"Ich liebe Detlef Schrempf"

Marc-Oliver Robbers
15. April 201414:19
Robert Horry gewann mit den Houston Rockets, L.A. Lakers und San Antonio Spurs sieben Titelgetty
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Am 8. Oktober spielen die San Antonio Spurs im Rahmen der Global Games 2014 gegen Alba Berlin. Ex-Spurs-Spieler und NBA-Legende Robert Horry stattete der Hauptstadt vorab schon einmal einen Besuch ab. Im Interview mit SPOX spricht der siebenfache Champion über packende Duelle mit Detlef Schrempf, das Erfolgsrezept von Spurs-Coach Gregg Popovich und sieht Parallelen zwischen Tony Parker und Dennis Schröder.

SPOX: Herr Horry, Sie sind ein Veteran, was Global Games betrifft. Sie haben in Mexico City, Yokohama, London und Paris gespielt. Was ist so besonders daran, für die NBA in einem anderen Land zu spielen?

Robert Horry: Das ist eigentlich ganz einfach. Man repräsentiert die NBA und es gibt einfach so viele Fans in anderen Ländern und denen möchte man etwas zurückgeben. Diese Fans hier sind so fantastisch, mit unseren Auftritten sagen wir "Danke schön" für ihre Unterstützung.

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SPOX: Haben Sie eine Lieblingsstadt?

Horry: Das ist so eine Sache. Eine Lieblingsstadt zu benennen ist, wie sich auf ein Lieblingsteam festzulegen. Das geht nicht. Jede Stadt hat ein anderes Flair und eine andere Kultur. Ich genieße das einfach. In jeder Stadt gibt es so viele Dinge, die man sich anschauen kann.

SPOX: Lassen Sie uns über die Spurs reden. Sie haben spät in Ihrer Karriere unter Coach Gregg Popovich gespielt. Können Sie uns sein Erfolgsgeheimnis verraten? Warum ist er so erfolgreich?

Horry: Er hat eine große Gruppe an Veteranen um sich, die immer noch richtig gut spielen. Dazu hat er einen großen Einfluss auf die ganzen jungen Spieler. Sie hängen geradezu an seinen Lippen und folgen ihm überall hin. Das liegt auch daran, dass er ein Händchen dafür hat, die richtigen Spieler zu verpflichten. Die Jungs passen charakterlich und das braucht man, um erfolgreich zu sein.

SPOX: Er wirkt immer ein bisschen knochig in den Interviews. Ist er wirklich so ein mürrischer Typ?

Horry (lacht): Jeder Trainer oder jeder Spieler hat etwas, dass er gar nicht gerne mag. Und bei Pop sind es die Interviews. Die ganze Franchise ist immer bemüht, zurückhaltend zu agieren. Popovich lebt das vor. Er legt keinen Wert darauf, im Fokus zu stehen.

SPOX: Was macht ihn so besonders?

Horry: Etwas, das Pop perfekt beherrscht, ist die Dinge zu trennen. Wenn man mal ein richtig mieses Spiel hingelegt hat, dann war es für Popovich trotz aller Emotionen mit dem Spielende abgehakt. Andere Trainer haben dir tagelang die Hölle heißgemacht. Er hat dich weiterhin unterstützt. Das stärkt natürlich die Moral im Team. Er behandelt alle Spieler gleich. Egal ob Tim Duncan oder die Nummer 15 im Roster, die fast nie spielt.

SPOX: Sie haben unter Rudy Tomjanovich, Phil Jackson und Gregg Popovich gespielt. Das sind doch eigentlich die besten Voraussetzungen, selbst Coach zu werden. Haben Sie das nie verfolgt?

Horry: Doch, ich habe schon darüber nachgedacht. Das Ding ist, die Spieler müssen auch das umsetzen, was du ihnen vermitteln willst. Das klappt nicht immer. Wir hatten 98/99 bei den Lakers fünf All-Stars im Team und wurden von den Spurs gesweept. Was ich sagen will, ein Coach muss auch ein Leader sein. Die Spieler müssen ihm bis ans andere Ende der Welt folgen. Die Spieler haben dies bei den dreien gemacht.

SPOX: 1994 wären Sie fast in Detroit gelandet. Die Nierenprobleme von Sean Elliott verhinderten schließlich den Trade. Sie sagten mal, das hätte Ihre Karriere gerettet. Können Sie das erklären?

