Am Donnerstag um 12 Uhr startet Sky Sport News HD. Der TV-Sender bringt rund um die Uhr live Sportnachrichten, von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts moderiert. Frontfrau und Gesicht des Projekts ist Kate Abdo (30). SPOX sprach mit der Engländerin über den neuen Sender, ihre Vorliebe für Manchester United, Marcel Reif und EM-Favorit Deutschland.
SPOX: Sie sind das Gesicht des wohl spannendsten Projekts im deutschen Sportjournalismus: Als Head Anchor des am Donnerstag startenden Nachrichtensenders "Sky Sport News HD". Dabei wären Sie beinahe gleich zu Beginn ausgefallen. Was ist passiert?
Kate Abdo: Ganz so dramatisch war es nicht. Der Virus liegt mittlerweile fast drei Wochen zurück, eine Stimmbandentzündung, die ich ebenfalls hatte, auch. Die Erkrankung kam also gerade noch zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt zum Start bin ich wieder topfit.
SPOX: Wurden Sie durch die Krankheit noch nervöser als so schon?
Abdo: Ein bisschen Spannung und Nervosität gehört immer dazu, um eine gute Leistung zu erbringen. Bei mir überwiegt jedoch die Vorfreude. Wir proben zwar fleißig und simulieren seit Ende letzter Woche schon den richtigen Sendebetrieb, aber ich warte seit fünf Monaten darauf, dass wir endlich richtig auf Sendung gehen.
SPOX: Sky hat ein komplett neues Studio und einen komplett neuen Mitarbeiterstab aus 200 Personen aufgebaut. Wie groß ist das Risiko, dass es zu Pannen kommt?
Abdo: Pannen gibt es im Fernsehen immer. Die Kunst liegt darin, dass sie vom Zuschauer nicht wahrgenommen werden. Deswegen ist es entscheidend, dass wir Moderatoren immer Souveränität ausstrahlen, auch wenn es zwangsläufig mal hakt.
SPOX: Wie schwer wird für Sie die neue Aufgabe?
Abdo: Einerseits wird es keine große Umstellung zu meinem alten Job bei "CNN": Vor der Sendung Nachrichtenblöcke zusammenstellen, Headlines suchen, im weiteren Verlauf einer Sendung tiefer in die Materie gehen, bei Topthemen zu den Reportern rausschalten, das sitzt schon. Andererseits ist es eine neue Herausforderung, fünf Stunden am Stück on air zu sein. Bei "CNN" hatte ich eine halbstündige Sendung, auf die man sich gut vorbereiten konnte. Bei fünf Stunden hingegen geht es mehr darum, ein tiefes Grundwissen zu haben, um spontan auf Ereignisse zu reagieren. Wenn Trainer X entlassen wird, muss ich sofort die richtigen Fragen im Kopf haben.
SPOX: Ereignisse wie eine Trainer-Entlassung sind eher seltene Ereignisse. Wie will "Sky Sport News HD" die Sendezeit von 6 bis 1 Uhr füllen? Auf Dokumentationen oder Talkshows wird bewusst verzichtet.
Abdo: Das wird kein Problem sein. Wir gehen ohnehin nicht davon aus, dass ein Zuschauer zwei Stunden am Stück vor dem Fernseher sitzt, vielmehr wird die Sehgewohnheit eher so sein, dass jemand morgens für 10, 15 Minuten einschaltet, dann mittags und abends. So ist die Gefahr der Wiederholung relativ klein - auch wenn wir natürlich Beiträge mehrmals an einem Tag zeigen werden. Wegen der Sport-Highlights an sich mache ich mir keine Sorgen: Während der Bundesliga-Winterpause gibt es Wintersport, nach der Bundesliga fängt nahtlos die EM-Vorberichterstattung an, wenig später kommt Olympia. Dazu werden wir unter anderem Ausschnitte aus der Formel 1, vom Tennis und aus den US-Sportligen wie der NBA, NHL und der NFL zeigen.
SPOX: Das erste Highlight wird die Auslosung der Fußball-EM-Gruppen am Freitag sein. Mal so gefragt: Sehen Sie einen Grund, warum Deutschland 2012 nicht Europameister wird?
Abdo: Ganz ehrlich: nein. Als Fan der englischen Nationalmannschaft ist die Frage zwar nicht so einfach zu beantworten, dennoch muss ich sagen, dass Deutschland für mich der große Favorit ist. Spanien könnte nach all den Erfolgen der Hunger fehlen.
SPOX: Sie feuern nicht nur die Three Lions an, Sie sind auch leidenschaftlicher Anhänger von Manchester United. Wie drückte sich die Passion aus?
Abdo: Das fing früh in der Kindheit an. Immer wenn mein Vater Karten hatte und mein Bruder, der als Junge das Erstrecht hatte, mal nicht konnte, bin ich mit meinem ihm ins Old Trafford gegangen. Damit verbinde ich noch schöne Erinnerungen. Einer der besten Momente war natürlich das Champions-League-Finale 1999, das ich in einem Pub mit meinem Bruder gesehen habe. In München erzähle ich die Geschichte aber lieber nicht so oft. (lacht)
Seite 2: Abdo schwärmt von Cantona, Magath und van Gaal
SPOX: Eine Frage darf bei einem weiblichen United-Fan nicht fehlen: Beckham oder Ronaldo - von wem haben Sie mehr geschwärmt?
