Hannover 96 konnte in der letzten Saison nur knapp dem Abstieg entrinnen und steht nun vor der ersten kompletten Vorbereitung unter Trainer Michael Frontzeck. Mit Lars Stindl und Joselu haben zwei Leistungsträger den Verein verlassen, doch nicht nur das dürfte den Verantwortlichen in der derzeitigen Kader-Situation sauer aufstoßen. Welche Auswirkungen haben die Transfers? Und wo besteht jetzt noch Handlungsbedarf? SPOX macht den Check.
Tor
Das Personal: Ron-Robert Zieler, Timo Königsmann
Abgänge: Robert Almer (SK Austria Wien), Markus Miller (Karriereende)
Zugänge: Philipp Tschauner (FC. St. Pauli), Samuel Radlinger (1. FC Nürnberg, Leihende)
Offene Positionen: Eventuell eine Nummer drei
Kandidaten: Keine
Wenn es in Hannover in einem Mannschaftsteil keinen Handlungsbedarf gibt, dann gilt das für die Torhüter-Position. Ron-Robert Zieler ist nach wie vor die unumstrittene Nummer eins und daran wird auch die nächste Saison nichts ändern.
Zwar wurde eine Zeit lang über einen Abgang des Nationalspielers spekuliert, doch war schon früh klar, dass Zieler Hannover selbst bei einem Abstieg treu geblieben wäre: "Wenn wir die Klasse halten, bleibt er", bestätigte Vereins-Primus Martin Kind noch im Mai gegenüber Bild.
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Auch hinter Zieler ist Hannover sehr gut aufgestellt. Nachdem Robert Almer Richtung Wien abgewandert ist und Markus Miller seine Handschuhe an den Nagel gehängt hat, hat 96 mit Philipp Tschauner eine solide neue Nummer zwei in der Hinterhand.
"Mit Philipp Tschauner bekommen wir einen sehr zuverlässigen Torhüter, der seine Qualitäten in den vergangenen Jahren bei seinen bisherigen Klubs regelmäßig nachgewiesen hat", sagte 96-Sportchef Dirk Dufner.
Beim dritten Torhüter gestaltet sich die Sache schwieriger. Aktuell besetzt die Position Timo Königsmann. Der 18-Jährige wurde 2014 von der U17 zu den Profis befördert und spielt auch bei Hannovers zweiter Mannschaft. Eine Alternative ist auch Rückkehrer Samuel Radlinger.
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Seite 2: Abwehr - Backups müssen her
Seite 3: Mittelfeld - Zentraler Overkill vs laterale Magerkost
Seite 4: Sturm - Ein Goalgetter darf es sein
Abwehr
Das Personal: Andre Hoffmann, Marcelo, Christian Schulz, Felipe, Miiko Albornoz, Niklas Teichgräber, Hiroki Sakai
Abgänge: Marius Stankevicius (Ziel unbekannt), Christian Pander (Ziel unbekannt), Joao Pereira (Ziel unbekannt)
Zugänge: Waldemar Anton (Hannover 96 U19), Oliver Sorg (SC Freiburg), Vladimir Rankovic (Erzgebirge Aue, Leihende)
Offene Positionen: Ein Innenverteidiger, ein linker Verteidiger
Kandidaten: Marcel Halstenberg (FC St. Pauli)
Schaut man sich die Zahlen der letzten Saison an, scheint es bei Hannover hinsichtlich der Innenverteidigung nicht viel Diskussionsstoff zu geben: Marcelo war mit 34 Spielen in der Bundesliga eine Bank, Christian Schulz fehlte nur dreimal verletzungsbedingt oder gesperrt. Weder unter Korkut, noch unter Frontzeck gab es auf dieser Position Änderungen.
Der Sommerfahrplan von Hannover 96
Dennoch könnte man nach 29 Gegentoren in der Rückrunde durchaus einen Gedanken daran verschwenden, auch in der defensiven Zentrale aufzurüsten. Mit Felipe, Hoffmann und eventuell Sane stehen zwar Backups zur Verfügung, doch will man den Abstiegskampf nächste Saison vermeiden, müsste noch eine zuverlässige Alternative den Weg nach Niedersachsen finden.
Mit Oliver Sorg und Hiroki Sakai hat man auf der rechten Außenverteidiger-Position nun zwei solide Spieler, die ihre Seiten mit großem Einsatz beackern. Ein heißer Konkurrenzkampf ist garantiert. Der Abgang des enttäuschenden Joao Pereira ist kompensiert. "Ich freue mich auf die neue Saison und hatte bei 96 von Anfang an ein gutes Gefühl", twitterte Sorg nach der Bekanntgabe seines Wechsels vom Bundesliga-Absteiger Freiburg nach Hannover.
Schließt sich eine Baustelle, öffnet sich aber die nächste: Links schaut es bei 96 sehr dünn aus. Miiko Albornoz war und ist eine dezente Lösung, doch muss nach Christian Panders Abgang noch mindestens ein Spieler geholt werden. Edgar Prib kann die Position zwar ausfüllen, wird nach Stindls Abgang allerdings mehr im zentralen Mittelfeld zum Zug kommen. Und Niklas Teichgräber spielt erst seine erste Saison bei den Profis.