Horry: Ich weiß nicht, ob ich das so gesagt habe, aber es hat mir die Augen geöffnet und mir gezeigt, wieviel Glück ich hatte. Ich war neu in der Liga und bin gleich in so einem tollen Team gelandet. Wir hatten in Houston einige außergewöhnliche Veteranen in der Mannschaft mit Otis Thorpe, Vernon Maxwell, Kenny Smith, Hakeem Olajuwon. Sie haben mich gelehrt, ganz auf mein Spiel zu vertrauen. Ich habe viel zu viel darüber nachgedacht, mit wem und wo ich hier eigentlich spiele. Das hat mein Spiel anfangs zerstört. Sie haben mich auf den richtigen Weg gebracht und mir das Vertrauen gegeben, dass das Team von meinem Spiel profitiert. Das wäre anderswo vielleicht nicht so gewesen.

SPOX: Später wurden Sie dann doch getradet. Erst nach Phoenix und dann wenig später zu den Lakers. Was macht diese Franchise so besonders?

Horry: Wenn man bei den Lakers spielt, ist die Geschichte allgegenwärtig. Dort laufen so viele Hall of Famer und großartige Spieler herum. Diese Franchise ist einfach riesig mit ihren ganzen Erfolgen und den Fans. Das spornt auch die Gegner an. Jeder will die Lakers schlagen, jeder will die Knicks schlagen und jeder will die Celtics schlagen. Das macht es für dich noch schwerer.

SPOX: Sie spielten dort zusammen mit Kobe Bryant und Shaquille O'Neal. Die beiden gehören zu den besten Spielern aller Zeiten, waren aber nicht gerade die besten Freunde. Wie konnte das funktionieren?

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Horry: Man muss nicht beste Freunde sein, um erfolgreich Basketball zu spielen. Man muss nur auf dem Court gut zusammenpassen. Sie waren abseits des Platzes vielleicht nicht dicke, aber sie waren beide fokussiert und haben hart für den Erfolg gearbeitet. Sie hatten beide das gleiche Ziel: Die Larry O'Brien Trophy zu gewinnen. Das war wichtiger, als befreundet zu sein.

SPOX: Kobe sagte kürzlich, dass ihn "die Faulheit von Shaq verrückt gemacht hat". Würden Sie dem zustimmen?

Horry: Das ist die Meinung von Kobe. Ich will das nicht wirklich kommentieren, aber keiner weiß, wie der andere im Sommer gearbeitet hat. Ich habe auch mit niemanden darüber gesprochen, wie hart ich im Sommer gearbeitet habe. Jeder hat das gemacht, was er für richtig hielt. Natürlich wird immer viel darüber geredet, wie hart Kobe arbeitet, aber das muss jeder für sich entscheiden. Ich denke, er kann trotzdem gut damit leben, wie es gelaufen ist.

SPOX: Die Lakers stehen vor einem Neuaufbau. Wie lange brauchen sie, um wieder ein Spitzenteam zu sein?

Horry: Das ist wirklich eine gute Frage. Die Free Agency wird sehr wichtig. GM Mitch Kupchak muss die passenden Puzzleteile finden. Dazu kommt natürlich noch die Frage, was macht man mit Steve Nash? Was macht man mit Kobe Bryant? Beide sind im gehobenen Alter und haben im Grunde die komplette Saison verpasst. Es wird sehr darauf ankommen, wie man beide ins neue Team integrieren kann.

SPOX: Sie waren einer der clutchesten Spieler in der Liga-Geschichte. Haben Sie eigentlich einen Lieblingswurf?

Horry: Eigentlich nicht. Da waren ja schon einige dabei. Viele sagen ja, dass mein Wurf gegen Sacramento der beste war. Ich würde eher sagen, dass es die Performance gegen Detroit 2005 war. Basketball bedeutet mir so viel und ich bin einfach nur froh, dass ich auf diesem hohen Niveau spielen durfte.

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SPOX: Sie waren eine Stretch-4, lange bevor der Begriff in der NBA überhaupt aufkam. Wie kam es dazu, dass Sie trotz Ihrer Größe so ein guter Werfer wurden?

Horry: Es hat alles auf dem Freiplatz angefangen. Ich war ein dünner, langer Typ, der auf dem Platz immer von allen rumgeschubst gewurde. Daher habe ich einfach angefangen, von außen zu werfen. Mein Highschool-Coach hat mir eingetrichert, ein kompletter Spieler zu werden. Er sagt mir: "Schieß von draußen, triff in der Zone, spiel Defense und geh ins Dribbling." Das hat mich damals von den anderen Jungs abgehoben. Viele kennen nur eins: Werfen und passen. Das ist auch das, was ich an europäischen Spielern mag. Sie sind richtige, komplette Basketballspieler.

