Für Deutschland geht es gegen Ghana um alles oder nichts. Aber vor dem ersten Endspiel des DFB-Teams bleiben viele Fragen offen, selbst das "alte" System im 4-4-2 wird diskutiert. Nur die Frage nach dem Linksverteidiger scheint beantwortet: Überraschend rückt Jerome Boateng offenbar für Holger Badstuber in die erste Elf - wohlgemerkt links hinten.
Das Endspiel naht und Deutschland zittert mit der Nationalmannschaft. Heute geht es für die Mannschaft von Joachim Löw gegen Ghana um alles oder nichts (20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf Sky).
Nach der Niederlage gegen Serbien braucht die deutsche Mannschaft einen Sieg, um ganz sicher ins Achtelfinale einzuziehen.
Aber wie sind die Ghanaer zu knacken? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.
Ghanas Grundformation: Ghana spielt in einem sauberen 4-2-3-1. John Mensah und Vorsah sind wieder fit und bilden die Innenverteidigung. Mensah ist der Chef der Viererkette, die von Paintsil (rechts) und Sarpei komplettiert wird.
Davor schließen Boateng und vor allen Dingen Annan das Zentrum im Mittelfeld. Annan ist der defensivere von beiden, der Boateng den Rücken freihalten muss.
Voting: Mit welcher Aufstellung soll Deutschland gegen Ghana spielen?
Die offensive Mittelfeldreihe besteht aus Tagoe, Asamoah und Ayew (von rechts nach links). Vorne drin steht Gyan als einzige Spitze.
Ghanas Defensivverhalten: Über allem steht bei den Afrikanern körperliche Stärke. Sowohl die Innenverteidiger als auch das Mittelfeld ist physisch ungemein stark und robust.
Ghana profitiert in seinem Defensivverhalten davon, dass sich die Außenverteidiger Paintsil und Sarpei so gut wie nie mit nach vorne einschalten und Annan immer zuerst an seine Defensivaufgaben denkt.
Ghana lässt demnach nur selten Kontergelegenheiten zu, weil immer mindestens sechs Spieler hinter dem Ball sind. Boateng kann durch Annans Absicherung viel Laufarbeit verrichten und die Löcher im Mittelfeld zulaufen. Er geht gerne aus dem Zentrum, um auf den Flügeln Überzahlsituationen zu schaffen.
Die fünf Mittelfeldspieler machen den Raum jenseits der Mittellinie sehr knapp, weil Tagoe und Ayew ein paar Meter einrücken.
Gegen Australien hatte Ghana aber arge Probleme mit den Abständen in der Viererkette, das Fehlen von Mensah und Vorsah machte sich deutlich bemerkbar. Mit den beiden genesenen Rückkehrern hat Coach Rajevic wieder seine Stammformation zusammen.
Ghanas Offensivverhalten: Das Angriffsspiel Ghanas glänzt nicht eben mit Esprit oder Zauberwerk. Es dominieren Schlichtheit und Zielstrebigkeit. Das Mittelfeld überbrücken die Black Stars schnell, der Ball geht entweder raus auf den sprintstarken Mittelfeldspieler oder gleich zu Gyan.
Der muss dann Platz und Raum schaffen, in den die Mittelfeldspieler stoßen können. Allerdings ist Gyan nicht unbedingt der große Knipser, sondern eher ein solider Arbeiter. Ein Grundproblem Ghanas: Viele Chancen werden nicht kreiert und die wenigen auch nicht konsequent genutzt.
Dazu passt die Statistik von 38 Torschüssen bisher. Das sind zwar fast so viele wie Argentinien nach zwei Spielen (42), aber nur neun davon fanden auch den Weg aufs Tor. Darunter die beiden Elfmeter, die zu den bisher zwei Toren führten.
Ein Indiz dafür, dass es Ghana oft aus der zweiten Reihe versucht und den Ball nicht zielführend in die gefährlichen Zonen vor dem Tor bringt.
Wie spielt Deutschland: Das 4-2-3-1 hat sich bewährt. Vor allen Dingen Özil und Müller sind darin bestens aufgehoben. Özil braucht die Freiheiten, auf beide Seiten ausbrechen zu können und sich weitgehend nicht um Defensivaufgaben kümmern zu müssen.
Müller und auf der linken Seite auch Podolski sind die Spieler, die kleine Lücken sofort erkennen und blitzschnell in den zu großen Abstand der Viererkette starten können, um dann von Özil aus der Zentrale bedient zu werden.
Zudem wird Cacau für den gesperrten Klose beginnen. Er kann mit Doppelpässen durch die Mitte Verwirrung schaffen und vor allen Dingen auch aus der zweiten Reihe aktiv werden.