Abdo: Von keinem von beidem, sondern von Eric Cantona. Cantona hat mit soviel Power, Herz und Leidenschaft gespielt, das war beeindruckend.
SPOX: Wen der beiden finden Sie denn rein optisch interessanter?
Abdo: Auch was das angeht, sind Beckham und Ronaldo nicht wirklich mein Typ. Ich finde es nicht so gut, wenn Männer im Bad mehr Zeit brauchen als ich. (lacht)
SPOX: Sie verließen relativ früh Ihre Heimatstadt Manchester, zogen in die Welt und lernten unter anderem Deutsch, Spanisch und Französisch. Woher kommt Ihre Offenheit?
Abdo: Ich wollte einfach immer schon viel unterwegs sein und Neues kennenlernen. Weil ich unbedingt Spanisch lernen wollte, bin ich nach der Schule direkt nach Spanien gezogen. Und weil mir die Sonne und der Strand so gefallen haben, blieb ich einfach dort für das Studium, statt nach Hause zurück zu kehren. Später lebte ich in Frankreich und in Berlin und lernte relativ schnell die Sprachen.
SPOX: Trotz Ihrer Deutsch-Kenntnisse spielte jedoch auch der Zufall eine große Rolle, um bei Sky zu landen. Stimmt es, dass SPOX-Kolumnist Raphael Honigstein die entscheidenden Weichen gestellt hat?
Abdo: Ich hatte Raphael bei "CNN" häufig als Bundesliga-Experten zu Gast. Irgendwann fragte ich ihn, ob es eine Chance gibt, in Deutschland als Sport-Moderatorin zu arbeiten, weil mein Mann in Berlin wohnt. Raphael empfahl mir daraufhin Sky und vermittelte mir einen Kontakt zu Marcel Reif. Ich mailte ihn also an und Herr Reif antwortete: "Schick mir deine Sachen. Ich kenne dich nicht und ich verspreche dir nichts. Aber wenn ich es gut finde, leite ich es weiter. Wenn nicht, dann nicht." Daraufhin schickte ich ihm den Lebenslauf und ein Bewerbungsvideo - und es kam keine Antwort. Ich dachte, das wär's, doch eines Tages klingelte mein Handy und am anderen Ende war Carsten Schmidt, Sport-Vorstand von Sky.
SPOX: Ihnen kommt als Head Anchor eine große Bedeutung zu. Ist es aber auch angedacht, dass Sie dank Ihrer Sprachkenntnisse die wichtigsten Interviews führen?
Abdo: Grundsätzlich ist es so geplant, dass der Reporter vor Ort abdeckt und wir Moderatoren im Studio bleiben. Wenn jedoch beispielsweise Jose Mourinho uns ein Interview anbietet und das nur auf Englisch oder Spanisch führen will, werden wir diese Möglichkeit in der Redaktion besprechen.
SPOX: Sie hatten bei "CNN" die bekanntesten Persönlichkeiten zum Interview. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?
Abdo: Bobby Charlton, den ich allerdings nicht bei CNN, sondern im Rahmen der Europa-League-Auslosung kennengelernt habe. Nicht nur, weil er für jeden Engländer ein Held ist. Er ist einer der wenigen Gentlemen: Bodenständig, aufmerksam, immer auf Augenhöhe mit dem Gegenüber - wie Franz Beckenbauer in Deutschland.
SPOX: Als ein wenig kantiger gilt Sir Alex Ferguson. Hatten Sie schon das Vergnügen, mit dem United-Trainer zu sprechen?
Abdo: Nein, leider noch nicht. Aber Sir Alex ist in Manchester ein Held. Es wäre ein Traum, wenn ich ihn mal interviewen dürfte.
SPOX: Bei Felix Magath hat das mit dem Interview schon geklappt...
Abdo: Ich finde auch Felix Magath faszinierend. Er besitzt etwas, das aus meiner Sicht im deutschen Fußball sonst fehlt: die Durchsetzungsfähigkeit. Sie ist in England Grundvoraussetzung für jeden Manager. Als Boss muss man immer die Kontrolle über alles haben, dafür sollte man jedoch eine gewisse Persönlichkeit mitbringen, so wie Magath. Deswegen fand ich auch Louis van Gaal gut.
SPOX: Bringen Sie selbst die nötige Härte mit, um sich als Frau in der Machowelt des Sports zu behaupten?
Abdo: Es gibt das Vorurteil: Wer als Frau eine Sportsendung moderiert, sieht nur gut aus und hat sonst keine Ahnung. Bei einem Mann hingegen geht man von vornherein davon aus, dass er kompetent ist. Daher wird der Anfang schwieriger, aber auf Dauer sehe ich keine Probleme zu kommen. Jessica Kastrop hat sich ja auch durchgesetzt. Sie zeigt, dass es kein Nachteil, sondern ein Vorteil sein kann, eine Frau zu sein: Mit einer ansprechenden Optik in Kombination mit Kompetenz kann man nur gewinnen.
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