SPOX: Das Spiel hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Es wird viel Small Ball gespielt. Glauben Sie, dass ist nur eine Modeerscheinung oder ein langfristiger Trend?

Horry: Das muss man sehen. Als ich in die Liga kam, ging es darum, die großen Monster unter dem Korb zu besiegen. Heute ist es natürlich etwas anders, aber letztlich hängt es auch davon ab, was ein Trainer sehen will. Aber es stimmt schon, es gibt viele athletische Jungs in der Liga. Man muss sich nur Kevin Durant anschauen. Der Kerl ist 2,06 Meter und kann vier Position spielen. Das ist Wahnsinn.

SPOX: Sie können natürlich nicht nach Deutschland kommen, ohne über die deutschen Spieler zu reden. Dirk Nowitzki ist jetzt 10. der All-Time Scoring List. Sie haben mehrmals gegen ihn gespielt. Ist sein Iconic Shot eigentlich wirklich nicht zu verteidigen?

Horry: Erst mal muss ich sagen, dass er ihn von "The Dream" gestohlen hat. Olajuwon war der erste, der den Wurf gebracht hat. Ich muss zugeben, dass Dirk nicht mein Lieblingsspieler aus Deutschland ist. Detlef Schrempf war mein Lieblingsspieler. Wir hatten einige unfassbare Duelle, als er bei den Seattle SuperSonics war. Es ist verrückt, aber aus den Duellen mit Detlef konnte man so viel lernen. Ich habe mir so viel bei ihm geklaut. Er war der erste deutsche Spieler, den ich kannte, der gut war. Dirk ist ein starker Spieler, mit einem überragenden Skillset. Aber ich bin immer Old School und ich liebe Detlef Schrempf.

SPOX: Und was mit Hawks-Rookie Dennis Schröder? Er kam mit großem Hype in die Liga und hatte dann Anpassungsprobleme. Wie schätzen Sie ihn ein?

Horry: Schauen wir doch einfach mal zurück. Dirk hatte auch Probleme in seiner ersten Saison. Die Umstellung ist nun mal gewaltig. Neues Land, neue Sprache und man weiß nicht so recht, was von einem erwartet wird. Das ist nicht leicht. Man darf nicht vergessen, Schröder ist immer noch ein Teenager. Ich hoffe er bleibt geduldig, denn er hat das Talent. Also nicht den Kopf hängen lassen. Das erste Jahr ist immer ein Lehrjahr. Das war bei jedem von uns so.

SPOX: Sie kennen seinen Coach aus den Spurs-Zeiten. Ist Mike Budenholzer der richtige Trainer aufgrund der ganzen Erfahrung mit den ausländischen Spielern in San Antonio?

Horry: Ja, das glaube ich schon. Er wird geduldiger mit ihm sein, weil er das alles schon von Tony Parker kennt. Tony hatte anfangs auch Höhen und Tiefen. Es ist sicher auch eine gute Sache, dass beide Guards sind. Budenholzer hat die Erfahrung und weiß, wie er das bei Tony gemacht hat.

SPOX: Kommen wir zu den Playoffs? Wer erreicht das Finale und warum?

Horry: Ich bin echt gespannt, was mit den Pacers passiert. Sie sind gerade in einem echt üblen Loch, aber eigentlich bringen sie alles mit. Sie haben eine großartige Defense und eine super Starting Five. Wenn sie sich wieder berappeln, stellen sie für alle ein Problem dar. Ich sehe Indiana mit den Heat in den Conference Finals im Osten. Im Westen sehe ich OKC und die Spurs vorne. Wenn ich ein Teams aus diesen vier wählen müsste, würde ich auf die Thunder setzen.

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SPOX: Was ist mit den Rockets?

Horry: Die Rockets sind gut, aber ihre Bank ist nicht so tief, wie die der anderen vier Teams. Und man braucht einfach eine starke Bank, um in den Playoffs weit zu kommen.

SPOX: Und wer macht das MVP-Rennen?

Horry: Kevin Durant. Er ist herausragend in dieser Saison. Er hat so viele Dinge in diesem Jahr erreicht, die an Michael Jordan erinnern, wie zum Beispiel die 25-Punkte-Serie. Er ist einfach nur überragend. Deswegen sehe ich ihn vorne. Und wenn selbst LeBron das sagt, dann wird es auch so kommen.

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