele gerne mit Worten. Was manchmal nicht verstanden wird, ist, dass wir ein Produkt verkaufen. Bayern gegen Bamberg war drei Jahre lang das wichtigste Spiel der BBL. Ich möchte, dass die BBL die beste Liga in Europa ist. Wenn ich also mit einigen Inhalten dazu beitrage, heißt das nicht, dass ich schlecht über ein anderes Team denke. Ich erfinde eine Geschichte, über die Sie später schreiben können. Wenn ich Ihnen sage: 'Es wird ein schwieriges Spiel, sie sind sehr gut. Der Bessere wird gewinnen' Was schreiben Sie dann?

Nichts.

Trinchieri: Nichts. Wenn Ihnen aber die Geschichte erzählt wird, dass "sie Außerirdische sind", schreiben Sie etwas.

Sie hatten erfolgreiche Jahre in Bamberg mit Daniele Baiesi als Sportdirektor. Nach einem Streit mit Ihnen verließ er jedoch Bamberg. Nun treffen sie in München wieder aufeinander und müssen zusammenarbeiten. Sind die Wogen geglättet?

Trinchieri: Müssen wir oder wollen wir? Ich denke, dass weder Daniele noch ich mit irgendjemandem arbeiten "müssen". Wir entscheiden uns dazu. Eines der Probleme bei diesem Job ist natürlich, dass er viel Druck und Stress mit sich bringt. Die Zeit ist ein Multiplikator von Druck und Stress. Ich möchte mit ihm arbeiten und ich glaube, dass Daniele Ihnen auch die gleiche Antwort geben würde. Wir haben einen großen Vorteil: Wir kennen uns sehr gut. Ich weiß, wie er arbeitet, er weiß, wie ich arbeite. Das ist ein Vorteil.