Wäre es nach GM Jon Horst gegangen, wäre Bobby Portis in diesen Playoffs überhaupt nicht im Kader der Milwaukee Bucks gewesen. Es war Mitte November, als die Bucks Nägel mit Köpfen machten. Innerhalb weniger Tage vollzog der GM den Trade für Jrue Holiday und besiegelte scheinbar im stillen Kämmerlein einen Sign-and-Trade-Deal, der Bogdan Bogdanovic aus Sacramento nach Wisconsin lotsen sollte.
Die Sache hatte einen Haken, einen sehr großen. Der Serbe war noch nicht Restricted Free Agent, das Verhandlungsfenster ging erst einige Tage später auf, weswegen Sacramento und Milwaukee gar nicht über einen Deal hätten sprechen dürfen. Die Medien bekamen von der Sache Wind, das Geschäft platzte und Milwaukee musste als Strafe einen Zweitrundenpick für 2022 abdrücken.
Es waren Schlagzeilen zur Unzeit, schließlich wollten die Bucks parallel Giannis Antetokounmpo davon überzeugen, den Supermax-Vertrag zu unterschreiben, welchen der Grieche letztlich dennoch unterzeichnete.
Bobby Portis: DNPs gegen die Brooklyn Nets
Jener Bogdanovic landete schließlich in Atlanta, also bei jenem Team, dem die Bucks nun gegenüberstehen. Im November war jedoch völlig unklar, ob die Bucks nach diesem Desaster ein echter Contender sein würden, auch weil sich Horst auf der oft zitierten Resterampe bedienen musste.
D.J. Augustin entpuppte sich als Flop und wurde bereits weitergereicht. Bryn Forbes spielt dagegen wichtige Minuten und auch Portis (2 Jahre, 7,4 Millionen Dollar) wurde über die Saison zu einem Glücksgriff. Der 26-Jährige spielte als Backup-Center eine gute Rolle und brachte jede Menge Scoring. Während der Saison traf er fast 50 Prozent seiner Dreier, die nicht aus der Ecke kamen und war damit eine gute Ergänzung zu Antetokounmpo.
Dieser fehlte nun wegen einer Überdehnung im Knie in Spiel 5, was Portis den ersten Start seiner Playoff-Karriere bescherte, obwohl er in gleich drei Partien der Brooklyn-Serie überhaupt nicht eingesetzt worden war. "Ich habe deswegen nicht geschmollt. Ich habe weiter gearbeitet und wusste, dass meine Zeit kommen würde", erklärte Portis.
Bobby Portis: Plötzlich Fanliebling
Keine leeren Worte, er war bereit. Der Big Man verbuchte 22 Punkte, schnappte sich 8 Rebounds, generierte 3 Steals, nahm insgesamt 20 Würfe und bekam vom frenetischen Bucks-Publikum "Bobb-y, Bobb-y"-Sprechchöre. Der wurfstarke Big hat sich in die Herzen der Fans gespielt, weil er markigen Sprüchen auch Leistungen folgen lässt.
Nach Spiel 3 verglich sich Portis noch mit einer Tankstelle, da er immer Benzin zur Verfügung habe, nach Spiel 5 wählte er Worte, die Bucks-Fans wie Öl heruntergingen. "Milwaukee ist eine Arbeiterstadt und ich bin ein hart arbeitender Spieler. Ich werde meine Würfe immer nehmen, ob sie reingehen oder nicht."
Für Portis war die Milwaukee-Entscheidung ein Glücksgriff, im Vorjahr wurde er mit den New York Knicks nicht einmal in die Bubble eingeladen. Scoren konnte Portis schon immer, Defense war stets das große Problem, auch bei seinen anderen Stationen Chicago und Washington.
Bobby Portis: Seine Statistiken 20/21 für die Milwaukee Bucks
Wettbewerb | Minuten | Punkte | FG% | 3P% | Rebounds | Steals |
Regular Season | 20,8 | 11,4 | 52,3 | 47,1 | 7,1 | 0,8 |
Playoffs | 18,0 | 9,1 | 48,5 | 33,3 | 5,2 | 0,8 |
Bobby Portis: Wer erinnert sich noch an den Faustschlag?
Und dann war da noch dieser Vorfall im Oktober 2017. Während eines Trainings mit den Bulls kam es zu einer Auseinandersetzung mit Nikola Mirotic, bei welcher der Spanier eine Gehirnerschütterung sowie mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitt. Portis? Der wurde für acht Spiele teamintern gesperrt und galt als fauler Apfel, auch wenn die beiden sich aussprachen.
Heute kommt der Vorfall kaum noch zur Sprache, Portis spielt endlich wichtigen und auch den womöglich besten Basketball seiner Karriere. "Es war eine der besten Entscheidungen meiner Karriere, hierher zu kommen", sagte Portis nach Spiel 5 über die Bucks. "Ich hatte in der NBA einen wechselhaften Start mit vielen Höhen, aber auch vielen Tiefen."
Spiel 5 muss gar nicht der Höhepunkt gewesen sein, womöglich wird Portis in der Nacht auf Sonntag erneut starten, wenn Antetokounmpo wieder passen muss und kann mithelfen, dass die Bucks erstmals seit 1974 wieder die Finals erreichen.