Ein Kandidat scheint Marcel Halstenberg zu sein. Der 23-Jährige spielte schon bis 2011 bei Hannover II, wurde dann aber nach Dortmund verkauft, von wo es dann weiter Richtung St. Pauli ging. Manager Dirk Dufner: "Wir haben gefragt, sie haben abgelehnt. Das müssen wir akzeptieren." Scheint gegessen, aber anscheinend ist alles es nur eine Frage des Geldes: Hannover bietet 700.000 Euro, St. Pauli will aber eine Million.
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Mittelfeld
Das Personal: Manuel Schmiedebach, Salif Sane, Ceyhun Gülselam, Leon Andreasen, Edgar Prib, Hiroshi Kiyotake, Tim Dierßen, Sebastian Ernst, Leonardo Bittencourt
Abgänge: Yannik Schulze (Hannover 96 II), Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach)
Zugänge: Maurice Hirsch (Hannover 96 II), Mike-Steven Bähre (Hannover 96 II)
Offene Positionen: Offensive Außenpositionen
Kandidaten: Felix Klaus (SC Freiburg), Sidney Sam (FC Schalke 04), Nicolai Müller (Hamburger SV)
"Der Kader ist zu groß", urteilte Frontzeck zuletzt über das Personal. Besonders in der Zentrale der Hannoveraner findet der Trainer einen wahren Overkill an Alternativen vor. Gleich sieben Spieler können die Plätze im defensiven und offensiven Mittelfeld einnehmen. Auch, wenn mit Stindl bereits ein wichtiger Spieler im Zentrum weg ist, wird der Kader wohl vor allem bei den Sechsern, Achtern und Zehnern dezimiert werden müssen.
Baustelle Nummer zwei im Mittelfeld: Die Außenpositionen sind qualitativ zu dünn besetzt. Nur drei gelernte Flügelspieler in einem 4-2-3-1 müssten den Verantwortlichen bei 96 ein paar Falten auf die Stirn zeichnen. "Wir werden in absehbarer Zeit etwas präsentieren können", sagte Coach Frontzeck zuletzt.
Das mag man auch hoffen. Konvertiert Prib ins Zentrum, bleiben nur noch zwei Außenspieler: Leonardo Bittencourt und Rückkehrer Valmir Sulejmani. Sulejmani ist noch jung, hat es in der Rückrunde bei Union Berlin nur zu 201 Einsatzminuten gebracht und fällt damit nicht ins Raster der potenziellen Stammspieler. Bei ihm wird wohl wieder eine Leihe in Betracht gezogen.
Zwar wurde Albornoz schon häufiger nach vorne gezogen, aber da es links in der Verteidigung immer noch keinen Backup gibt, wird diese Option während der Vorbereitung wohl nicht infrage kommen. Eine weitere Option wäre Hiroshi Kiyotake, dessen Fähigkeiten auf der Zehn dann aber fehlen würden.
Was macht man in so einer Situation? Man bedient sich beim SC Freiburg. Mit Felix Klaus soll man sich schon einig sein. Gehandelt werden auch der von Gelsenkirchen geschasste Sidney Sam und Hamburgs Relegations-Held Nicolai Müller. Ersterer dürfte nur schwer finanzierbar sein, doch bei Müller stehen die Karten nicht schlecht, auch wenn man bei einer Verpflichtung vermutlich Eintracht Frankfurt überbieten müsste.
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Sturm
Das Personal: Artur Sobiech, Kenan Karaman
Abgänge: Jan Schlaudraff (Ziel unbekannt), Joselu (Stoke City), Jimmy Briand (Ziel unbekannt), Didier Ya Konan (Fortuna Düsseldorf)
Zugänge: Valmir Sulejmani (Union Berlin, Leihende), Charlison Benschop (Fortuna Düsseldorf)
Offene Positionen: Ein Mittelstürmer
Kandidaten: -
18 von 40 Toren erzielten Lars Stindl und Joselu in der letzten Saison zusammen - nun sind beide weg. Aber nicht nur der Abgang der beiden Leistungsträger schmerzt. Unter anderem haben auch Jimmy Briand und Didier Ya Konan ihre Koffer gepackt und werden Hannover verlassen.
Zwar hat man mit Charliston Benschop einen vielversprechenden Neuzugang vermelden können, doch das war es auch schon. Artur Sobiech konnte sich letzte Saison aufgrund von Verletzungen vor allem in der Rückrunde nicht empfehlen und erzielte in seinen 19 Bundesliga-Einsätzen nur zwei Tore.
Kenan Karaman könnte noch einen Schritt näher an den Profi-Kader herangeführt werden, doch kann er kaum die einzige Alternative zu Benschop bleiben. Deshalb werden Dufner und Co. wohl noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden.
Wunschobjekt Nummer eins der Niedersachsen ist Nils Petersen. Seine Ablöse, die auf 1,5 bis 2 Millionen Euro geschätzt wird, würde gut ins Budget passen. Außerdem hat Werder Bremen mit Anthony Ujah und Franco Di Santo schon zwei treffsichere Stürmer und ist ebenfalls an einem Transfer interessiert. Doch auch Mainz soll gute Karten beim Ex-Bayer haben.
Auch Karlsruhes Rouwen Hennings steht auf dem Zettel. Da würde sich aber wiederum das gleiche Problem auftun, wie bei Benschop. Mit dem Transferplus durch die Verkäufe von Stindl und vor allem Joselu hat Hannover aber genügend Spielraum, um etwas tiefer in die Trickkiste greifen zu können.
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Hannover 96 in der Übersicht