Auf der abschließenden Pressekonferenz hat Löw aber durchblicken lassen, dass "die Umstellung auf ein 4-4-2 immer eine Option ist".
Entweder der Bundestrainer spielt damit nur ein paar Mind Games, oder aber er vertraut gegen den kantigen Gegner seinem "alten" System, das ebenfalls weniger Spielfluss zulässt, dafür aber mit zwei zentralen Stürmern wuchtiger daher kommt.
Teil 2 der Taktik-Analyse: Was passiert im 4-4-2, mit oder ohne Badstuber?
Das Endspiel naht und Deutschland zittert mit der Nationalmannschaft. Heute geht es für die Mannschaft von Joachim Löw gegen Ghana um Alles oder Nichts (20.15 Uhr im LIVE-Ticker und auf Sky).
Was passiert im 4-4-2: Drei Fragen drängen sich auf: Was geschieht mit Özil? Wer stürmt neben Cacau? Und wäre das 4-4-2 wirklich die bessere Lösung?
Özil müsste vor der Doppel-Sechs auf einen der beiden Flügel ausweichen, vermutlich auf links. Das hat er auch schon im Verein gespielt, allerdings wird er dadurch vieler seiner Stärken beraubt. Der Bremer braucht Freiheiten in alle Richtungen und würde seine Passgenauigkeit und Übersicht nur rudimentär einsetzen können.
Der erste Gedanke an einen Sturmpartner von Cacau führt zu dessen altem Stuttgarter Nebenspieler Gomez. Nur ist der noch gar nicht im Turnier, Gomez spielte nach seinen beiden Einwechslungen bisher eher glücklos. Kießling ist zu weit weg von der Mannschaft und passt ebenso wenig zu Cacau wie Podolski.
Voting: 4-2-3-1 oder 4-4-2? Wie soll Deutschland gegen Ghana spielen?
Für das System spricht die Tatsache, dass Deutschland mit zwei echten Stürmern Druck machen kann, sowohl offensiv als auch defensiv. Ghanas Spieler offenbarten gegen Australien erhebliche Probleme, wenn sie früh und nachhaltig gestört wurden. Die Folge waren gefährliche Ballverluste tief in der eigenen Hälfte.
Dagegen sprechen aber deutlich mehr Faktoren, unter anderem auch, dass Deutschland dann gegen die drei offensiven Mittelfeldspieler des Gegners nur Schweinsteiger und Khedira stellen könnte.
Das muss Deutschland machen: Druck von Beginn an! Kein Taktieren, kein Zögern, schnell für klare Verhältnisse auf dem Platz sorgen. Deutschland spielt nicht nur gegen elf Ghanaer, sondern auch 75.000 Afrikaner im Stadion, die "ihre" letzte Mannschaft mit Chancen auf das Achtelfinale nach vorne tröten werden.
Den Ball schnell machen! Ghana verliert bei flüssigen und schnellen Kombinationen und wenn die Defensive ins Laufen kommt gerne den Überblick. Dazu müssen die Zuspiele hart und präzise kommen, die Positionen in der Offensive gut besetzt sein.
Özil kommt hierbei erneut eine andere zentrale Rolle zu. Gegen den routinierten Stankovic hatte er große Probleme, ins Spiel zu finden. Der Serbe ließ sich von der deutschen Mannschaft nicht aus seiner Position im Zentrum locken, Özil kam deshalb nie hinter die Mittelfeldlinie der Serben. Der Bremer muss sich besser und vor allem cleverer bewegen als zuletzt gegen Serbien.
Abschlüsse suchen! Kingson lieferte sich in der vergangenen Saison ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Serbiens Torhüter Vladimir Stojkovic bei Wigan Athletic - um die Nummer drei im Tor. Eigentlich unglaublich, dass eine Fußball-Nation wie Ghana keinen besseren Torhüter für eine WM-Endrunde nominieren kann.
Deutschland muss ihn mit Schüssen nur so zudecken. Kingson ist die große Schwachstelle im Team der Afrikaner.
Aber auch die Chancenverwertung muss deutlich besser werden als zuletzt. Gegen Australien und Serbien vergab die deutsche Mannschaft Chancen im Überfluss. Da muss deutlich mehr Killerinstinkt her.
Impulse von der Bank! Gegen Serbien waren die Wechsel Rohrkrepierer. Da muss diesmal deutlich mehr Feuer kommen - ganz egal, wer eingewechselt wird.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Ghana: Kingson - Paintsil, Vorsah, John Mensah, Sarpei - Annan, Boateng - Tagoe, Asamoah, Ayew - Gyan
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Friedrich, Boateng - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Cacau
Schiedsrichter: Carlos Simon (Brasilien)